Gran Canaria, Spanien

Vorwort:

Nachdem ich den geplanten Urlaub aus dienstlichen Gründe absagen musste, war die Stimmung im Hause Schindler-Schulze angespannt. 14 Tage wollten wir mit den Schwiegereltern auf die Kanaren fliegen. Leider ohne mich. Da ich die erste Hälfte des geplanten Urlaubs wegen einer Veranstaltung nicht konnte, hatte ich heimlich für den 4.11. ein Flugticket gebucht, um meine Familie zu überraschen und doch noch ein paar Tage gemeinsam auf der Insel verbringen zu können. Überraschung? Nachdem mich zuhause immer wieder die Vorwürfe über den verpatzten Urlaub einholten, musste ich zur Verbesserung der Stimmung die Überraschung leider preisgeben. Etwas geärgert hatte es mich schon, denn eigentlich war ich auf die verdutzen Gesichter vor Ort gespannt, wenn ich meiner Frau irgendwo in Playa del Ingles „zufällig“ über den Weg gelaufen wäre.

Nun also die Premiere. Ich lasse meine Ehefrau an die Tastatur für den ersten Teil des Reiseberichts. Und so startete sie anstatt mit Ehemann mit Tochter Josefine, ihren Eltern und Schwiegermamas bester Freundin Petra zur ersten Flugreise mit Baby. Dem neuen Leben als Mama und einem Handicap ist es dann wohl geschuldet, dass der Reisebericht eher alltagslastig als abenteuerlustig ist, aber alleine der erste Flug mit Kind war Abenteuer genug.

Freitag, 26.10.

Freitagmorgen. Chaos in Freisenbruch. Der Göttergatte hatte für den Morgen noch einen Bagger bestellt, um sich neben einer Großveranstaltung der Essener Kulturszene auch noch am Wochenende mit der Gartengestaltung zu stressen. Josefine und ich starteten mit zwei vollgestopften Reisetaschen, einer Handtasche, die eher den Namen Seesack verdient, einem Rucksack mit „Baby-den-Flug-angenehm-gestalten-und-auf-einen-möglichlichen-Notfall-vorbereitet-sein-Utensilien“ sowie einen eigens angeschafften Reisebuggy (für die Eltern unter euch: Joie Impact Lite) in die Ferien. Milchpulver, Breie zum anrühren, diverse Gläschen, Windeln und und und. Ich beschränkte mein persönliches Gepäck auf einige schwarze Kleidungsstücke und erntete wie so oft den Kommentar der Oma: „Farbenfroher gings wohl nicht“. Dank einer Fußverletzung, die ich mir ein paar Tage zuvor bei der Gartenarbeit zugezogen hatte, blieben die offenen Schuhe ohnehin zu Hause. Dafür trug ich jetzt eine passende modisch schwarz-schicke Aircast-Schiene.

Nachdem Großeltern, Baby und die dazugehörigen Eltern im Auto verstaut und die erste Panik über mögliche vergessene Pässe verblasst war, erwartete uns erstmal der Stau auf der Autobahn. Am Düsseldorfer Flughafen angekommen, wurde die neu gestaltete Ankunftszone (10 Minuten frei, 11.-15. Minute 5 Euro!) genutzt. Alles ausgeladen, Kind im Buggy festgeschnallt und ein letztes Mal für zehn Tage vom Papa geknuddelt. Traurig irgendwie, denn sein Baby so lange nicht zu sehen ist schon hart. Dementsprechend kurz fiel der Abschied aus, um nicht doch noch ein Tränchen fließen zu lassen.

Hinein in die Halle, ab zum Check-In Schalter von TUIfly. Gebucht hatten wir den Perfekt-Tarif, sodass Josefine umsonst flog und ich für 15 EUR pro Strecke Gepäck bis 20kg für sie mitnehmen konnte. Kinder unter zwei Jahren erhalten dort keinen eigenen Sitzplatz, sondern fliegen auf dem Schoß eines Erwachsenen mit. Trotz zwei exakt gleich langen Schlangen ging es nicht voran. Die Schlange neben uns löste sich auf und die Trulla am Schalter sah ihre Arbeit als beendet an. Sie ließ die offensichtlich vollkommen überforderte Kollegin alleine zurück und zog mit Handtäschchen von dannen. Etliche Minuten später dackelte sie frustriert zurück, um doch noch ein bisschen zu arbeiten. Ansonsten wäre das Flugzeug wohl nie vom Boden abgehoben. Dass wir verschiedene Buchungsnummern hatten, verstand sie offensichtlich als pure Provokation und ließ uns dies auch spüren. Eine Ute Schindler hätte sie nicht und überhaupt wäre das ja alles durcheinander. Wenigstens erklärte sie mir einigermaßen neutral, dass ich den Buggy mit zum Gate nehmen konnte und brachte einen Aufkleber an.

Gefühlte Stunden später ging es mit Sack und Pack zur Sicherheitskontrolle, um dort erneut zu warten. Lediglich zwei Scanner geöffnet, elend lange Schlangen und sichtlich genervte Passagiere. Während ich mich dadurch nicht stressen ließ und mich über ein strahlendes Kind freute (ALLE wurden angelacht), entschied Opa, dass beim nächsten Mal doch das Priority Boarding gebucht werden solle. Endlich an der Reihe wurde Josefine abgetastet, der Buggy durchsucht und Mama und Oma durchleuchtet. An dieser Stelle war ich dann sehr froh nicht alleine zu reisen, da ich Josefine aus den Händen geben musste.

Endlich durch den Sicherheitscheck war die Zeit soweit fortgeschritten, dass der Opa schon Druck machte zum Boarding zu gehen. Moooooment. Frau braucht zwingend ihr Lustiges Taschenbuch sowie einen Wasservorrat für Josefine. Da es für die Mitnahme von Wasser für Babys immer unklare Aussagen gibt, hatte ich entschieden dieses erst am Flughafen zu kaufen. Am Gate angekommen… der Flug hatte Verspätung. Soviel zu der Hektik. Vorbereitend baute ich den Buggy zusammen und musste feststellen, dass die Trulla von vorhin den Aufkleber falsch angebracht hatte. So war er nämlich nicht zu sehen. Ich also wieder zu ihr, um zu fragen, was ich denn nun machen solle. „Ja das sei schlecht, den müsse man sehen“. Ja und jetzt. „Na jetzt ist das ihr Problem“. Ich könnte ihn ja abmachen aber dann klebt er nicht mehr. Statt einfach mal einen Tacker rauszugeben, den Sticker zu erneuern oder sonst was, feierte die Dame sich wohl selbst für ihre bescheuerte Antwort. Kurzerhand hatte ich das Ding abgerissen und mit Pflastern angeklebt.

