Highlights am Polarkreis

Vorwort:

Wir mussten raus! Nicht das wir das sowieso mal häufiger machen, aber ein Schicksalsschlag hat uns diesmal sozusagen dazu gezwungen. Irgendwie das Ganze hinter uns lassen, nicht vergessen, aber zu lernen mit der Trauer umzugehen. Wieder neuen Lebensmut finden. Abschied nehmen. Das gesparte Geld auf den Kopf hauen. Anstatt einer Kur in Form einer Trauertherapie zu unternehmen, entschieden wir uns nach Absprache mit Ärzten für eine Kreuzfahrt. Einfach mal verwöhnen lassen, den Luxus und die medizinische Sicherheit genießen und vor allem die Möglichkeit zu haben, uns nach einer körperlichen Anstrengung am Tag auch wieder an Bord erholen zu können. Und dabei bewusst sich den beschissenen und traurigen Erinnerungen zu stellen, die immer wieder auf dieser Reise in uns hochgestiegen sind. Glaubt mir, Seetage und der weite Blick auf den Ozean lassen (leider) genügend Zeit, sich diesen Gedanken zu stellen. Aber die Verknüpfung mit den Erlebnissen und schönen Momenten dieser Reise helfen uns, den Blick wieder nach vorne zu richten! Und so stiegen wir auf die AIDA Sol, 253 Meter lang, 32 Meter breit, 14 Decks, 1097 Kabinen, sieben Restaurants. Mahlzeit!

Mittwoch, 14.06.

Fast pünktlich um 12 Uhr erreichten wir das Cruise Inn Center in Hamburg Altona. Das AIDA Team nahm uns die Koffer ab und nach der Check-In Prozedur saßen wir bereits um kurz nach eins am Heck des Schiffes und tranken das erste Bier bei strahlendem Sonnenschein.


Kurz vor Abfahrt informierte Kapitän Kurc seine Gäste über die Bordgepflogenheiten und nach der obligatorischen Seenotrettungsübung legten wir ab. 1057 Kilometer lagen vor uns, bevor wir zwei Tage später Schottland erreichen sollten. Kapitän Kurc kannte ich bereits, denn er steuerte 2010 die AIDA Vita, auf der ich den Atlantik von der Karibik bis Spanien überquerte. Schon am ersten Tag lernten wir die ersten Vielfahrer kennen, die mehr als zehn AIDA Reisen auf ihrem Konto verbuchen konnten und uns mit ihren Reiseberichten zu einer „an Bord-Buchung“ verleiten wollten. Gibt’s hier Prozente für Werber? Um kurz nach 18 Uhr winkten wir meinen Eltern, die uns netterweise nach Hamburg gebracht hatten, nun auf der Aussichtsplattform standen und die sehnsüchtig das Ablegen beobachteten. Sie wären am liebsten mitgekommen. Bei strahlendem Sonnenschein verließen wir Hamburg und schipperten auf der Elbe Richtung Nordsee.


Während die meisten Gäste nach dem Abendessen an der Welcome Party am Pooldeck teilnahmen, widmeten wir uns dem Bett in der Koje, erkundeten von dort aus die virtuelle AIDA Welt über das Entertainment System und beobachteten das Treiben an Deck via Webcam. Wir waren Opfer des Heuschnupfens und nur noch froh im klimatisierten pollenbereinigten Bereich unter Deck zu sein und die hohe See vor uns zu haben.

Donnerstag, 15.06.

Die Uhr wurde ein Stunde zurückgestellt und wir befanden uns gegen 8 Uhr mitten auf der Nordsee in Höhe von Wales. Im East Restaurant trafen wir auf ein nettes älteres Pärchen, die sich nach ihrer verzweifelten Suche nach einem freien Platz in zwei anderen Restaurants erschöpft neben uns niederließen. So ist das am ersten Tag an Bord. Alles muss sich noch einpendeln. Es war ihre erste Seereise mit über 70 Jahren. Kommen wir hier dem Klischee der Rentnerreise doch näher? Keine Sorge, diese Polarkreis-Tour beherbergt „naturgemäß“ tatsächlich mehr reifere menschliche Exemplare als andere Touren. Das erklärt sich zum einen an der Route, vor allem aber auch durch den Preis. Entsprechend hoch ist am ersten Tag der Informationsbedarf und der Beschwerdeindex, der sich durch eine lange Schlange an der Rezeption auf Deck 5 widerspiegelte. Hauptanliegen an diesem Vormittag: der Fernseher funktioniert nicht (technisches Problem das alle Kabinen für ein paar Stunden betraf) und die Frage, wie komme ich mit meinem Handy ins WLAN und damit ins Bordportal (in dem man die Anleitung liest). Daneben durften die notorischen lautstarken Nörgler natürlich auch nicht fehlen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück widmeten wir uns einer Fitnesseinheit im Body & Soul Bereich auf Deck 13. Laufband, Freihantel- und Rückbildungsübungen für einen Schwangerschafts- und einen Bierbauch standen auf dem Programm.


