Montag, 07.07.
11:45 Uhr. Wir erreichten den Kiss & Ride Parkplatz des Flughafen Düsseldorf. Ein „Kiss“ und los ging es weiter zu Dritt. Check’in online erledigt, nur Handgepäck dabei und so standen wir direkt im in der Schlange zur Sicherheitskontrolle. Nicht nur der Sicherheitscheck verlief unproblematisch, auch das UK ETA Dokument war bei allen Dreien gültig. Seit April 2025 ist es nämlich notwendig, ein elektronisches VISA Verfahren bei der Einreise nach Großbritannien zu durchlaufen. Nur Budze stand leicht erschrocken vor der Schleuse, die sich nach einem Scan seiner digitalen Bordkarte nicht öffnen wollte. Grund hierfür. Seine Partnerin Silke hatte beide Bordkarten auf ihrem Handy, scannte versehentlich den QR-Code ihres Partners und stand als „Jens B.“ auf der „richtigen“ Seite der Schleuse. Aber kein Problem, schnell das Handy rübergereicht und das ganze Spielchen umgedreht und so konnte auch Budze als „Silke R.“ die weiterreise antreten. Ich frühstückte im Flughafen Restaurant eine Spaghetti Bolognese und wir stießen auf die Reise an.

Rund zwei Stunden später erreichten wir Edinburgh und landeten nach dem zweiten Versuch sicher auf der Landebahn. Den ersten Landeversuch musste die Piloten wegen Scherwinden abbrechen und startet nur wenige Meter vor dem Boden wieder durch. Eine Ehrenrunde und somit 15 Minuten später als ursprünglich geplant berührten die Räder das schottische Rollfeld.

Schon auf dem Weg zur Bushaltestelle orderten wir via App „Lothian Bus & Trams“ das NETWORK Tagesticket für 12,5 GBP (Great Britain Pound), was rund 15 Euro entspricht, stiegen in den Doppeldecker Bus in die City und quälten uns durch den Verkehr. Wir mussten dann nochmal in die Linie 1 umsteigen, bevor wir an der Haltestelle Brunswick Road ausstiegen und nach einem 5 minütigen Fußweg unsere Airbnb-Ferienwohnung, die schlappe 345 GBP pro Nacht kostete, in „Albions Gardens“ erreichten. Gesalzener Preis, aber man gönnt sich ja sonst nichts.

Zwei Schlafzimmer, zwei Bäder, Wohnzimmer, Küche, kleiner Balkon. Schön gefaltete und ausreichende viele Handtücher, dafür semi-sauber, sodass Budze und Silke das ganze Geschirr vorsichtshalber nochmal per Hand spülten. Unser Standort war also nicht direkt in der belebten Altstadt, dafür aber mit Sicht auf das Stadion „Easter Road“, das nur 100 Meter entfernt lag, eigekesselt von Mehrfamilienhäusern. Entlang der Straße sahen wir fast durchgehend kleine Kästchen mit Zahlenschlössern, die ein Indiz dafür sind, wie viele Airbnb-Wohnung hier vermietet werden. Denn die Kästchen beinhalten die Wohnungsschlüssel, die die Mieter per vorher zugeschickten Zahlencode öffnen können und damit ohne persönlichen Kontakt mit dem Vermieter, Zugang zur Wohnung erhalten.

Unser erster Weg führte uns benachbarten „Sainsbury’s“, um uns mit Schokocrossaints, alkoholfreien Dosenbier, Instant-Nudeln, Instant-Kaffeepulver, Brot, Aufschnitt und Erdbeermarmelade zu versorgen. Und das war meine Einkaufsliste. Silke und Budze griffen zu Erdbeeren, Himbeeren und lactosefreien Joghurt, Bananen, Haferflocken und Eiern, kohlensäurefreies Wasser. Spätestens hier wurde klar, dass mein Ernährungsstil stark von dem meiner Reisebegleiter abwich.