Beim Einsteigen ging es dann recht problemlos mit meinem gut gelaunten Baby in den Flieger. Der Buggy wurde vorne stehen gelassen. Als erste im Flieger konnten wir dann das mangelnde Sozialverhalten von Menschen und die Freuden der Onlinebuchungen beobachten. Denn zahlreiche Sitzplätze waren doppelt vergeben. Schrecksekunde – die Trulla dackelte durch den Mittelgang. Sollte sie für die Bordverpflegung zuständig sein würde ich dankend ablehnen. Bei der Laune hätte sie wohl reingespuckt. Aber nein. Sie sorgte wohl dafür, dass die Passagiere mit den doppelt gebuchten Sitzen die Schuld bei sich suchten. Naja, danach wart sie wenigstens nicht mehr gesehen. Für den Zwerg erhielten wir noch einen Minigurt und eine Babyschwimmweste, die aber wohl eher als Atrappe dienen sollten. Die Startzeit verzögerte sich weiter und mein perfekt getimtes Mittagessen für Josefine (sie sollte bei Start und Landung trinken) musste dank Schreitirade vorgezogen werden. Den Start verschlief das Töchterchen dann entspannt.

Während des Fluges wurde der kleinste Passagier mit Fingerspielchen, Obstquetschies und Brötchen bei Laune gehalten. Wenn die Stimmung der jungen Dame zu kippen drohte sorgten die Fluggäste in den Sitzreihen hinter uns für Aufmunterung. Baby in die Luft gehalten und das Winken ging los. Hier mein Dank an die kinderlieben Mitflieger. Das Wickeln gestaltete sich Dank Omas und Mamas Schoß unproblematisch. Allerdings frage ich mich ernsthaft, ob ich mit 29 noch wachse oder die Sitzreihen immer enger werden. Mit meinen 1,69m gehöre ich wohl noch zu den kleineren Passagieren und stosse dennoch mit meinen Knien gegen den Vordersitz. Mit Baby auf dem Schoß ist das für wenige Stunden zwar noch zu ertragen, gerade weil ich sie auch mal bei Oma parken konnte, bei einen Langstreckenflug wäre es aber wirklich unbequem. Früher hat mir das Fliegen mal Spaß gemacht, mittlerweile ist es nur noch ein notwendiges Übel.

Nach einer absoluten Bruchlandung – der Rücken von Opa dankt heute noch dem Piloten – kamen wir mit reichlich Verspätung endlich am Flughafen von Las Palmas an. Schnurstracks zum Gepäckband und… warten. Die Koffer aller kamen und kamen nicht. Auch der Buggy, um dessen Unversehrtheit ich mich am meisten sorgte, blieb verschollen. Naja, ich wäre ja auch mit dem Handgepäck über die Runden gekommen. Doch nach einer Weile entdeckten wir das andere Band, auf dem die Koffer vergeblich auf uns warteten. Endlich ab zum Transfer, der wie im letzten Jahr privat organisiert war, Baby in der georderten Babyschale verstaut und ab ins Holycan in Playa de Ingles.

Vermieter Sandro ließ nicht lange auf sich warten und wir konnten einziehen. Ein Babybett und Hochstuhl waren bereits vorbereitet und Josefine und ich konnten uns breit machen. Der erste Weg führte die Damen des Hauses zum Spar. Kaffee, Bier, Kekse. Das Nötigste halt. Ich konnte mir es natürlich nicht nehmen lassen triumphierend eines der wenigen Babygläschen in die Luft zu halten und der Oma zu erklären, dass ich mit meiner Vorratshaltung nicht schlecht gefahren bin. 2,30 Euro für ein Glas, was bei uns 95 Cent kostet – war gar nicht so dumm das mitzunehmen. Zumal die Auswahl wirklich bescheiden war. Nichtsdestotrotz müsste kein Baby hier verhungern. Auch die Windeln sind um ein vielfaches teurer als bei uns, daher war ich froh sämtliche Hohlräume in den Koffern damit ausgestopft zu haben.

Apropos stopfen. Wieder zurück ging es kurz zum frischmachen, Baby füttern und dann zum Stammlokal La Carretta auf der Av. de Gran Canaria.

Wieder zurück im Bungalow herrschte dann das Chaos. Wo ist was, wer schläft wo und überhaupt. Aber egal. Josefines Schlafsack wart gefunden, meine Zahnbürste dafür verschwunden und wir wollten nur noch ins Bett.

Da das Minimenschlein verständlicherweise vollkommen durch den Wind war, hab ich aufs Kinderbett gepfiffen und sie in meinen Arm gekuschelt einschlafen lassen.

Samstag, 27.10.

Die erste Nacht war super, aber weitere sehr kurze Nächte sollten folgen. Der Kurzen wurde ein Lager zum spielen aufgebaut, es wurde gefrühstückt (leider wieder in Plastik gepacktes Brot) und dann die Kurze bespaßt.

Die ersten wilden Wortgefechte unserer Familie hielten Einzug und der Urlaub konnte starten. Typisch Schindler. Nach einer gefühlten Ewigkeit war der Inhalt der Koffer in den Schränken verstaut und ich konnte mich auf den Weg zum Pool machen, den ich mir von der blöden Fußverletzung nicht madig machen wollte. Da der Pool im Holycan echt kalt ist, wagte Petra sich nur zögerlich mit den Zehen hinein, nachdem sie über den vermeintlichen Kunstrasen gedackelt war. Klimabedingt sehen die Grünflächen hier allerdings wirklich etwas unecht aus. Nach einigen Bahnen machten mein Arme dann jedoch schlapp und ich humpelte zurück zum Bungalow, um mit Josefine in die Fluten zu springen.