Mäßig erfolgreich, würde ich im nachhinein sagen, saßen wir doch bereits um 14 Uhr mit einem kühlen Radeberger an Deck und ließen uns die Sonne auf den Pelz scheinen. Als Grundlage besorgte ich kleine Schnitzelchen, während meine Frau für Getränkenachschub sorgte. Was dauerte das denn solange? Mein Blick zu Theke ließ mich laut auflachen. Des Kellners Flirtversuch war eine Mischung aus „schöne Augen machen“ und „abfüllen“. Ersteres schien nicht zu funktionieren, zweiteres schon. Frau und Kellner gönnten sich bereits am Mittag den ersten Wodka. Ich kürze die Geschichte bis zum Abend ab: Wodka, Bier, eine gutgelaunte Schindler, Nachmittagsschläfchen.


Nach dem Abendessen durchstöberten wir das Schiff auf der Suche nach interessanten Aktivitäten oder musikalischen Genüssen. Und da war er, der erste Interessenskonflikt. Weder der Discofoxabend in der AIDA Bar, noch die Hüttengaudi im Brauhaus oder selbst die schlecht besuchte Beachparty in der Anytime Bar konnten unser Interesse wecken. Und so blieben wir bei allen Stationen für eine kurze Zeit nur die außenstehenden Beobachter.


1:47 Uhr, ein letztes Foto von Deck. Wir nähern uns der Mitternachtssonne.

Freitag, 16.06.

Wir erreichen Kirkwall, den Hauptort der schottischen Orkneyinseln. Die Inseln beherbergen jahrtausend alte Anlagen, die alle zum UNESCO-Weltkulturerbe „Heart of Neolithic Orkneyinseln“ gehören, darunter befinden zahlreiche Steinkreise und Hügelgräber.


Wir gehören nicht zu denen, die unbedingt als erste das Schiff für einen Landgang verlassen müssen, aber in Kirkwall lohnt sich das, wenn man auf eigene Faust unterwegs ist. Denn nur so hat man die Chance, um 10 Uhr für 10 Pfund die dreieinhalbstündige Hop on/Hop off Tour zu buchen. Die zweite Tour um 13 Uhr wäre nämlich schon zu spät gewesen, da das Schiff in unserem Fall um 16 Uhr den Hafen verließ. Unsere Tour führte uns bei bewölkten Wetter und teils Nieselregen zu Scara Brae, eine der besterhaltenen jungsteinzeitlichen Siedlungen der Welt, die in die Zeit zwischen 3.100 und 2.500 v. Chr. datiert wird und die direkt an der Skaill Bay liegt.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Dorf rund 600 Jahre bewohnt war. Wiederentdeckt würde es nach einem schweren Sturm im Jahre 1850. Im Anschluss besichtigten wir das benachbarte Skaill House. Nachdem der zweite Earl von Orkney, Patrick Stewart, enthauptet wurde, wurde sein Anwesen an Bischof Graham übertragen. Nach dem er das Haus bauen ließ, lebten er und seine Nachkommen rund 400 Jahre dort.


Innen gleicht das Haus einem Museum, in den verschiedenen Etagen und Zimmern gibt es Sammlungen allerhand Dinge aus verschiedensten Epochen. Die Zimmer beinhalten zum Anteil noch originale Gegenstände des Bauherrn, wie zum Beispiel das Himmelbett des Bischofs.

Die Geschichte des Hauses ist eng mit einem weiteren Vorbesitzer verbunden, William Graham Watts. Denn er war es, der Scara Brae nach einem Spaziergang nach dem Sturm auf seinen Anwesen entdeckte. Weiter ging es dann mit dem Bus zum Ring of Brodgar, einem Steinkreis der zwar größer als das berühmte Stonehenge-Monumet ist, dafür aber auch unspektakulär. Kann man mal gesehen haben und die Landschaft drumherum geniessen, muss man aber nicht. Entstanden ist das Monument rund 2.700 v. Chr., 27 der ursprünglich 60 Steine sind noch erhalten.


Zurück in Kirkwall besuchten wir noch die eindrucksvolle Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert. Rund um St. Magnus, besser bekannt auch unter dem Namen „Das Licht des Nordens“, liefen die Vorbereitungen für die Eröffnung des internationalen Musikfestivals. Highlight war der Besuch der norwegischen königlichen Familie und so war das Treffen mit Prinz Haakon und Prinzessin Mette-Marit auch das Gesprächsthema der „Echo der Frau“ und „Neue Revue“ Leserinnen beim Abendessen.


Zum Abendprogramm gesellten wir uns ins Brauhaus, um die Karaoke Show zu verfolgen, bei der gleichzeitig die Teilnehmer für die Show „The Voice of the Ocean“ ermittelt wurden. Uih, das Publikum war grenzwertig und als der angetrunken Bayer neben uns lautstark zu Gröhlen anfing, verließen wir das Brauhaus für ein paar Minuten. Wir lernten Nina und Frank aus Gelsenkirchen kennen und mit ihnen wurde der Karaoke Abend noch ganz lustig, auch wenn wir nur Beobachter geblieben sind. Nach ein paar hauseigenen gebrauten Zwickel-Bier wollten wir noch in die Anytime Bar. Doch was war das? Um Punkt eins ging das Licht an und die letzte Runde wurde eingeläutet. Warum? Zu wenig Besucher. Was für eine Rentnerreise! 😉

Tipp: Kirkwall kann man gut auf eigene Faust erkunden. Darüber hinaus kann man in der hiesigen Touristikzentrale auch günstige Ausflüge buchen. Der frühe Gang von Bord lohnt, denn die von der Touristikzentrale angebotenen Ausflüge am Nachmittag können auf Grund der Abfahrtszeit des Schiffes nicht gebucht werden. Die Bustouren zu den Sehenswürdigkeiten der Umgebung starten im 10 Uhr.

