Kannste Dir nicht ausdenken. Fast frischer TÜV und äußerliche positive Checks hatten mich dazu bewegt, dieses ungewöhnliche 23 Jahre alte Wohnmobil mit grüner  Umweltplakette vor drei Monaten zu kaufen. Bis auf eine coronabedingten Kurztrip nach Winterswijk, wurde der Wagen also bisher noch nicht länger bewegt. Nachdem ich mich auf die im Frühjahr gemachte TÜV Einschätzung verlassen, das Fahrzeug einer “äußerlichen” Inspektion unterzogen hatte, mir mehrfach mitgeteilt wurde, dass es trotz des Alters eine gute Basis hatte und kaum sichtbaren Rost an typischen Stellen gab und ich dazu Probe gefahren bin, machte ich mir erst einmal nicht so viel sorgen.

Die generelle Bereitschaft zu investieren, um das “Alte Möhrchen” Instand zu halten, war Voraussetzung für die Anschaffung. Daher sollte ich die Entscheidung des Kaufs eigentlich nicht in Frage stellen, aber vielleicht haben mich einfach die kurzen Zeitabstände und die Reparaturmaßnahmen zum Nachdenken gebracht. Der Zeitraum vom Kauf bis heute – drei Monate Womo-Wahnsinn:

Teil 1 – Die Ölwanne

Schon beim Kauf war klar, zwei Dinge müssen in Angriff genommen werden. Eine neue Ölwanne muss her und dem Schleifen beim Lenken muss man doch irgendwie auf die schliche kommen. Also ab auf die Montage-Grube bei KFZ-Bartikowski in Gelsenkirchen und her mit der neuen Ölwanne. Teile und Arbeitszeit schlugen mit 500 € zur Buche!

Teil 2- Das Schleifen am Lenkrad und die ersten Wassertropfen

Während das Schleifgeräusch des Lenkrads mich schon seit der Probefahrt begleitete und somit auch ein Mangel war, der mir bewusst war, war es die undichte Dachluke nicht. Ok, ein Kabel schleift und die Dachluke braucht eine neue Dichtung, dachte ich mir und war darauf mental und finanziell vorbereitet.

Bei genauem Check der Fachwerkstatt Strey in Bergeborbeck stellte sich aber dann heraus, dass schon beim Einbau des Dachfensters Mist gemacht wurde. Tragende Holzbalken und der Rahmen wurden entfernt und nicht wieder eingesetzt, sodass durch das Eigenwicht der Dachluke das gesamte Dach durchhing. “Yippie Yah Yei Schweinebacke!”, bekomme ich jetzt ein neues Dach oder was kann man da machen. Um den Mangel zu beseitigen, musste alles neu angepasst, dass Dach mithilfe einer Aluminiumplatte hochgezogen und das Dachfenster neu eingesetzt und abgedichtet werden. Das Schleifen des Zündschlosses war auch nicht einfach so zu beheben, sondern bedarf einer neuen Zündplatte. Und nun wusste ich auch, warum ab und zu das Wohnmobil trotz abgezogenen Zündschlüssels weiterlief und nur durch abruptes Abwürgen zu stoppen war.

Schöne Anekdote: Ausführlich erklärte uns Chef Peter Strey beim Abholtermin die erledigten Arbeiten. Ich war leicht verwundert, dass neben dem Dach sogar die Heckwand aufgemacht werden musste, um ein Kabel zu verlegen. Doch als er weiter ausführte, dass hinter der nun nicht mehr gedämmten Wand eindringende Feuchtigkeit für verrostet Schrauben und sonstigen Schaden gesorgt hatte, stieg mir dieselbe in die Augen. “Aber mir wurde doch gesagt, dass das Womo für sein alter ein ganz gutes Fundament hätte”, war der fragende Blick an den Chef, der ganz trocken antwortete “Wenn ihr damit campen gehen wollt, dann holt euch was neues”. Stille. Ein Blick auf die seinen Auftragszettel und die Frage: “Schindler-Schulze?” – “Ja.” – “Oh, falscher Zettel und falsches Fahrzeug, warum habt ihr denn nichts gesagt.”

Ja, beim Dachfenstereinbau haben sie wohl irgendwann einmal Mist gemacht. Aber ganz so schlimm wie eben beschrieben, war es dann noch nicht. Oder sagen wir es besser wie Peter Strey: “Naja, den Rest haben wir uns ja noch nicht angeschaut”. Für den Moment war ich allerdings erst einmal beruhigt! Mit Strey wurde mir aber eine super Werkstatt empfohlen. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen und zu dem wurden alle arbeiten – in diesem Fall schon zu – ausführlich erklärt 😉 . Kosten für die Fehlerbehebung und Reparatur: 1500 €.