Budze durchstöberte die Google Maps Karte und stieß prompt auf ein gut bewertetes Restaurant namens „Simply Greek“, rund 15 Minuten zu Fuß und Bus von unserer Wohnung entfernt. Also nichts wie hin. Das Restaurant gefiel uns auf anhieb. Super freundliches Personal, nette Deko, eine übersichtliche Karte und die Gerichte, die zum Nachbartischen gebracht wurden, sahen alle super aus. Die Entscheidung war gefallen, hier wird gespeist! Unsere überbackene Auberginen, die Auswahl an Dips und die auf Pita Brot servierten Rindfleisch-Häppchen mit Joghurt und Tomatensauce waren super lecker. Und zwar so lecker, dass wir uns mit den Worten „see you tomorrow“ verabschiedeten und die Kellner noch darüber lachten.

Gut gesättigt und 110 GBP ärmer, stiegen wir in den Bus zum Scott-Monument an der Princes Street. Von dort aus ging es bergauf über die Cockburn Street zur Royal Mile oder High Street, die in Old Town der schottischen Hauptstadt liegt. Vorbei an St. Giles Cathedral ging es weiter bergauf zur Edinburgh Castle, was für uns an den späten Abendstunden nicht mehr erreichbar war. Vor dem Schloß mitten auf dem Berg ist bereits eine riesige Bühne sowie mobile stadionähnliche Sitzplätze aufgebaut, sodass der Durchgang zum Schloß nur mit Tickets und geführten Touren möglich ist.

Somit mussten wir am Sicherheitsdienst wieder abdrehen und stiegen die Treppen hinab zur „Under Mountain Road“ bzw. zum „Grassmarket“. Auf dem Grassmarket wurde ab Ende des späten Mittelalters bis zum 20. Jahrhunderts Vieh- und Pferde gehandelt und galt als Mittelpunkt der Altstadt. Außerdem befand sich hier der „Galgen von Edinburgh“ an dem Personen öffentlich hingerichtet wurde. Der Pub „The Last Drop“ erinnert heute noch mit seinem Logo an die Geschichte.

Heute Pubs, Biergärten, Restaurants. Ein beliebtes Ausgehviertel. Verlassene Einkaufswagen, kaputte Sonnenschirme, Müll auf dem Boden, Essensreste auf den Mauern, schlechte Graffitis, beklebte Laternen, zerrissene Werbebanner. Und das in alle mit Blick auf alte und tolle Gebäude. Sieht mit Blick auf das Umfeld und den Müll nicht viel anders aus als auf der Viehofer Straße in der Essener Innenstadt. Die nicht nur deshalb, aber auch, verrufen ist.

Etwas irritiert hat mich die Begeisterung für diesen Platz, die ausschließlich von uns Touris geäußert wurde. Die alten Fassaden waren von Stromkabeln gesäumt, zerrissene Sonnenschirme standen wild herum, Müll lag an jeder Bank und Aufkleber zierten jede Wand und jede Telefonzelle. Ich mag das! Aber etwas komisch ist es schon, wenn Essener diesen Ort als schön und interessant definieren, die Viehofer Straße in der Essener Innenstadt aber völlig ablehnen und hässlich finden. Ehrlich gesagt, ich entdeckte einige parallelen. Aber hier störts keinen… vor allem keinen Touristen. Es wird darüber hinweg gesehen und gehört einfach dazu. Insbesondere dann, wenn die Stadtführerin darüber berichtet, wie dieser Ort und die benachbarten Straßen Ende des 19. Jahrhunderts als die Slums von Edinburgh bezeichnet wurden. Und so ignorierten auch wir den Müll und gingen in den ältesten Pub der Stadt, ins The White Hart Inn, um ein Bierchen zu trinken und Livemusik zu hören. Der urige Pub bietet Geschichten einer Portion Gänsehaut. Angeblich ist es nicht nur die älteste, sondern auch die am meisten heimgesuchte Kneipe der Stadt.

Seit 1516 gibt es das White Hart, und der Legende nach spukt es hier gewaltig: Gäste und Personal berichten regelmäßig von unheimlichen Sichtungen. Der schottische Poet Robert Burns soll hier 1791 sein berühmtes Lied „Ae Fond Kiss“ geschrieben haben. Und die berüchtigten Serienmörder Burke und Hare sollen hier eines ihrer Opfer einer ganzen Mordserie aufgegabelt haben. Motiv, sie verkauften die toten Körper in den 1820ern als Anatomieleichen ans Edinburgh Medical Collage. Trotz – oder gerade wegen – dieser düsteren Vergangenheit ist das White Hart Inn heute ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Touristen. Hier könnt ihr zwischen über 70 schottischen Single Malts, lokalen Ales und Craft-Gins wählen. Wir entschieden uns für alkoholfreies Guinness und eine Pils-Alternative.