Madame bekam einen eigens für sie angeschafftes Planschbecken mit Wasser gefüllt und hatte Spaß ohne Ende. Wir natürlich auch. Da schwimmen müde macht, verschliefen das Töchterchen und ich den restlichen Mittag bis es zum Essen ging.

Stammchinese. Eigentlich bitter in Spanien zum Chinesen zu gehen, aber die Ente mit Pfannkuchen ist im Chino China Sol unschlagbar. Zudem überschlugen sich die Inhaberin und ihre Angestellte um Josefine zu bespaßen. Der kunstvoll geschnitzten Möhrenvogel fiel meiner Tochter aber dann zum Opfer. Während Petra und Papa einen Absacker nahmen, ergatterten Mama und ich noch ein Babyoutfit, um den Papa, der am übernächsten Sonntag nachreisen sollte, standesgemäß zu begrüßen. Der Abend wurde kurz, denn das angesteuerte Kölsche Eck hatte witterungsbedingt schon die Schotten dicht.

Sonntag, 28.10.

Am Sonntag starteten Josefine und ich müde in einen durchwachsenen Tag. Sachen raus, Regen, Sachen rein und von vorn. Da ich nicht schlafen konnte, kuschelte sich die Oma mit Josefine ins Bett zur Siesta. Opa war indes zum Fußballgucken zum Namensvetter Rudi ins Kölsche Eck aufgebrochen. Wir Damen tauchten am frühen Abend dort auf und sorgten für Entzückung beim harten Kölner und seiner Julia. Auf den Schalke-Pulli von Josefine wurde mit einer Minifahne vom FC gekontert.

Die Adresse vom deutschen Kinderarzt bekamen wir ebenfalls direkt in die Hand gedrückt, damit wir gut versorgt waren, falls doch mal etwas passiert. Josefine war hin und weg von der Sportsbar und den vielen Fernsehern. Der Opa saß stolz mit der umherstarrenden Enkeltochter auf dem Schoß an der Theke und lieferte sich die üblichen Wortgefechte mit Rudi. Nach Ende des Spiels ging es wieder zum Stammspanier. Für Opa, Enkelin und mich.

Denn die beiden anderen Ladies waren noch mit dem Leeren der „gigantischen Weinkelchen“ beschäftigt und kamen nach. Während die Oma das Essen mit Josefine vorzeitig verließ, ließen wir Petra, die die Adresse zum Holycan Bungalow Park nicht wusste, ein Taxi bestellen und den Weg erklären. Nickelig, aber witzig. Und wir sind angekommen.

Montag, 29.10.

Die vergangene Nacht verlief etwas eigenartig. Während ich eine volle Milchflasche im Bett umschmeißen musste, wurde Petra von Tick, Trick und Track alias die Kakerlakenbande im Bett besucht.

Fand Petra nicht so prickelnd, für den Rest der Urlauber war das allerdings extrem unterhaltsam. Naja. Wer den Schaden hat. Ich hingegen wachte auf und fand mich mit Josefines Kuscheltier im Arm wieder. Das Töchterchen hatte sich durchs Bett gerobbt und schlummerte friedlich ohne „Bella“. Rabenmutter.

Am Mittag machte ich mich über die technische Fähigkeiten meiner Mutter lustig. Sie hatte mittlerweile begriffen, dass man Youtube nicht ohne weiteres löschen kann. Petra hingegen war begeistert von der Idee und fragte direkt wie es funktioniert. Meine Versuche etwas Wissen über YouTube an sich und Smartphone Apps zu vermitteln verliefen in die falsche Richtung.

Am Abend entdecken wir ein neues Restaurant. Das La Gustera. Ich halte nichts von Lokalen mit Werbern vor der Tür, aber der Laden ist wirklich gut und das Ambiente gemütlich. Außerdem ist Josefine scheinbar hin und weg von der asiatischen Kellnerin, die mangels Sprachkenntnissen für Verwirrung sorgt. Petra und ich wollten Fleisch und nahmen uns deshalb die Fleischplatte vor. Ich kann weisgott viel essen, aber diese Portion schaffte selbst ich nicht. Das Töchterchen nuckelte genüsslich an einem ungesalzenen Pommes herum und genoss in vollen Zügen die Aufmerksamkeit des gesamten Service-Personals. Der Kellner hatte wohl auch an Petra Gefallen gefunden. Die Aufmerksamkeit scheinbar genießend, wurden im Laufe des Abends mehrfach Gabeln oder anderes Zeug, was eigentlich auf den Tisch gehört, zu Boden gepfeffert. Der Kellner war im Anschluss der Meinung es sei ihre Masche, sodass dies zum Runninggag des Urlaubs wurde.

Der Abend endete für die trinkenden Reisenden feucht fröhlich, sie schmissen mit Details aus ihrem Liebesleben um sich, die ich als das eigene Kind schnell wieder verdrängen musste. Da ich mich um Josefine kümmern musste und der Strohwitwer noch zuhause war, endeten die Abenden stets früh mit Buch im Bett.

Mittwoch 31.10.

Am Dienstag faulenzten wir in der Bungalowanlage und besuchten gleich noch einmal das Restaurant La Gustera. Die Ereignisse des Vortages sind für diesen Bericht nicht weiter erwähnenswert. Nach einer wiederholt kurzen Nacht, erwischte meine Mutter ihre beste Freundin gerade noch rechtzeitig dabei, den Kaffee nicht mit Leitungswasser aufzusetzen. Dies sollte man auf Gran Canaria tunlichst vermeiden und entsprechende Kanister kaufen. Einer „Lebensmittelvergiftung“ knapp entronnen, überließen wir Josefine Opas Obhut und machten uns mit dem Taxi auf zum Markt in San Fernando. Früher war dieser wirklich schön, man konnte tolle Andenken und Schnäppchen ergattern. Mittlerweile haben auch hier die Chinawaren Einzug erhalten, sodass der Besuch für Ernüchterung sorgte. Traditionsgemäß gab es jedoch trotzdem den Mohnkuchen der deutschen Bäckerei Zipf und einen Snack an der Markthalle.