Sonntag, 18.06.

Nach einem fast verschlafenen Seetag erreichen wir die nördlichste Hauptstadt der Welt. Reykjavic. Im Großraum der Hauptstadt leben rund 60 Prozent der Einwohner, der Rest verteilt sich auf die Städte und Dörfer im Küstenbereich. Mit 2,9 Einwohner auf einen Quadratkilometer ist Island somit das dünn besiedelste Land Europas.


Punkt 10 Uhr nach Freigabe der Zollbehörden verließen wir nach einem kurzen Fotoshooting am Bug das Schiff. Eigentlich hatten wir geplant in der Silfra Spalte zu schnorcheln und einen Ritt durch die Natur auf Islandponys zu machen, aber leider sind beide Ausflüge überbucht gewesen, so das uns die Absage betraf, obwohl wir diese Ausflüge bereits von Zuhause aus gebucht hatten. Echt schade, das wären nämlich unsere beiden Highlights gewesen. Und nun? Beim Local-Ausflugsdealer ergatterten wir für schlappe 160 EUR noch zwei Tickets für eine rund sechsstündige Bustour.

Und diese führte uns unter anderem zum Pingvellir Nationalpark. Hier ist deutlich das Auseinanderdriften der amerikanischen und eurasischen tektonischen Platten in Form eines großen Grabens zu sehen. Aber neben der geologischen Bedeutung, wurde hier auch Geschichte geschrieben. Denn in der in der „Ebene der Volksversammlung“ wurde schon um das Jahr 930 durch die Wikinger jährlich eine Versammlung abgehalten, die eine gesetzgebende und gerichtliche Funktion hatte. Das „Althing“ war eines der ältesten Parlamente der Welt.

Es ging auch zum Kerio Vulkankrater.

Richtig nass wurden wir aber dann am Gullfoss Wasserfall.


Und natürlich bestaunten wir einen der Geysire, bevor wir uns auch noch den Faxit Wasserfall ansahen.

Der Ausflug war teuer denkt ihr? Ja, aber das ist so in Island. Vor allem das Essen in den Restaurants. Aber im Gegensatz zum hauseigenen AIDA Angebot, haben wir rund 50 Euro gespart. Zurück an Bord wurden wir mit einem Tee inkl. einem Schuß Rum begrüßt, „Willkommen auf der AIDA, dein Zuhause“.

Nach dem Abendesse stellten Nina und Frank uns noch Moni und Rudi aus Österreich vor. Wir kamen schnell ins Gespräch und so fanden wir ein Grüppchen, die wir immer mal wieder an Bord trafen und uns über die Tagesaktivitäten unterhielten. Bis zum Rausschmiss um 0.30 Uhr (!!!), verbrachten wir den Abend bei der NDW-Party in der Anytime Bar. Und wieder einmal war die Anzahl der der Besucher überschaulich.

Montag, 19.06.

Wow, was für eine Kulisse. Wir erreichten das von Felswänden eingerahmte 4.000 Seelendorf Isafjördur.


In dem Ort voller bunter Holzhäuser gibt es außer wilder Natur nicht wirklich viel zu sehen. Deshalb stiegen wir am Mittag auf das Schnellboot, um grosse Bucht der Westfjorde vom Wasser aus zu erkunden.


Es dauerte nur 20 Minuten und dann wir sahen die ersten großen Flossen aus dem Wasser steigen. Buckelwale. Und ein paar weitere Minuten später tauchten die bis zu 15 Meter großen Tiere direkt neben unserem Boot auf. Beeindruckend. Die Natur versetzt uns ins Staunen und führt uns in Demut.

Weiter ging es zum einem Wasserfall auf der Halbinsel Unadhsdalur. Auf ihr befindet sich einer der wenigen Gletscherzungen weltweit, die noch wächst. Das ganze Gebiet ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen und eine Ansiedlung durch Menschen nicht mehr erlaubt.


Danach fuhren wir weiter zu den Brutstätten der Papageientaucher. Bis zu 6.000 Tiere halten sich hier in Sommermonaten auf. Ihre Höhlen sind bis zu 1,5 Meter tief. Auf Island sind sie von Ende April bis Mitte August gut zu beobachten. Es ging weiter bis vor die kleine Insel Vigur, auf der heute eine Familie wohnt, die ihr Grundstück auch für Touristen öffnet. Vom Boot aus sahen wir eine Gruppe Touris, augenscheinlich alle mit Selfie-Sticks ausgestattet. Die Japaner wieder. Aber nichts da, die Besucher hielten Stöcke in ihren Händen, um aggressive Vögel abzuwehren, falls sie einer Brutstätte versehentlich doch mal zu nahe kommen.


Das war ein super Trip, aber ein echtes Abenteuer war auch die rasante Fahrt. Menschen mit stärkeren Rückenbeschwerden ist von diesem Wellenritt allerdings abzuraten. Zurück an Bord ging es ganz schön geschafft zur Ocean Bar, um den Tag ausklingen zu lassen.

Dienstag, 20.06.