Wir verließen das Pub in Richtung Victoria Street, Sie gilt als einer der fotogensten Straßen der Stadt und steckt voller kleiner Überraschungen. Die heutige Victoria Street, früher bekannt als West Bow, war über Jahrhunderte hinweg die wichtigste Einfallstraße für alle, die aus dem Westen, Norden oder Südwesten nach Edinburgh kamen. Ihr sanft geschwungener Verlauf machte sie ideal für Fuhrwerke, die sich sonst kaum durch die steilen, engen Gassen der Altstadt bewegen konnten. Noch immer führt sie vom Grassmarket hinauf zur Royal Mile – vorbei an farbenfrohen Fassaden, kleinen Läden und historischen Bauten. Wer genau hinsieht, entdeckt über alten Türen eingravierte Jahreszahlen wie 1616 oder 1720. Besonders beeindruckend: Ein Haus mit einer Bäckerei im Erdgeschoss stammt noch aus dem 16. Jahrhundert – ein echtes Stück Stadtgeschichte.

In den 1830er Jahren wurde die Straße ausgebaut und modernisiert. Mit dem Thronantritt von Königin Victoria im Jahr 1837 bekam sie ihren heutigen Namen. Spannend: Der untere Abschnitt wird bis heute West Bow genannt – der Übergang zur Victoria Street liegt etwa auf Höhe der bekannten Bow Bar. Ein echter Geheimtipp ist der Blick von oben: Von der Victoria Terrace, einer erhöhten Fußgängerpromenade über der Straße, hat man einen großartigen Ausblick auf das bunte Treiben darunter. Die Victoria Street gilt als eine der möglichen Vorlagen für die Winkelgasse aus Harry Potter – auch, weil hier einst Thomas Weir, der berüchtigte „Zauberer von West Bow“, gelebt haben soll. Und so findet man auf der Straße auch zahlreiche Shops, die Harry Potter Accessoires anbieten.

Nach einem kurzen Stopp in der Frankenstein’s Bar, um uns vor allem die Deko der Bar in dieser umgenutzten Kirche anzuschauen, erreichten wir nach kurzer Zeit den Friedhof „Greyfriars Kirkyard“, der Mitten in der Altstadt liegt und zum Teil von Wohnungen umschlossen ist und aus dessen (Kinder)Zimmerfenster direkt man auf die Jahrhunderte alten Gräber schauen kann. Ganz schön spooky. Der Friedhof ist seit dem 16. Jahrhundert in Benutzung und grenzt direkt an die gleichnamige Kirche aus dem Jahr 1620. Was zunächst nach trockener Kirchengeschichte klingt, entpuppt sich schnell als Schauplatz von bewegender Treue, politischen Konflikten und allerhand düsteren Anekdoten.
Was Greyfriars für viele zum Pflichtstopp macht, ist die Geschichte eines kleinen Hundes: Greyfriars Bobby. Der Legende nach verbrachte dieser Skye Terrier nach dem Tod seines Herrchens, John Gray, über ein Jahrzehnt lang Tag und Nacht an dessen Grab – bis zu seinem eigenen Tod. Die Bewohner der Stadt waren so gerührt, dass sie ihm ein Denkmal errichteten. Heute steht seine Bronzestatue vor dem Greyfriars Pub, direkt gegenüber vom Friedhofseingang, wo auch sein kleines Grab zu finden ist. Das Grab seines Besitzers liegt nahe des Eingangs des Friedhofs. Wer durch die verwinkelten Wege zwischen den alten Grabsteinen streift, trifft auf eindrucksvolle Reliefs aus dem 17. Jahrhundert: Skelette, Sanduhren, Engel und andere Symbole, die sich mit Leben, Tod und dem, was danach kommt, beschäftigen.