Für Josefine gab es noch eine unfassbar laute Rassel, die uns noch Nerven kosten sollte. Schneller als gedacht waren wir wieder auf dem Rückweg in die Bungalowanlage. Um fünf machte ich mich dann mit meinem Vater auf ins Kölsche Eck, um den Blau-Weißen die Stange im Pokalspiel gegen Köln zu halten. Trotz des Ansturms konnten wir einen der letzten freien Tische ergattern und wurden prompt von der Palme über uns angegriffen, die irgendwelche Bestandteile – sehr harte wohlgemerkt – verlor.

Scheinbar als Vorbote auf das Tor, welches wir in der ersten Halbzeit einstecken mussten. Hoffnungslos sahen wir dem Ende des Spiels entgegen, als die kleine Schalkerin samt Oma herbeischwebte. Der blau-weiße Dress sorgte dann prompt für den Ausgleich für die Schalker und Opa war nicht zu halten. Hier ein Dank an Wirt Rudi, der meiner Tochter kein Lokalverbot erteilte. Vom Hunger getrieben begaben die Ladies sich zum Chinesen nach nebenan, während der Opa die Verlängerung und den Sieg der Schalker feierte. Der Abend endete für mich zügig im Bett und auch mein Vater fiel nach dem Feiertaumel schnell in die Koje. Musikalische Unterhaltung für uns inklusive. Er wollte durch sein Schnarchen wohl Sorge tragen, dass ich seinen Schwiegersohn nicht allzu sehr vermisse.

Donnerstag, 01.11.

Donnerstagmorgen. Wickelsession mit dem Töchterchen. Ein verdächtiges Geräusch aus der Küche. „Peeeeetra ,du wirst doch wohl nicht wieder Leitungswasser nehmen?“ Ein Gemurmel, das Auskippen der Kaffeekanne und erneutes Befüllen folgten. Petra bekam nun endgültig ein Kaffeezubereitungsverbot. Josefine schnabulierte die erste Tomate ihres Lebens während ihr Opa sich nach einem sehr kurzen Aufenthalt am Frühstückstisch wieder ins Bett schlich. Die Damen verbrachten den Tag beim Shopping und ich wie üblich mit Buch und Babyanimation.

Die schlaflosen Nächte hinterließen langsam ihre Spuren und auch tagsüber war es mir irgendwie nicht vergönnt, in den Schlaf zu finden. Vielmehr verbrachte ich meine Zeit mit Josefine oder Videoaufnahmen von und für den Papa. Auch wenn wir oftmals getrennt etwas unternehmen oder es für gut befinden mal Trips ohne den Partner umzusetzen – mit so einem Würmchen ist es schon was anderes und man wünscht sich seinen Partner an seiner Seite. Dementsprechend sehnsüchtig erwartete ich den bevorstehenden Sonntag und die Ankunft von Stefan. Am Abend ging es zum wiederholten Male zum Stammspanier.

Kreativ wie wir sind, bestellten wir wieder „Papas Arrugadas“, gekochte Kartoffeln mit stark gesalzener Haut und ein traditionelles kanarisches Gericht. Es wird mit einer Chili-Pfeffer-Knoblach-Soße serviert, genannt Mojo Rojo. Dieses Mal ließ sich der Zwerg nicht mit einem Brötchen abspeisen und mümmelte ebenfalls an einer Kartoffel. Als sich plötzlich ein unangenehmer Geruch verbreitete, musste ich Josefine zum zweiten Mal in diesem Urlaub während des Abendessens wickeln. So kinderlieb die Spanier sind, so wenig wickelfreundlich sind die Toiletten. Während ich sie im Rimini, einem Italiener, auf der Unisextoilette im benachbarten Parque Mar auf dem Boden wickeln konnte, parkte ich mein Kind dieses Mal mangels Platz auf dem geschlossenen Klodeckel. Ich war froh, dass sie nicht runterkullerte, sie allerdings hatte einen Mordspaß. Na dann.

Die Oma wackelte anschließend mit der Enkeltochter gen Heimat und der Opa schwadronierte über das Bergfest. „Ja und morgen ist dann ja die Hälfte vorbei“ kam von der charmanten Ersatzoma, was prompt zu einer Diskussion führte, was denn überhaupt ein Bergfest sei. Ich gebe den Likören nach dem Essen einfach mal die Schuld an den mehr oder weniger lustigen Dialogen und Diskussionen. Mit dem Taxi ging es wie jeden Abend – bin ja noch immer gehandicapt – für nen Appel und ein Ei „nach Hause“. Josefine im Taxi mitzunehmen gestaltete sich im Urlaub allerdings schwierig, da die Taxifahrer zwar Kindersitze, aber selten Babyschalen an Bord haben. Sollte man also planen öfter mit dem Auto unterwegs zu sein empfiehlt sich die, z.B. bei Tuifly kostenlos, die Mitnahme einer entsprechenden Babyschale. Dank meiner lauffreudigen Mama konnte ich jedoch meinen Fuß schonen und trotzdem mit Josefine raus.

Freitag, 02.11.

Der Freitag war geprägt von diversen Beautybehandlungen. Von Nägellackieren über Augenbrauenmalen war alles dabei. Mein Vater verdrehte nur hilflos die Augen und ergab sich seinem Schicksal. Während Mama und ich zwecks Nagellacktrocknung wehrlos waren, versuchte Petra Josefine zum Krabbeln zu animieren, die sie daraufhin in den Bauch biss. Auf meinen Einwand, dass sie vielleicht an die Brust wolle, kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen „da kommt nur Luft raus“. Wir wissen zwar nicht welche Beautydocs mit Luft arbeiten, aber vielleicht erfahren wir es ja noch. Zumindest sorgte es bei uns für Gelächter und beim Hahn in Korb für ein weiteres Kopfschütteln.

Vom Lagerkoller getrieben wollte ich an diesem Abend raus. Weg. Und wenn es auch nur kurz zum Einkaufszentrum war. Doch obwohl wir an den vorherigen Abenden immer pünktlich starteten, kam heute keiner in die Puschen. Josefine hielt ein Schläfchen, Opa zögerte sein Duschritual hinaus und Schwupps war es schon so spät, dass allen der Magen knurrte.