Guten Morgen. Pünktlich um 6 Uhr legten wir am Hafen der zweitgrößten Stadt Islands an. Akureyri. Wir befinden uns jetzt 50 Kilometer vom Polarkreis entfernt. Die 16.300 Einwohnerstadt ist auch zweitgrößte Handelsmetropole Islands und ist eingebunden in eine traumhafte Umgebung.


Um halb elf bestieg ich mein Islandpony „Falki“, rund eineinhalb Stunden sollte es durch die Natur Islands gehen. Naja, ich hatte es mir wilder vorgestellt. Abgesehen von einer kleinen Abweichung des Reiterwegs entlang der angrenzenden Koppeln, war hier von wilder Natur – wie man sich sie vorstellt – eher nichts zu sehen. Schön war es trotzdem und vor allem Anky, die sich als erfahrene Reiterin mit ein paar anderen von der Gruppe absetzte, war froh seit längerer Zeit mal wieder auf einem Pferd sitzen zu können.


Gegen Mittag waren wir zurück im Hafen und erkundeten das kleine Zentrum mit seiner einzigen Einkaufsstrasse. Mehr als diese, ein Museum und eine Kirche hat Akureyri auch nicht zu bieten. Der Ort bietet sich übrigens insbesondere als Ausgangspunkt für Wahlbeobachtungen an, hier hat man sogar die meisten Chancen Buckelwale zu sehen.


Beim Auslaufen sahen wir selbst vom Kreuzfahrtschiff zahlreiche Wal-Fontänen. Mehr als acht Tiere hielten sich direkt in der Bucht auf.


Am Abend lernten wir Gabi und Horst aus Bergisch-Gladbach kennen, tauschten uns über das Reisen aus und tranken noch einen Cocktail in der Anytime Bar zusammen. Und zack, die Crew schaltete zur besten „Trinkzeit“ wieder das Licht an. Ich fiel ins Bett, in Bauchlage… mir tat der Hintern vom Reiten weh.

Freitag, 23. Juni

Nach zwei Seetagen erreichten wir Longyearbyen, Spitzbergen. Die zwei vorangegangen Seetage waren entspannt, hatten wir doch unterem anderem einen Wellnesstag im hauseigenen SPA-Bereich auf Deck 12 eingelegt.


Dunkel wird es seit Tagen nicht mehr. Wir befinden uns in der Zeit der Mitternachtssonne. Ein Highlight gab es allerdings noch. Die Fahrt vorbei an der Insel “ Jan Mayen“. Früher Ausgangspunkt für den Walfang und die Ausrottung des Polarfuchses, dient die heute zu Norwegen gehörende Insel in der Grönlandsee als Wissenschaftsstandort und ist außer von Offizieren, Mitarbeitern und Forschern nicht weiter besiedelt. Touristische Aufenthalte sind nicht erlaubt und wir hatten Glück, die Insel überhaupt so gut sehen zu können. Denn in der Regel ist diese (bis zu 340 Tage im Jahr) im Wolken und Nebel eingehüllt. Mitten drin liegt mit über 2.200 Metern der zweithöchste Vulkan Europas.


Aber nun erreichten wir den nördlichsten Punkt unserer Reise am Rande des arktischen Eismeers, die Insel Spitzbergen. 1906 als Bergarbeiterstadt gegründet leben die Bewohner von Longyearbyen heute vor allem vom Tourismus und der Forschung. Hier befindet sich unter anderem das Langzeitlager für Saatgut. Sozusagen ein Backup aller bestehenden Lager, die weltweit existieren.


Ja, Spitzbergen ist abgelegen, aber es ist mit Sicherheit der Forschung zu verdanken, dass die Menschen hier dank eines 20 GBit/s Unterwasserkabels vom norwegischen Festland mit Breitbandanschlüssen versorgt werden. Hauptanliegen der Touristen vor 1973, die Eisbärenjagd. Seit dem Washingtoner Artenschutzabkommen ist dies zum Glück verboten.

Rund 3.000 Einwohner leben auf Spitzbergen. Mehr als 2.000 in der Hauptstadt, der Rest in kleinen Siedlungen verteilt. 2/3 Russen, 1/3 Norweger. Das Straßennetz umfasst rund 60 Kilometer, häufig nicht asphaltiert. Hauptverkehrsmittel sind Boot und Schneemobile. Daneben natürlich Schlitten, die meist von Alaskan Huskeys, eine Kreuzung aus Huskeys und Grönlandhunden, gezogen werden. Die private Hundehaltung dieser Rasse ist in der City auch aus Lärmschutzgründen verboten, das Gejaule und Geheule ist zu laut. Und so werden auch die Privathunde kurz vor der Stadt in einem Hundeclub mit Außenanlagen versorgt.


Außerdem verboten ist das Kinder gebären, hierzu muss die Schwangere bis zu drei Wochen vor dem Geburtstermin aufs Festland. Für Papa bedeutete das meist, dass er die Geburt nicht miterlebt. Denn nach der Meldung, dass die Wehen eingesetzt haben, muss Vati ja noch einen Flug chartern und zum Krankenhaus aufs Festland zu kommen. Aber die Bewohner wissen ja worauf sie sich einlassen. Die durchschnittliche Verweildauer der Bewohner liegt bei vier Jahren. Nur wenige bleiben dauerhaft, gerade Eltern von Teenagern entscheiden sich häufig wegzugehen. Bietet die Insel den Jungs mit Outdoorktivitäten wie der Jagd und dem Fischen noch Hobbys, so ist es für junge Mädchen hier besonders schwer. Insbesondere weil man sich die Freundinnen und Freunde in diesem Alter kaum aussuchen kann. Es sind einfach zu wenig Teenager da.