Einige der Grabmäler gehören zu bekannten Persönlichkeiten – wie das Martyr’s Monument oder das Denkmal für den Dichter Duncan Ban MacIntyre. Besonders berüchtigt ist das Mausoleum von Sir George Mackenzie. Ihm wird nachgesagt, auch lange nach seinem Tod keine Ruhe zu finden – zahlreiche Besucher berichten von seltsamen Phänomenen rund um sein Grab. Und das bestätigte uns auch ein Spaziergänger mit Hund, dessen Freund in einer der Wohnungen direkt am Friedhof wohnte und der die Spukereien mitbekommt und auch bestätigen kann. Die Legende vom „Mackenzie Poltergeist“ ist in Edinburgh inzwischen so bekannt, dass es nächtliche Gruseltouren über den Friedhof gibt. Wer sich traut, kann dort selbst auf Spuren des Unheimlichen stoßen. Auch politisch spielte sich hier ein bemerkenswertes Kapitel schottischer Geschichte ab: 1638 unterschrieben kirchliche Vertreter im Inneren der Greyfriars Kirk den sogenannten National Covenant – ein Manifest gegen die Versuche des englischen Königs, die schottische Kirche zur Übernahme der anglikanischen Liturgie zu zwingen. Die Unterzeichnung gilt als ein früher Ausdruck demokratischer Selbstbestimmung und trug dazu bei, dass das Land in die Wirren religiöser und politischer Konflikte stürzte. Jahrzehnte später, nach der Niederlage der Covenanter in der Schlacht von Bothwell Bridge, wurden über tausend Gefangene kurzerhand auf dem Friedhofsgelände eingesperrt. Ein Teil des Friedhofs, heute hinter einem Gittertor zu sehen, war das provisorische Gefängnis – das sogenannte „Covenanters’ Prison“. Viele der Gefangenen wurden später freigelassen, einige jedoch nach Übersee verschleppt oder hingerichtet.
Vielleicht sind es auch ihre rastlosen Seelen, die zur spukhaften Atmosphäre des Ortes beitragen sollen. Auch Literaturfans kommen hier auf ihre Kosten. J.K. Rowling spazierte während ihrer Zeit in Edinburgh oft über den Greyfriars Kirkyard – und dabei dürften ihr einige Namen an den Grabsteinen ins Auge gefallen sein. Einer davon: Thomas Riddell. Der Name erinnert nicht zufällig an Harry Potters späteren Erzfeind Tom Riddle alias Lord Voldemort. Rowling sagt zwar, sie habe sich unbewusst inspirieren lassen – aber der Grabstein mit der Inschrift „Sacred to the Memory of Thomas Riddell Esq. of Befsborough“ zieht inzwischen täglich Fans an.

Für uns endete mit diesem Besuch der erste Tag in Edinburgh.
Dienstag, 08.07.
Während ich noch geschlafen hatte, waren Silke und Budze schon unterwegs, um einen Reiseadapter für die Steckdose zu kaufen, da meiner alleine nicht ausreichte, um alle Handys und Tablets zu laden und gleichzeitig meine Schlafapnoe-Gerät zu betreiben. Nach ihrer Rückkehr gab es erst einmal ein ordentliches Frühstück, was für mich ja eher ungewöhnlich ist.

Im Anschluss ging es mir der Buslinie 35 zur South Bridge. Denn dort hatte Silke „ihren“ Laden entdeckt. Hey Tea! Aus China stammt dieser Tee-Laden Kette, genau gesagt aus der Provinz Nanshan, die ähnlich wie Starbucks mit Kaffee, die Welt mit ungewöhnlichen Tees to Go erobern wollen. Mein Geschmack hat der von Silke ausgewählte Tee auf so gar keinen Fall getroffen.

Im Anschluss schlenderten wir durch die völlig überlaufenen Gassen. Die sich aneinanderreihenden Tourishops mit den immer gleichen Produkten stören teilweise das Bild dieser wunderschönen Gebäude. Aber anscheinend gibt es genug Nachfrage für Caps, Schals, Shirts und und und.

Wir beobachteten Strassenkünstler auf der Royale Mile und besuchten eine der zahlreichen Kirchen, die heute umgenutzt wurden und in den heute Restaurants, Ausstellungsräume oder kleine Kreativmärkte zu finden sind.