Eins führte zum anderen und es entbrannte zum einen ein Streit darüber, ob ich denn noch eine Runde durchs Zentrum drehen könne und wo man nun essen gehen solle. Mein Vorschlag endlich mal was Neues auszuprobieren wirkte wie Öl im Feuer, sodass sich Familie Schindler lauthals auseinandersetzte. Eigentlich verwunderlich, entbrennt der Streit ums Restaurant normalerweise bereits am dritten Abend des Urlaubs. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich, sodass ich noch eine Runde drehen konnte und es dann in ein Lokal ging, welches wir vom Vorjahr kannten, in diesem Jahr aber noch nicht da gewesen waren. Die Laune war allerdings nicht mehr die Beste und der Abend endete schnell. Mama und Petra dackelten mit einem Umweg zur Abholung von Sachen aus dem Yumbo Einkaufszentrum vor und Papa, Josefine und ich trotteten alleine los. Angekommen am Bungalow kam uns Mama mit Kehrblech und Schaufel entgegen. Sie musste mal wieder einen Besucher aus Petras Zimmer entfernen. Die Kakerlaken scheinen wirklich eine besondere Bindung zu ihr zu haben.

Samstag, 03.11.

Die vorletzte Nacht als Strohwitwe beendete mein Töchterlein sowas von pünktlich, dass ich den Rest des Tages wie ein Zombie umherwandelte. Sämtliche Versuche mich mit ihr hinzulegen scheiterten an enormem Widerstand, der sich mit Fingerchen in meinen Augen oder lautstarken Beschwerden äußerte. Dementsprechend schlecht war die Laune von Mutter und Kind und so ereignislos der Tag.

Dieser endete dann beim Chino China Sol und der Frage meines Vaters, ob ich was getrunken hätte. Sah ich so scheiße aus?! Meine verwirrte Aussage „Nein, ich bin unterschlaft“ umschrieb die Situation mehr als passend. Umso besser, dass Mama und ich als Stammgäste, die sowieso wissen was drauf steht und was wir wollen, schon gar keine Speisekarte mehr bekommen, da direkt klar war was wir bestellen. Entsprechend überrascht war die Kellnerin, als wir die Anzahl der Vorspeisen verdoppelten und fragte mehrfach nach. Neben dem von uns bevorzugten a-la-carte Speisen gibt es im Chinasol das Buffet derzeit übrigens für 7,38 Euro. Ein Kampfpreis.

Generell sind die Preise in den meisten Restaurants unheimlich günstig, was zum Großteil dem wachsenden All-In Angeboten zu verdanken ist. Im Vergleich zu den früheren Zeiten ist Playa de Ingles ein derart hart umkämpftes Pflaster, dass viele Läden aussterben. Im kleinen Center Gran Chaparral war früher die Hölle los, heute ist kaum noch ein Laden geöffnet.

Sonntag, 04.11.

Autorenwechsel. Der Papa kommt. Endlich. Und endlich werde ich heute meine Frau und Tochter wieder sehen. Es war 9 Uhr morgens und wie immer saß ich schon Stunden vor Abflug nach Gran Canaria bei „Obligo-Reisebierchen“ am Düsseldorfer Flughafen und startete völlig losgelöst vom Arbeitsstress der vergangenen Tage in den Kurzurlaub auf die Kanaren. Alles easy. Nachdem ich das mittlerweile reparierte Auto des Schwiegervaters – am vergangenen Dienstag hatte ein Transporter das Rücklicht beschädigt – auf den Langzeitparkplatz P22 geparkt hatte, ging es nur mit Handgepäck, Bordkarte in der App, ohne Umwege und Menschenschlangen durch den Nacktscanner direkt zur Frühstücksbar. Erst 7 Stunden zuvor kam ich dazu, meinen Reiserucksack zu packen, da ich bis nachts noch für eine Veranstaltung verantwortlich war. Aber dank des tollen Teams, hatte alles reibungslos geklappt. Ob alles notwendige dabei war? Werde ich bei Ankunft dann ja sehen. Zwei kurze Hosen, Unterhosen und Flipflops waren auf jeden Fall dabei.

14 Uhr im Flieger. Dank der Zuzahlung genieße ich das getoastete Ham & Cheese Panini bei komfortabler Beinfreiheit. Bei Willi und Rainer vor mir gibts Mettenden. Auch lecker. Ryanair bzw. Laudamotion, da war doch was. Nämlich kein Gepäcknetz und eine nur 40 x 20 cm große Ablagefläche. Naja, das Smartphone passte drauf. Der Flug war dank Sodukos lösen und Zeitschriften scrollen schnell vorüber und um 16.30 Uhr Ortszeit stieg ich aus dem Flieger. Bereits 13 Minuten später saß ich im Bus der Linie 90 und war noch mal 40 Minuten später bereits am Plaza Hierro, direkt vor „unserer“ Bungalowanlage „Holycan“. Anstatt eine halbe Stunde mit dem Taxi über die Autobahn ging es für 3,50 EUR entlang der Küste durch die kleinen Städtchen. Aus meiner Sicht viel interessanter und entspannter.

An der Bushaltestelle wartete meine Frau mit unserer Tochter auf mich, die mich in einem Verschnitt einer traditionellen kanarischen Tracht inkl. Hütchen sofort wieder erkannte und mich anstrahlte. Was ein tolles Gefühl, beide wieder in die Arme nehmen zu können.

Zur Begrüßung auf der Terrasse hießen mich meine Schwiegereltern und Freundin der Familie, Petra, mit einem kalten „Tropical“ willkommen. Zur Feier des Tages sollte der Schwiegersohn heute die Ehre haben, ein Lokal seiner Wahl für das Abendessen auszusuchen. Vorsicht. Ganz gefährliche Falle. Das ist ein Thema, das wie im letzten Jahr auch, zur allabendlichen Familiendiskussion ausuferte. Soviel zum Punkt „du darfst aussuchen“! Familienpolitisch gesehen handelte es sich hierbei nicht um eine freie (Aus)Wahl! Denn vier Tipps im Rahmen einer nach Bestechung riechenden Diskussion später ging es in ein Restaurant, was ich noch gar nicht kannte.