Aber nicht nur das Gebären ist verboten, auch das Sterben. Oder sagen wir besser die Bestattung. Der Boden lebt, verschiebt sich ständig durch Erosionen und man möchte vermeiden, dass der „permafrostierte“ Körper nach Jahren kaum verwest wieder zu Tage tritt. Aber, nach Überführung und Verbrennung auf dem Festland, darf die Urne auf Spitzbergen bestattet werden.


Auf unserem kleinen Trip durch die Stadt bei milden 4 Grad, besichtigten wir Kohleminen, das Zuhause des Weihnachtsmannes, ein Schlittenhund-Centre, und den Eingang des Saatgut-Tresors. Sahen zahlreiche Eida-Enten und auch ein paar Rentiere. Alles unter Aufsicht und Ermahnung des Guides, sich vom Bus nicht zu weit zu entfernen. Zwar sei es unwahrscheinlich auf Eisbären zu treffen, aber leider gab es auch im letzten Jahr wieder tödliche Zwischenfälle. Nicht dass die Eisbären auf der Suche nach Menschen seien, aber bei einem Zusammenstoß könnte ein Angriff möglich sein. Das zurückgehende Eis im Norden der Insel und die damit schlechteren Möglichkeiten an Robben zu kommen, machen die Tiere aggressiv, so dass sie in größter Not auch nicht auf einen mageren Menschen verzichten. Besonders nicht auf gutgenährte Kreuzfahrer.


Übrigens, Schiesstraining ist hier Pflicht. Jeder Student, Doktorant oder sonst wer beginnt sein Zeit auf Spitzbergen mit diesem einwöchigen Training. Und wer glaubt, hier gebe es außer arbeiten und lernen nichts zu tun, der irrt sich. Neben Outdoor-Aktivitäten wie Angeln und Wandern, ist ein beliebter Treffpunkt in den dunklen Wintermonaten der Pub. Gemeinschaftliches trinken und kulturelle Angebote helfen über die düstere Zeit hinwegzukommen und die Depressivität zu vertreiben. Ein etwas anderes Hobby hat sich der amerikanische Koch Ben gesucht. Er betreibt – erfolgreich – das einzige Gewächshaus Spitzbergens und verfeinert seine Gerichte mit selbst angebauten Kräutern. „Ein Spinner“, so unser Guide. „Wie wir alle, die hier leben“.


Der Ausflug war toll. Auch preislich hat es sich gelohnt, in der örtlichen Toutistikzentrale den dreistündigen Ausflug zu buchen. Die Preise für ähnliche AIDA-Ausflüge begannen bei rund 80 EUR und endeten bei 150 EUR pro Person. Wir zahlten lediglich 45 EUR.

Samstag, 24.06.

23 Uhr. Wir legten im Hafen von Honningsvag an. Es regnet. Fast alle Gäste der AIDA machten sich in Bussen auf dem Weg zum Nordkap. 307 Meter ragt das Felsgestein-Plataeu aus dem Nordpolarmeer heraus. Die Bezeichnung steht gleichzeitig für die nördlichste Gemeinde Europas mit ihren kleinen Fischerdörfern auf der norwegischen Insel Magerøya im Bezirk Finnmark. In Honningsvåg, dem Servicezentrum der Fischereigemeinden, leben circa 2.350 der insgesamt 3.200 Einwohner.


Mit zahlreichen Bussen wurden 1.700 AIDA Kreuzfahrer zum Nordkap gefahren. Selbst Schauspieler, Sänger und Tanzlehrer der AIDA wurden als Reisebegleiter verpflichtet. In unserem Bus wurde aus dem täglichen erscheinenden Blättchen „AIDA Heute“ mit Infos zur Geschichte des Nordkaps und allerhand Zahlen, Daten, Fakten, lautstark und eins zu eins vorgelesen. Grausam. Am Kap angekommen peitschten uns Regen und Wind ins Gesicht. Von wegen Mitternachtssonne. Meine romantisch geplante Rede floss dahin. Vielleicht zum Glück, sind wir doch beide eher von der kernigen Sorte. Also Butter bei die Fische. Ihre Antwort unter einem Vordach eines regengeschützten Stromhäuschens war „Ja“.


Nachdem wir die in das Felsgestein gehauene Nordkaphalle und die darin befindliche Kapelle und Grotte sowie die Plastik der Weltkugel besucht hatten, ging das Prozedere des Wartens, Durchzählens und Verteilens auf die Busse von vorne los. Was für ein durcheinander.


Wir waren froh als wir gegen 5 Uhr morgens im Brauhaus auf Deck 10 saßen, eine Gulaschsuppe aßen und standesgemäß mit einem Bier auf uns selbst anstießen. 

Sonntag, 25.06.

Fünf Stunden nach Ablegen erreichten wir schon den Hafen der knapp 10.000 Einwohner zählenden Eismeerstadt Hammerfest. Nach knapp vier Stunden Schlaf schleppten wir uns zum Frühstücksbuffet, aber selbst die zwei Tassen Kaffee trugen nicht dazu bei, dass Anky ihre Augen aufhalten konnte. Und so zog ich alleine los, um Stadt und Umgebung zu erkunden, während meine Frau um 12 Uhr mittags wieder ins Bett ging.