Außerdem besuchten wir das Projektbüro des Fringe Festivals, das weltweit größte Kulturfestival, das seit 1947 immer im August stattfindet. Das Fringe ist fast ausschließlich auf die darstellenden Künste, besonders Theater und Comedy, ausgerichtet.

2024 erstreckte sich das Festival über 25 Tage, verkaufte mehr als 2,6 Millionen Tickets und umfasste mehr als 51.446 geplante Aufführungen von 3.746 verschiedenen Shows an 262 Veranstaltungsorten.

Die Wege unser Reisegruppe trennten sich. Während Silke und Budze durch die City schlenderten, machte ich mich an den „Aufstieg zum Carlton Hill, einem vulkanischen Hügel mitten in Edinburgh, der einen tollen Ausblick über die Stadt bietet. Dort befindet sich auch das Nelson Monument, auch als „Griechisches Parlament“ bezeichnet sowie das Royal Observatory. Der Carlton Hill trägt deshalb auch Beinamen „Athen des Nordens“.

Auf Carlton Hill erlebt man Stadtgeschichte. Besonders ins Auge fällt nämlich das National Monument. Zwölf monumentale Säulen, die wie eine Tempelruine wirken. Ursprünglich sollte daraus ein groß angelegtes Erinnerungsbauwerk für die Gefallenen der Napoleonischen Kriege entstehen, inspiriert vom Parthenon in Athen. Doch aus finanziellen Gründen würde das Bauwerk nie fertiggestellt.

Gleich nebenan ragt das Nelson Monument auf, 1816 vollendet zu Ehren von Admiral Horatio Nelson, dem Sieger der Schlacht von Trafalgar. Der Turm steht auf dem Gipfel des Hügels und streckt sich weitere 32 Meter in die Höhe.

Den größten Bereich auf Calton Hill nimmt das alte Stadtobservatorium ein. Das Observatorium ging 1818 in Betrieb, der Kuppelbau mit Kupferdach beherbergte das Teleskop. Besonders am Abend, zum Sonnenuntergang, bietet der Blick von Carlton Hill ein tolle Kulisse.
Pünktlich zum Abendessen trafen wir wieder zusammen und beehrten das Lokal „Simply Greek“ erneut und waren genauso begeistert wie am Tag zuvor.

Gut gesättigt ging es mit der Linie 1 nach Seafield Edinburgh. Aber statt Strand erwarteten uns örtliche Autohändler und ein McDonalds. Die halbe Stunde Fußweg nach Portebello wollten wir uns sparen. Budzes Knie schmerzte und meine Füße qualmten. Nur Silke sprang nach einer kurzen Pipipause beim goldenen „M“ noch wie ein junges Reh über die Straße. Und so beschlossen wir mehrheitlich mit 2 zu 1 Stimmen uns ein Uber zu bestellen, dass dann auch fünf Minuten später eintraf. Etwa genauso lange dauerte der Ride zum Portebello Beach, der uns rund 6 Britische Pfund + zwei Pfund Trinkgeld kostete.

Und wow, was für ein Kontrast zur touristisch überlaufenen City von Edinburg. Ein laues Lüftchen, spielende Kinder, Beachvolleyball spielendende Erwachsene. Hier gefiel es uns. Wir wanderten ein Stück durch den Sand und dann die Promenade rauf und wieder runter, entdeckten einen ehemaligen Keramikofen (Portobello’s Bottle Klins) mitten zwischen Wohnhäusern, der nicht nur Aussah wie ein Raumschiff, sondern auf dem auch der Schriftzug „Aliens“ zu lesen.

Ein kurzer Blick in die Strandspielhalle, dich mich Schlagartig in die 90iger Jahre zurück beamte, in denen ein paar Teenager auf ihrer Ferienfahrt nach Hastings bereits in den ersten zwei Tagen ihren gesamtes Feriengeld in einen „Coin-Pusher“ warfen und Eltern unter Zorn ihren Kindern Geld senden mussten, um „überleben“ zu können. Wir kauften keine Coins per Kreditkarte, sondern entschieden und das Geld lieber im benachbarten Strandpub „The Esplanade“ für Guinness und Bier auszugeben. Die Sonne verschwand und es zogen immer weitere dunkle Wolken auf.