Das La Gustera, das erst seit April 2017 existiert und seither durchweg gute Bewertungen enthält. Auch von mir.

Montag, 05.11.

Guten Morgen Gran Canaria. Anky hatte seit Tagen mal wieder gut geschlafen, da die Oma sich über Nacht um ihre Enkelin gekümmert hatte und damit dem wiedervereinigten Ehepaar eine Nacht für sich gönnte. Nach dem morgendlichen Kuscheln mit Töchterchen begaben wir uns um 10 Uhr langsamen Schrittes zum Frühstück.

Oma und beste Freundin Petra waren hingegen schon längst mit Josefine einkaufen gewesen. Und da Mama so gut drauf war, durfte Papa heute den Tag mit Aktivitäten seiner Wahl verbringen. Aber erst einmal ging es zum eiskalten Pool der Bungalowanlage.

Da Anky auf Grund ihrer Fußverletzung noch eingeschränkt war, entschieden Petra und ich, die Familie und die Bungalowanlage zu verlassen und ins Getümmel von Playa del Inglés zu stürzen. Erstes Ziel, die familiengeführte Kneipe „Blauer Engel“ unseres Vermieters Heck. War aber nichts. Ein kurzer Blick, alle Tische belegt. Der Treffpunkt direkt am Strand ist einfach zu beliebt. Stattdessen ließen wir uns den Wind beim Blick auf das Meer um die Nase wehen.

Urlaub, einfach nur Urlaub. Und genau so entspannt sollte der Tag weitergehen. Tat er auch. Erst einmal in der Strandbar Gorro Blanco, von dessen Stühlen man bei einem Gläschen Weißwein bestens Leute beobachten kann.

Doch bevor wir bereits um 12 Uhr versacken, rafften wir uns doch noch auf, bei bestem kanarischen Wetter einen Spaziergang entlang des Strandes zu machen.

Und damit dieser nicht noch zu einer sportlichen Aktivität ausartete, fanden wir uns bereits eine Stunde später auf zwei gemütlichen Stühlen im Pub El Bucanero wieder.

Sänger Franky schmetterte einen Kalauer nach dem anderen, ältere Damen tanzten dazu auf der Promenade und im Minutentakt versuchten uns die afrikanischen Dealer „Rei-Ben“ Uhren und Plastikketten zu verkaufen. Den Ramsch kaufen tun wenige, die meisten gehen eher auf die nicht öffentlich gezeigten Waren ein, die dann auch den Umsatz ausmachen. Wie der ältere Herr neben uns, der aus wahrscheinlich medizinischen Gründen, das in einem kleinen gefalteten Zettelchen eingepackte Marihuana entgegennahm. Davon angespornt, aber nicht wissend was der Herr gekauft hatte, ließen sich nun auch andere Damen und Herren auf Geschäfte ein. Stoffäffchen und BlinkiBlinki-Krams wechselten von schwarz nach weiß. Das sprach sich in der Verkäuferszene natürlich schnell rum, so dass in kürzester Zeit gleich drei bis vier Verkäufer die Blödheit der Touris im El Bucanero ausnutzten. Aber wir ließen uns davon nicht beeindrucken, wiesen zwei Stunden beharrlich alle Verkäufer mit einem Kopfschütteln oder einem erst freundlich, dann leicht genervten, „No thank you“ oder „No, gracias“ ab. Nach der zweiten Strassenshow des kleinwüchsigen Afrikaners, der sich mit Feuerspuken und lächerlich aussehenden Tänzen seinen Lebensunterhalt verdiente, machten wir uns mit dem Taxi auf den Weg zurück zum Bungalow. Traurig anzusehen, dass es Menschen gibt, die sich so zum Affen machen müssen. Aber solange der Touri klatscht und johlt.

Bloß kein Sport heute. Sportlich wurde es allerdings doch noch. Zum einen durch einen abendlichen Dünenspaziergang, des weiteren bei der 1 zu 0 Niederlage der Kölner gegen den Hamburger SV. Ich beobachtete das Spiel heimlich, da uns das Lockangebot eines Kellners „Good Food. I have a romantic seat for you“ einen Neonröhren beleuchteten Platz mit LED- Kerze bescherte, in dessen Rücken von Anky ein Fernseher hing, auf dem das Spiel in der Strandrestaurant übertragen wurde. Das Essen war nicht gut. Zumindest mein Fleisch war knorpelig und die Panade hart.

Deshalb wollten wir unseren Aufenthalt nicht weiter verlängern und zogen babyfrei weiter ins Dunes & Tunes, um uns von Sänger und Gitarrist Danny die Top100 Rockballaden geben zu lassen. Und der war sogar ganz gut. Genau wie die Atmosphäre und die Drinks.

Den späten Abend ließen wir dann mit den einen oder anderen Drink auf der Bungalowterasse ausklingen.

Dienstag, 06.11.

Wo ist die Sonne? Graue Wolken hingen über Playa del Ingles und der Blick rauf auf die Berge ließ nichts gutes vermuten. Aber entgegen meines Endrucks, sollte es an diesem Tag weder regnen noch kalt werden. Nach dem Frühstück ging es mit den drei Damen des Hauses inkl. Baby in die Shopping Mall.

Das Yumbo lädt zum Kauf von billigen Chinawaren und Plagiaten ein. Langweilig. Deshalb war ich froh, als wir endlich in eins der Cafés einkehrten, um Eis und Getränke zu uns zu nehmen. Das Yumbo war wie im letzten Jahr wieder regenbogenfarbig geschmückt und die Bühne stand auch. Denn in dieser Woche fand die bereits fünfte Ausgabe der Gay-Party „Winterpride Maspalomas“ statt. Neben Bühnenshows locken auch zahlreiche Events die Schwulenszene Europas nach Gran Canaria. Musikalisch war für mich nichts dabei, so dass wir an keinem der Abende die kostenlos Shows besuchten. Und der von Anky mir ans Herz gelegte „XXX Boat Trip“ war bereits ausverkauft.