Wirkliche Besonderheiten hat Hammerfest nicht zu bieten. Hier beheimatet ist allerdings der legendäre Eisbärenclub, der sich seit 1963 der Bewährung von Tradition und Brauchtum verpflichtet hat. Lebenslanges Mitglied kann man gegen eine einmalige Spende werden. Man könnte sich also das dazugehörige Museum anschauen. Ich machte mich zu Fuß auf in die Stadt, um von dort aus das Felsplateau oberhalb der City zu erkunden. Der Aufstieg ist recht steil. Das merkten vor allem die Kreuzfahrer, die neben Früstücks-, Mittags- und Abendbuffet auch seit elf Tagen kein Kuchenbuffet ausgelassen haben. Oben angekommen kann man abseits der touristischen Wege super wandern und hat eine tolle Aussicht auf die Stadt bzw. die angrenzenden Fjorde. Hatte ich auf dem Weg vom Schiff in die City noch gedacht ich sei zu warm angezogen gewesen, so war ich nun froh, dass ich ordentlich eingepackt war. Der Wind war nicht nur stark, sondern vor allem kalt. Ich war froh mal abseits der Menschenmassen zu sein und mit der richtigen Musik auf den Ohren durch die Landschaft zu laufen. Übrigens, sportlich ist hier nicht nur wer wandert, sondern auch wer hier oben Cross-Golf spielt.


„Hello Sir. I wanted to clean your room, but somebody is sleeping in there“. Hä, meine Frau pennt immer noch. Na dann lass ich Anky noch was schlafen, dachte ich mir und gönnte mir im Brauhaus was zu Essen und zu trinken. Aber selbst am Abend wurde sie durch mein Gepolter in der Kabine nicht wach. 20 Uhr, sollte ich sie doch zum Abendessen wecken? Nö. 23 Uhr. Ob sie wohl Hunger hat? Noch hatten wir die Chance im California Grill was zu Essen zu bekommen. Ich entschied mich sie schlafen zu lassen und stellte mich der Gefahr, im Dunkeln neben einer Frau zu liegen, die jederzeit schlecht gelaunt und hungrig  aufwachen könnte. 

Montag, 26.06.

Nach 18 Stunden (!) Schlaf wachte kurz vor dem Anlegen um 7 Uhr morgens in Tromsö auch endlich mein Frau auf. Völlig gerädert. Zu lange schlafen muss zur Folge haben, dass der Körper Handgriffe neu erlernen muss. Und so war es kein Wunder, dass sie ihr Handy fallen lies, Kauderwelsch redete und den Kaffee neben die Tasse schüttete. Na hoffentlich klappt das Laufen, schließlich wollten wir heute die rund 60.000 Einwohnern zählende und somit größte und wichtigste Stadt Nord-Norwegens erkunden. Da das Schiff etwas abseits der Stadt anlegte, konnte man an den Vortagen für zehn Euro ein Shuttle-Bus Ticket erwerben. Tatsächlich muss es beim Ausdruck der Karten und beim Transfer selbst zu ein paar Schwierigkeiten gekommen sein, so dass allen Gästen im Nachhinein 50 Prozent des Kaufpeises erstattet wurden, aber die Aggressivität einiger Gäste gegenüber dem Personal bei der Einteilung in die Busse war und ist nicht nachzuvollziehen. So mancher Tata-Greis war wohl nicht mehr sicher, ob er die Fahrt des 20 Minuten später eintreffenden Busses noch erleben würde, anders ist das peinliche und aufdringliche Verhalten nicht zu erklären. Nur soviel. Unsere Hin- und Rückfahrt haben problemlos geklappt.


Nach Ankunft in der City machten wir uns zu Fuß auf zur Eismeer-Kathedrale. Unser Weg führte uns über die 1016 Meter lange Tromsö-Brücke. Die Kathedrale besitzt das größte Glasmosaikfenster der Welt. Nur ein paar hundert Meter entfernt findet man die Talstation der 2016 runderneuerten Seilbahn „Fjellheisen“, die auf den 420 Meter hohen „Storsteinen“ führt. Dort oben gibt es nicht nur schöne Wanderstrecken, sondern vor allem einen grandiosen Ausblick über die Stadt und die angrenzenden Fjorde. Leider blieb uns nach der Rückkehr ins Tal und den anschließenden Spaziergang auf die andere Seite der Stadt nicht mehr viel Zeit die Stadt zu erkunden und wir kehrten zurück zum Schiff.


Übrigens, nicht nur für uns war es der erste Besuch in der Stadt. Auch die AIDA Sol hat erstmals in Tromsö angelegt, traditionsgemäß wurden Urkunden auf der Brücke mit den Lotsen ausgetauscht. Um 17 Uhr legte unser Schiff aber dann ab.


Die Strecke durch die Fjorde von Tromsö zum Europäischen Nordmeer war übrigens einer der landschaftlich schönsten unser Reise.

Dienstag, 27.07.