Wir entschieden uns deshalb ein Uber zurufen und zurück zur Airbnb-Wohnung zu fahren. Die Rückfahrt war kurzweilig, denn unser Fahrer John war nicht nur Fußballfan, sondern auch sehr gesprächig. Und obwohl der Edinburgh-Dialekt näher am Englischen liegt, als andere schottische Dialekte, hatten wir einige Probleme unseren Fahrer zu verstehen. Ay, was soll’s.
Mittwoch, 09.07
Ich war zwar noch nicht auf dem gesunden Ernährungstrip wie meine Begleiter, schaufelte mir aber doch genug Kohlenhydrate in den Körper, um meine bevorstehende Wanderung zu schaffen.

Und so lief ich durch die Stadt, vorbei am Holyrood Abbey, eine Ruine eines Chorherrenstifts das 1128 von König David I. errichtet wurde, um mich den Aufstieg zum Arthur’s Seats zu nähern.

Es führen verschiedene Wanderwege auf den rund 251 Meter hohen Hügel, welcher Überrest eines vor urzeiten aktiven Vulkansystems war. Das Wetter war herrlich und die Aussicht schon beim Aufstieg toll. Die letzten Meter sind dann doch etwas anspruchsvoller und ich war froh, die letzten Meter nicht bei Regenwetter absolvieren zu müssen, denn dann kann es hier ganz schön rutschig werden.

Ich war nicht der Einzige RWE-Fan, der sich vor dem heutigen Spiel noch auf diese Sightseeing-Tour macht und kam mit dem ein oder anderen Essener ins Gespräch.
an kann einen ganzen Rundweg über Edinburgh’s Hausberg absolvieren und so entschied ich mich noch für einen steilen Abstieg und späteren Aufstieg zur im Osten vorgelagerten Felsformation Salisbury Crags.
Hier kann man sich meterhohe Basaltsäulen anschauen. Die gewählte Route war schon etwas anspruchsvoller, aber mit Blick auf die Zeit und den noch anstehenden Tagesplanungen, musste ich diese Route wählen, um etwas Zeit zu sparen. Der Weg entlang der Klippen und der Blick auf die Stadt war herrlich. Was für ein Glück, dass dieses fantastische Wetter mitspielte.

Während ich also noch auf Edinburgh’s Hausberg herum wanderte, besuchten Silke und Budze das malerische Stockbridge , ein Vorort von Edinburgh. Das ehemalige eigenständige Dorf wurde im 19. Jahrhundert eingemeindet und mit dem Bau der Dean Bridge über den Fluss 1801 an das Water of Leith an das Edinburgh bzw. das heute Zentrum angeschlossen. Stockbridge gilt mit seinen kopfsteingepflasterten Straßen und seinen Parks und Gärten als einer der schönsten Stadtteile Edinburghs.

Nach meinem Abstieg lief ich in Richtung Zentrum und durchquerte noch den terrassenförmig angelegten Friedhof „Calton Cemetery“ am Fuße des Calton Hill, an dem ich eine kurze Pause einlegte. Meine Füße qualmten, deshalb entschied ich mich mit dem Bus ins Zentrum und noch zwei Haltestellen mit der Tram zu fahren, um den Weg nach Deans Village abzukürzen.

Denn hier wollte ich mit wieder mit Silke und Budze treffen, die eine Spaziergang entlang des Ufers des des Water of Leith machten.

Wir schlenderten nur noch kurz durch die Straßen, warfen noch einen kurzen Blick in das Belford Hostel, dass früher eine ehemalige Kirche war. Wir entschieden uns an dieser Stelle ein Taxi zu rufen und uns zurück ins Apartment kutschieren zu lassen.