Die Homosexuellenszene gehört einfach zur Insel, die Freizügigkeit der „Public Sex Mature Swinger Szene“ übrigens auch. Beides noch keine Gründe für unsere Urlaubswahl, aber ein interessanter Fact mit zum Teil kuriosen, lustigen aber gleichzeitig auch nett gemeinten Anekdoten.

Wie komme ich jetzt wieder zurück auf den Tagesablauf und auf die Tatsache, dass Josefine und ich nach den ganzen Eindrücken erst einmal einen dreistündigen Mittagsschlaf hielten, ohne dass dies komisch klingt. Gar nicht. Also einfach weiter im Programm. Endlich hatte unsere Tochter mal am Mittag geschlafen und mit drei Stunden war dies wohl auch wirklich nötig. Alle anderen taten es ihr gleich.

Es war Fußballzeit. Der Fan von Lüdenscheid-Nord mit seinem Schwiegervater, Fan von Herne-West, auf dem Weg zum Kölschen Eck. Der eine für schwarz-gelb, der andere für blau-weiß. Die Fussballkneipe lockt mit Grossbildschirmen, Leinwänden und Fernsehen Fußballfans aus der ganzen Welt ins Eck, um ihre Mannschaften anzufeuern. Während mein Verein Dortmund das Spiel verlor, konnte sich mein Schwiegervater für die Schalker freuen. Ein verdienter Sieg gegen Istanbul.

„Wo gibt’s denn das billigste Bier.“ – Unten beim Engländer, 1,50.“ – „Ja, da komm‘ ich ja gerade her.“ – „Dann geh doch da wieder hin, ich verkauf keine Plörre.“ Kneipenchef Rudis manchmal rauher Ton ist hart aber herzlich. Der Gast der diese Frage gestellt hatte, war nach einer weiteren Diskussion nach der ersten Halbzeit dann auch schnell verschwunden und der Wirt könnte nur mit dem Kopf schütteln.

Ich allerdings auch. Was glauben manche Leute eigentlich wie sich so ein Laden überhaupt finanziert.

Mittwoch, 07.11.

Halb zehn in Playa del Inglés. Ute und Petra waren auf dem Weg zum Palmitos Freizeitpark, Rudi schlief noch und wir bereiteten den Kinderwagen vor, weil wir mit Josefine zum Strand wollten. Kind füttern, Fläschchen warm machen, Brei einpacken, Windelcheck am Körper, Check der Wickeltasche, Kind ausziehen, Kind wickeln, Kind eincremen, Kind anziehen, Kind bespaßen während ein Elternteil sich fertig macht. Kind pupste, wir starteten wieder mit Kind ausziehen…

Endlich. Am Strand. Ewiger Sommer, Sonne. Eine steife Brise. Um mit Josefine am Strand zu liegen, war der Wind einfach zu stark. Das Drama mit dem ständigen Sand in den Augen wollten wir uns und ihr ersparen. Außerdem mussten wir erst einmal etwas frühstücken, zeitlich bedingt sollte man es korrekterweise als Mittagessen bezeichnen. Toast und Sandwiches gibts ihr überall, wir entschieden uns für das La Ciudadela, besonders auffallend durch das fliederfarbene Ambiente und das gleichfarbige Outfit der Kellner.

Nach Toast Hawaii und Käse-Schinken Toast schlenderten wir auf der Suche nach einem passenden Outfit durch die Shops mit den Souvenirs und landeten schließlich im Eiscafé Ciao Ciao. Für uns gab es Eis, für Josefine stand Möhrchenbrei auf dem Plan. Und der wurde erstaunlich gut angenommen. Mit Hut und Sonnenbrille war sie der Star im Eiscafé.

Einmal Leute gucken und beguckt werden und auch einen Blick auf die spannenden Wellen werfen. Das wollten wir Josefine nicht vorenthalten. Und deshalb ging es mit Tochter im Arm auf zum Wasser, während Mama den Moment mit ihrem Smartphone festhielt.

Die schöne Welt der Reiseblogs. Immer alles perfekt: Schöne Körper, heile Welt, das perfekte Foto, das Paradies. Schaut uns an und beneidet uns. Klappt bei uns nicht immer so ganz. Ein Streit war der Auslöser, das Anky und ich schweigend bis zum Bungalow nebeneinander her trotteten und uns auch noch im Bungalow weiter zofften. Kurz aber heftig und mit Worten, die Sternzeichen Skorpion und Löwe schnell mal rausrutschen und beiden dann schnell wieder leid tun. Wir ignorierten uns eine Weile gegenseitig, schmollten im Nachgang und vertrugen uns dann wieder. Doch statt Entspannung folgte das Nörgeln und Weinen unserer Tochter, die dann im Restaurant so richtig litt.

Da halfen keine Globolis, schmerzstillende Salben oder ein kalter Schnuller mehr, um die Schmerzen unserer zahnenden Tochter zu lindern. Da half nur knuddeln und auf dem Arm so lange vor dem Restaurant hin und her laufen, bis sie eingeschlafen war. Genau zum richtigen Zeitpunkt, denn nur Sekunden später stand das Essen im Planet Bayern auf den Tisch.

Donnerstag, 08.11.

Letzter Tag auf Gran Canaria. Die Schwiegermutter verwertete die Reste aus dem Kühlschrank und zaubert leckere überbackene Baguettes zum Frühstück. Mich zog es wieder in die Ferne… ok, es waren nur 4 Kilometer Luftlinie, aber der Weg durch die Dünen und meine Abstecher in die Welt der Nudisten, waren nicht ohne. Mal im ernst, nur dank meiner Frau, die die Umgebung bereits kennt, deshalb den Urlaub gerne faul in der Sonne im Bungalow verbringt und die auf unsere Tochter aufpasste, konnte ich ein paar Stunden die Ortschaften erkunden. Und das nahm ich auch gerne wahr.

Anstatt direkt am Strand entlang bis zum Leuchtturm nach Maspalomas zu gehen, entschied ich mich für für den asphaltierten Weg Paseo Costa Canaria entlang der noblen Bungalowanlagen mit Meerblick. Am Aussichtspunkt „Dunas de Maspalomas“ direkt am Hotel Riu Palace, endet der Weg und man folgt den Spuren in Richtung Kiosk Nr. 7, der kleinen Bar am Gay Strand.