Wir erreichten gegen 7 Uhr Morgens unser nächstes Ziel, die rund 190 Kilometer lange Inselkette „Lofoten“. Rund 24.000 Menschen besiedeln das Archipel, das aus rund 80 schmalen Inseln und Gebirgsketten mit bis zu 1.000 Metern Höhe besteht. Ausgangspunkt für unsere Tagestour war die Insel Vestvagöy, genauer gesagt die Gemeinde Leknes. Doch bevor wir mit dem Bus die Fischerdörfer erkundeten, mussten wir noch mit den Rettungsbooten zur Insel tendern, da das große Kreuzfahrtschiff nicht direkt anlegen konnte.


Das Tendern nimmt Zeit in Anspruch und so mancher Gast vermutete wohl auch hier, die Ankunft an Land aus Altersgründen nicht mehr zu erleben. Das Gemecker der Gäste ging mir auf den Sack und so gab ich diesmal genervt und lautstark meinen Senf dazu. Ich musste mir mal Luft machen und will mich hiermit bei der Dame neben mir entschuldigen. Der liebe Gott schenkt ihnen bestimmt noch ein paar Jahre. Gleiches Gedrängel im Bus, die Leute kapieren es einfach nicht und regen sich dann unverschämterweise über die Organisation der AIDA Crew auf. Ich konnte mir eine gezielte Beleidigung einfach nicht verkneifen. Ich war auf Krawall gebürstet. Aber das verflog mit den ersten Schritten auf den Lofoten.


Unsere rund siebenstündige Tour führt uns quer über die Lofoteninsel entlang der E10 und das Wetter wechselte im Minutentakt. Der Besuch der Fischerdörfchen war nebensächlich, vielmehr hat mich die Natur und die Landschaft in ihren Bann gezogen.


Und diese gehört zu den schönsten die ich je gesehen habe. Ich bin so beeindruckt, dass ich während einer Unterhaltung mit einem „Aussteiger“ bereits im Kopf meine eigene Camper-Tour über die Inseln plane. Die zwei Jungs waren autark mit drei Hunden im hohen Norden unterwegs. Zwei bis drei Monate hatten sie geplant, bevor es im Herbst Richtung Südeuropa zum Überwintern geht.


Unser deutschsprachiger Guide war eine Wucht und überzeugte mit Wissen über die Geschichte der Insel. Auf der Fahrt erfuhren wir dann auch den Grund des zurückhaltenden Verhaltens einiger Gäste uns gegenüber. Sie hielten Anky und mich für Mitglieder der Crew, nur so konnten sie sich unser „in Schutz nehmen“ und meine deutlichen Worte von heute morgen erklären. Im Zuge der aufklärenden Gespräche gab es dann doch noch nette und verständnisvolle Kontakte.


Dieser Trip über die Lofoten war mein persönliches Highlight dieser Reise. Die Verbundenheit zu Natur, die Ehrfurcht vor den Naturgewalten, die dies geschaffen haben, dass Bewusstsein für das Leben, all diese Gedanken haben diesen viel zu kurzen Trip geprägt.


Den Abend ließen wir mit zuviel Bier und Cocktails und bei guten Gesprächen über Motorradreisen ausklingen. Ich landete später mit Nina und Frank in der Anytimebar, in der diesmal erschreckend viel los war. Dem Bordkonto konnte ich entnehmen, dass ich noch zwei Bier getrunken hatte, nachdem auch diese beiden zu Bett gegangen sind. Kurios, normalerweise schließen die Beiden doch den Laden ab. Hatte ich jemanden kennengelernt und zusammen angestoßen oder war ich an diesem Abend der einsame Kerl an der Theke, der sich die Trauer in dieser Nacht wegtrinken musste? Ich weiß es nicht mehr. Aber ich habe da eine Vermutung.

Donnerstag, 29.07.

Den gestrigen Seetag begannen wir mit dem Mittagessen. Das Wetter war herrlich und so verbrachten wir den Tag bis zum Abend an der Ocean Bar und ließen uns die Sonne auf den Pelz brennen, bevor es dann am Abend „The voice over the ocean“ hieß. In der Show messen sich die Karaoke-Sänger der Vorabende. Ganz schön mutig sich dem Publikum zu stellen.


Unsere letzte Station auf dieser Reise erreichten wir um 8 Uhr. Bergen. Die 280.000 Einwohnerstadt ist die zweitgrößte Norwegens und gilt als UNESCO Welterbe. Ab dem 14. Jahrhundert machte die deutsche Handelsflotte Bergen für rund 200 Jahre zu einem ihrer Häfen. Erst Anfang des 18. Jahrhunderts kehrten die norwegischen Kaufleute zurück und belebten die Stadt erneut. Eingeschlossen von sieben Bergen ist die Einfahrt in die Stadt beeindruckend. Nicht nur die alten Hafengebäude, in denen heute Museen und Touristenshops angesiedelt sind, fallen sofort ins Auge, sondern vor allem die Wohnhäuser in den Berghängen. Ein Blick ins Schaufenster der hiesigen Immobilienmakler verrät, dass man für 68 Quadratmeter rund 300.000 Euro auf den Tisch legen muss, um hier zu wohnen.


Wir hatten Glück, wir erwischten den zweiten trockenen Tag nach rund acht verregneten Wochen. Unser Weg führte uns deshalb direkt zur Standseilbahn, die uns auf den etwa 300 Meter hohen Berg Floyen brachte. Von dort hat man eine wundervollen Blick über die Stadt, außerdem ist der Berg Ausgangspunkt für zahlreiche Outdooraktivitäten.