Teil 3: Reifen

Nach dem der große Batzen für die Reparatur – so dachte ich – hinter mir lag, war da ja trotzdem noch was zu machen. Denn als ich nach vier Tagen zum Parkplatz kam, fand ich das Wohnmobil plötzlich hinten links auf der Felge stehend wieder. Aufgeschlitzt, so eine scheiße. Und auch der gegenüberliegende Reifen sah platt aus.

Während des Homeoffice immer einen Blick auf das Womo haben.

Der Check nach dem Ausbau bei der Werkstatt Waldorf in Freisenbruch brachte aber ein anderes Ergebnis. Die in die Jahre gekommenen Ventile sollte dringend einmal ausgetauscht werden. Und hey, die Reifen haben zwar noch super Profil, aber die vierzehn Jahre alte Schlappen müssten dann doch mal grunderneuert werden. Peinlich, letzteres hätte man ja auch selbst mal checken können. Noch während das Womo auf der Hebebühne stand, fiel beim Lösen der Radmuttern vorne links auf, dass eine Schraube so mit Gewalt eingeprügelt worden sein musste, dass dadurch die komplette Radnabe im Eimer war. Vorläufige Reparatur- und Materialkosten für vier neue Schlappen und Ventile: Rund 500 €.

Teil 4: Radnabe, Bremsklötze und Bremsgestänge

Die Lieferung der neuen Radnabe ließ etwas auf sich warten, aber dann durfte das alte „Möhrchen“ erneut auf die Hebebühne. Eigentlich hatte ich am gleichen Tag den Anruf der Werkstatt mit den Worten „Ist fertig, kannste abholen“ erwartet, doch leider musste mir der Chef mitteilen, dass ihm beim Wechsel der Radnabe vorne links gebrochene Bremsklötze entgegen fielen. Das veranlasste die Werkstatt auch einmal auf der gegenüberliegenden Seite nachzuschauen, dessen Bremsblöcke sogar noch schlimmer aussahen. Und so wurden auch diese neu bestellt. Zwischensumme für Reparatur und Material, uff: Rund 1100 €.

Da ist sie, die neue Radnabe. 1997 vs. 2020!

Ich hatte noch kurz darüber geblödelt, was als nächstes Problem auftreten würde oder ob wir das Womo vielleicht besser von „Möhrchen“ in „Das goldene Stück Scheiße“ umbenennen sollten, als das Telefon am Folgetag klingelte und mir die Werkstatt mitteilte, dass der Grund für die gebrochenen Bremsklötze gefunden sei. Ein kurzes „Juchuu“ meinerseits und dann die vorsichtige Frage, was denn die Ursache sei und wie viel es die Behebung denn kosten würde. Bremsgestänge und Bremsbacken “klebten” aneinander und haben einseitig auf die Bremsklötze gedrückt. Da sich dies nicht mehr lösen ließ, musste also auch hier Ersatz her. Endkosten für Reparatur und Material: Rund 1600 €.

Die ersten familiären Stimmen rufen nach dieser Erfahrung nun “Abstoßen” und raten mir, mir ein Investitionslimit zu setzen. Das fällt nach diesem Investment innerhalb dieser kurzen Zeit nach dem Kauf allerdings wirklich schwer und irgendwie hab‘ ich es ja auch lieb gewonnen. Hoffen wir, dass die gröbsten Dinge nun erledigt sind und wir uns in den nächsten Jahren den notwendigen altersbedingten Reparatur- und Ausbesserungsmaßnahmen widmen können, die sich dann auch noch halbwegs finanziell begründen lassen. Vor allem aber “Glück im Unglück”, wären die platten Reifen nicht gewesen, wäre der Rest, der ja wirklich keine Kleinigkeit war, erst einmal nicht aufgefallen. Und das mit unserer Tochter an Bord, man darf gar nicht dran denken.

Die Probefahrt nach der letzten Reparatur verlieh mir ein ganz neues Fahrerlebnis und auch der Bergab-Bremstest auf der steilen Steeler Bergstraße gab mir ein gutes Gefühl. Somit ist die Entscheidung für heute gefallen: Das Projekt „23 Jahre altes Wohnmobil“ geht weiter. Vorerst!

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