Ich verließ den Weg und zog abseits des Trubels meine Wege durch die Dünen. Allerdings geriet ich schnell in anderen Trubel. Zwischen Kiosk Nr. 4 und Kiosk Nr. 7 ist die Swinger- und Gayszene aktiv. Allerdings drehte auch die Polizei immer wieder ihre Runden durch die Dünen. Der einsame bekleidete Typ mit dem Rucksack, der inmitten der Nudisten und Swingerszene umherirrte, schien sogar die Polizei zu verwirren. Und wenn diese mich nicht ein paar Meter verfolgten, dann potentielle Liebhaber, die darauf hofften, dass ich irgendwo in den Dünen mein Lager aufschlug. Heute nicht.

Versehentlich bin ich dann noch im Naturschutzgebiet „La Charcas“ gelandet und musste schnellen Schrittes irgendwie daraus. Wie teuer es ist die kleine Oase zu betreten und die Wasservögel zu stören, wollte ich nicht rausfinden.

Schon letztes Jahr war ich vom Stadtteil El Oasis mit seinen Strandbuden und dem Leuchtturm Faro de Maspalomas angetan.

Auch der Strand erscheint mit seiner kleinen seichten Lagune kinderfreundlicher als der Strand und das Meer in Playa del Ingles. Sollte es mich also nochmal nach Gran Canaria führen, dann gerne dort.

Am Mittag wollte ich eigentlich ins irische Beach-Pub „Paddys“, da war es allerdings schon so voll, dass es sich die englischen und irischen Gäste mit Stühlen im Sand vor dem Pub gemütlich machten. Eine Tür weiter entdeckte ich noch einen Tisch mit Blick auf den Strand, Mittagspause.

Ich nahm den gleichen Weg zurück nach Playa del Inglés, den ich schon zuvor gegangen war, mit dem Unterschied nun auf dem „offiziellen Weg“ zu bleiben. Der Sand war inzwischen so heiss, dass ich mein Schuhwerk anbehielt.

Zurück am Strand von Playa lernte ich im „Blauen Engel“ noch einen Bergarbeiterkumpel aus dem Saarland kennen, der mit seiner Frau bereits seit Jahren nach Gran Canaria reist. Die deutsche Community sowie die Kanaren selbst scheinen ihren Reiz nicht zu verlieren. Ähnlich ist es es ja auch bei meinen Schwiegereltern, die seit zig Jahren jedes Jahr nach Gran Canaria reisen.

Den Abend verbrachten wir wieder beim Stammspanier und ich einen Großteil damit, meine Tochter durch die angrenzenden Gassen zu tragen. Sie fand schlecht in den Schlaf und das Zahnen tat den Rest dazu. Aber auf Papas Arm schlief sie dann doch irgendwann ein und wir konnten uns unserem Essen widmen. Für mich war es somit auch die letzte Nacht auf dem Fußboden. Da Josefine statt im Kinderbett besser im großen Bett schlief und sich mittlerweile quer durch das Bett rollte, war mir das „zusammen in einem Bett schlafen“ nicht mehr geheuer. Mich plagte die Angst, mich auf sie zu drehen, sodass ich für die paar Tage lieber mit Sonnenstuhlauflage und Decke auf den Boden am Fuße des Betts umgezogen war.

Freitag, 09.11.

Abflug. Um 6.30 Uhr hieß es Koffer packen und abreisen. Josefine war gut drauf, wir anderen leicht gestresst, wie es an so Abreisetagen ebenso ist. Es war ein herrlicher morgen. Aber für mich, der eigentlich gerade erst auf der Insel angekommen war, war der Aufenthalt eigentlich viel zu kurz.

Das gebuchte Grossraumtaxi stand bereit und Anky und Josefine verschliefen schon die halbstündige Fahrt zum Flughafen. Kurz nach dem Check-in trennten sich unsere Wege, denn mein Flug ging, begründet durch die damalige separate Buchung, etwas früher. Interessanter Fact für Familien: am Flughafen von Gran Canaria gibt es für Familien mit Kinderwagen etc. einen getrennten Sicherheitscheck. Klasse. So erspart man den Jüngsten und ihren Eltern das Warten, falls es an den anderen Checks mal zu längeren Schlangen kommt. An diesem Morgen war es allerdings am ganzen Flughafen diesbezüglich recht entspannt.

Nur zwanzig Minuten nach meiner Ankunft erreichten die anderen ebenfalls den Düsseldorfer Flughafen. Der Rückflug mit Josefine war erneut unkompliziert. Wenn sie nicht geschlafen hatte, wurde sie von meiner Familie bespaßt. Auch mit dem Druckausgleich hatte sie keine Probleme. Toi toi toi.

Fazit:

Gran Canaria ist nicht nur von der Flugdauer und vom Klima her ein gutes Reiseziel für Familien mit Babies und mit Kindern, auch die deutsche Community und Ärzteversorgung trägt zum Wohlbehagen bei. Ihr lest, wie sich der Blick bei Reisen mit Kind verändert und statt Abenteuer und spontanen Ausflügen eher die Kontinuität Einzug erhält. Zum Wohlbefinden aller. Wir profitieren natürlich von der starken Unterstützung der Großeltern, die uns es auch mal erlauben, eine Art „Auszeit“ zu nehmen, was momentan auch nur dadurch möglich ist.

Ich möchte euch noch über die geniale App WiFi-Map aufmerksam machen. Die ist nicht neu, kam in diesem Urlaub aber bei mir erstmals zum Einsatz. „WiFi Map“ ist ein weltweites Verzeichnis von Drahtlosnetzwerken. Der Clou: Nicht nur offene WLANs sind verzeichnet – die Community hinterlegt auch für verschlüsselte Netze die Zugangsdaten. Somit konnte ich mich in zahlreichen Strandbars mit einem Klick ins WLAN einloggen und damit die im Bungalow zu langsam Uploadrate umgehen und zwischendurch immer mal wieder Fotos und Videos in der Cloud sichern.

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