Zurück an der Homebase ließen musste ich erst einmal aus meine Schuhen raus. Ein paar Minuten entspannen und auf dem Balkon noch ein alkoholfreies Heineken genießen und schon einmal auf den heutigen Abend anstoßen! Nur der RWE! Es war soweit. Der Anlass unserer Reise war das Freundschaftsspiel zwischen Hibernian FC (Hibs) und Rot-Weiss Essen im Stadion im Easter Road Stadion. Wir hätten direkt ins Stadion fallen können, aber alle Rot-Weiss Fans trafen sich vorher für einen Fanmarsch von der Altstadt zum Stadion.

Als wir am Grassmarket ankamen, waren bereits hunderte RWE-Fans versammelt und wir trafen einige Freunde und Bekannte, die heute oder bereits am Vortag angereist waren. Der Grassmarket liegt südlich unterhalb von Edinburgh Castle in einer Senke der Altstadt und wurde im späten Mittelalter als Markt eingerichtet. Sein Name erinnert an den Viehhandel mit Schwerpunkt auf Pferden und Rindern und an den Getreideverkauf der hier über Jahrhunderte stattfand. Wer ankommt merkt schnell dass sich die Geschichte mit dem Alltag mischt. An den Fassaden stehen Pubs und Gasthäuser die teils seit Jahrhunderten Gäste empfangen und zwischen den bunten Schildern blitzen Hinweise auf historische Episoden auf.

Der Platz hatte dunkle Kapitel. In der frühen Neuzeit wurde hier öffentlich hingerichtet und der Ort ist mit den Covenanting Martyrs verbunden deren Erinnerungstafel an die Gewissensfreiheit und die religiösen Konflikte des 17. Jahrhunderts erinnert. Gleichzeitig war der Grassmarket ein Umschlagplatz für Waren und Menschen und ein Treffpunkt für Reisende die über die damaligen Hauptstraßen in die Stadt kamen. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert veränderte sich die Funktion des Platzes mit dem Niedergang des Viehmarkts. Der Grassmarket blieb jedoch ein sozialer Brennpunkt mit Wirtshäusern Handwerk und kleinem Handel.
Ein paar Bier später machte sich der Trupp auf zur Easter Road. Es war ein beeindruckender lautstarker und vor allem friedlicher Fanmarsch von rund 2.000 RWE-Fans, der in Edinburgh Eindruck hinterlassen hatte.

Am Abend war Anpfiff für die historische Neuauflage des ersten Europapokalspiels von RWE vor 70 Jahren gegen Hibernian FC im Jahr 1955. Die Stimmung im Stadion war super und es wurde 90 Minuten gefeiert. Die Hibs waren sehr erstaunt, welche Stimmung wir Rot-Weissen wir hier ablieferten, auch wenn das Spiel für uns in einer 3:2 Niederlage endete, aber das war auch völlig unerheblich. Unser körperliches Tagespensum war erreicht und unser Körper durch die heutigen Aktivitäten am Ende, deshalb verzichteten wir auf „Aftershow“ und feierten nicht mehr ausgelassen mit, sondern stolperten in unserer Herberge und ließen den Abend dort ausklingen.
Donnerstag, 10.07.
Wir starteten entsprechend ausgeruht in den Tag und konnten es dadurch völlig entspannt angehen lassen und in Ruhe Sachen zusammen packen, alles nochmal checken und stiegen nach dem Frühstück in ein Taxi zum Flughafen.

Am Flughafen angekommen sahen wir in das ein oder andere müde Gesicht von RWE-Fans, die darauf schließen ließen, dass die Feier entweder bis in die frühen morgen Stunden ging, oder bei denjenigen, die sich das Konterbier bestellten, eigentlich noch gar nicht aufgehört hatte. Auch Richard, Chef der Essen Marketing, den wir gestern schon beim Fanmarsch getroffen hatte, trafen wir am Flughafen wieder. Am Sicherheitscheck traf ich auch Oberbürgermeister und meinen Chef Thomas Kufen, der natürlich auch diesem Spiel angereist war und dadurch die Amtsgeschäfte in Essen kurz ruhen ließ oder besser gesagt, von unterwegs aus die wichtigsten Sachen erledigte. Es war ein toller Trip nach Edinburgh und durch unsere frühere Anreise war es möglich, Fußballkultur mit Stadtkultur zur verbinden. In diesem Sinne: „Hibs Away, uh huh, uh huh, I like it“ und „NUR DER RWE“!