Wir entscheiden uns den Weg in die Stadt zu Fuß zu bewältigen. Rund eine Stunde schlenderten wir die Wege runter in die City. Ein Besuch auf den berühmten Fisketorget, dem Fischmarkt lohnt sich, allerdings verkauften fast alle Händler auch Walfleisch. Aus Artenschutzgründen sollte man davon aber bitte die Finger lassen.


Die Temperaturen stiegen auf über 20 Grad, diese Hitze waren wir gar nicht mehr gewohnt. Und so entschieden wir uns für einen Besuch der „Magic Ice Bar“. Der Eintritt beinhaltete auch noch einen Drink und glücklicherweise auch die Leihgabe von Handschuhen und einem Poncho. In der Bar trafen wir auch auf Gabi und Horst, die uns am Vortag überhaupt erst von diesem Ort erzählt hatten. Alles in der Bar besteht aus Eis, die Theke, Tische, Sitzbänke und Skulpturen. Bei Minus 5 Grad die ganze Nacht eine Party feiern… eher nicht. Es ist schon beeindruckend, aber länger als eine halbe Stunde haben wir dort nicht verbracht und waren dann auch froh, uns im Anschluss in der Sonne wieder aufwärmen zu können.

Wir schlenderten noch durch die Stadt, tranken einen Kaffee und besuchten die Souveniershops, bevor wir am Nachmittag wieder zum Schiff zurückkehrten. Trotz angekündigter TOP 30 Party in der Anytime Bar, entschied die Crew auch heute wieder um 1 Uhr die Zapfhähne zu schließen. Und so endete unser Abend mit Gabi und Horst „ebenso früh“ in der Distille, bei letzten Gesprächen über Reisen, Jobs und der Barpolitik der AIDA Crew.

Samstag, 1.7.


Den letzten Seetag verbrachte ich angeschlagen in der Kabine und durfte mir am Nachmittag von der Ärztin noch Schmerztabletten holen, um wenigstens etwas zum Abendessen runterzubekommen. Schade, wir konnten uns nur noch von wenigen Leuten verabschieden. Nach 17 Tagen erreichten wir dann unseren Ausgangshafen Hamburg-Altona.

FAZIT

Kaum zu glauben aber wahr, der Altersdurchschnitt dieser Reise soll bei 64 Jahren gelegen habe. Gepaart mit meinen persönlichen Eindrücken vom Verhalten einiger Gäste trübt dies leider meinen Gesamteindruck der Reise Und das obwohl wirklich unglaubliche Zielorte angefahren wurden. Irgendwie ist das Gemecker und Genörgel, gerade auf den von der AIDA organisierten Ausflüge, sowie das dreiste Verhalten einiger (weniger) Gäste bei mir hängen geblieben. Während ich der AIDA Crew trotz einiger Kommunikationsfehler für das organisatorische Durcheinander an Häfen und Ausflügen nicht die Schuld gebe, so haben wir uns doch alle über das frühe Schliessen von Bars und Discothek an Bord gewundert. Schade, denn gerade hier hätte man mit Gleichgesinnten noch gut die Nacht bzw Abend verbringen können, gerade während der 10 Tage an denen die Mitternachtssonne die Nacht zum Tag gemacht hat. Keiner unserer Mitreisenden mit AIDA Erfahrung hatte das zuvor auf anderen Reisen erlebt. Nichtsdestotrotz, den Umständen entsprechend war es für uns die richtige Entscheidung diese Art des Reisens in diesen Moment zu wählen und auf das Schiff zu steigen. Und vor allem haben wir tolle Orte entdeckt, zu denen wir nochmal zurückkehren wollen.

Und wie bei den anderen Berichten will ich noch was zum Reisepreis ausführen. Allerdings kann man hier nicht wirklich von Spartips reden kann. Auch wenn für die Innenkabine im Vario-Tarif vier Wochen vor Reiseantritt „günstige“ 2.049 Euro pro Person für die Innenkabine gezahlt. Aber der hohe Norden ist einfach teuer. Und das schlägt sich auch auf die Preise an Bord nieder. Denn für Ausflüge von der AIDA sind noch einmal 1.006 Euro dazugekommen. Für Getränke, Wellness, Internet haben wir 640 Euro gelatzt. Dazu kommen noch einmal Beträge für Eintritte Verpflegung, Ausflüge, die wir auf eigene Faust gemacht haben im Höhe von 498 Euro. Sparen kann man aber durch die Buchung von Mietwagen, insbesondere wenn man sich diese z.B. mit anderen Gästen teilt. Die online Buchung zwei Tage vor Ankunft im Zielhafen ist kein Problem. Oder natürlich wenn man auf die örtlichen Anbieter zurückgreift. In der Regel ist die Bezahlung mit Kreditkarte immer günstiger als die Bargeldzahlung. Insgesamt haben wir für diese Reise also satte 6.242 Euro ausgegeben.

Hinweis: Die Umrechnungskurse beziehen sich auf den Zeitpunkt unserer Reise. Bis auf Kirkwall haben wir nirgends Bargeld gebraucht und alles mit Kreditkarte zahlen könne, selbst den Kaffee oder das Brötchen zwischendurch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.