Vorwort:
Jedes Jahr wieder, ruft uns die kanarische Insel Gran Canaria zu sich. Als deutscher Touri hatten wir bisher weder Probleme mit der „kleinen“ autonomen Regionalverwaltung vor Ort noch bei der Anreise an sich. Es scheint als hätten wir uns trotz unserer familiären Beziehungsangewohnheiten insgesamt in den letzten Jahren recht ordentlich hier verhalten… oder die Restaurantbesitzer sind einfach auf uns angewiesen, sodass behördliche Beschwerden über lautstarke Tischauseinandersetzungen einfach nicht gemeldet wurden. Mietwagenunfälle sind bisher auch ausgeblieben, für Suffgelage wie am Ballermann sind wir alle zu alt und unsere Tochter ist ja quasi eine „Canaria“ und hat somit mit Sicherheit Sonderrechte. Zugegeben, ich hatte überlegt, ob wir wieder mitfliegen sollen. Aber für unsere Tochter ist es quasi die zweite Heimat, für die Schwiegereltern und meine Frau ebenso und so ließ ich mich von meinen beiden Mädels überreden.
Samstag, 28.03.
In den letzten Tagen sorgten gleich zwei Streikankündigungen dafür, dass wir um unseren Urlaub zittern mussten. Zum einen hatte das spanische Bodenpersonal seinen Arbeitskampf angekündigt, aber auch die Lufthansa inkl. Tochtergesellschaften wollten für mehr Geld streiken. Und so hatte ich mich entschlossen, das Hotelzimmer am Köln-Bonner Flughafen zu stornieren und am Abflugtag lieber mit dem Auto zum Flughafen zu fahren. Sollte nun der Flug ausfallen, wären wir mit den gepackten Koffern einfach ans Mittelmeer gedüst.

Kurz nach der Losfahrt fiel auf, dass unsere Tochter ihre Zahnspange nicht drin hatte und auch nicht wusste, ob sie sie im Koffer oder Handgepäck verstaut hatte. Meine Fahrweise änderte sich schlagartig. Bremsung, 180 Grad-Drehung, ab nach Hause. Meine Frau konnte mich aber noch davon abhalten und schlug vor, erst einmal am Straßenrand in die Koffer zu schauen.

Fazit: Ich hätte die Tochter am Straßenrand auch alle Koffer auspacken lassen, aber glücklicherweise fand sie bereits in der ersten Handgepäcktasche ihre Zahnspangendose. Es war die einzige Aufgabe, die sie an diesem Morgen hatte, entsprechend sauer war ich, dass selbst das nicht funktionierte. Tief durchatmen.

Nach rund einer Stunde erreichten wir den Flughafen und stellten unser Auto im Parkhaus P3 ab, verabschiedeten uns für die nächsten 14 Tage und machten uns auf zum Check-In unseres Eurowings Fluges nach Las Palmas. Es war der Geiz, der uns nach Köln-Bonn führte. Denn am ersten Ferienwochenende war der Flug zum Buchungszeitpunkt aus Köln-Bonn erheblich billiger als von Düsseldorf aus.

Aber zumindest am Flughafen war alles soweit entspannt! Kein Streik, keine sonstigen Verzögerungen. Nur unser Kind streikte und weigerte sich, den Aufzug in die zweite Etage des Terminals zu nehmen. Also nahm sie die Treppen und wir mit den Koffern den Aufzug. Doch leider fuhr der Glasaufzug an der Zwischenetage, an der unsere Tochter stand, vorbei. Statt – wie hundertfach gepredigt – einfach dort stehen zu bleiben wo sie war und auf uns zu warten, bekam sie Panik und suchte rund um die Aufzüge nach uns, sodass wir das Kind natürlich auch nicht dort vorfanden, wo wir sie zuletzt gesehen hatten. Diese Lektion hat sie (hoffentlich) gelernt. Denn tränenüberströmt gab es auch noch eine Standpauke hinterher.

Von einem entspannten Start war bei mir nicht mehr viel übrig. Dazu trug auch das Wimmern meiner Tochter bei, das erst am Check-In Schalter verstummte, nachdem wir in einer ruhigen Minute noch einmal über die Situation gesprochen hatten. Der Puls flachte bei allen Personen wieder ab und wir analysierten den tatsächlichen Grund der schlechten Laune: Hunger! Also ging es direkt nach der Kofferaufgabe zu Burger King, was dazu führte, dass die Laune analog zum Gewicht anstieg.

Als Anky dann auch ihr traditionelles „Lustiges Taschenbuch“ als Glücksbringer im Flughafenshop gekauft hatte und in den Händen hielt, startete der Flug mit rund 20 Minuten Verspätung bei regnerischem Wetter.

Rund vier Stunden später landeten wir bei schönstem Wetter und rund 20 Grad auf Gran Canaria. Während die Schlange am Schalter der Vermietungsfirma Cicar rund 50 Meter lang war und ich die Wartezeit auf zwei Stunden schätzte, standen an dem daneben liegenden Schalter von TopCar lediglich drei Personen… und da mussten wir hin. Da die Familie vor uns kein Englisch sprach, durften wir sogar noch vor und konnten mit der englischsprachigen Mitarbeiterin unser Anliegen klären. Kreditkarte und Führerschein gezückt, 5 Minuten später hielten wir den Schlüssel unseres bereits in Deutschland reservierten Hybridautos Hyundai Bayon in den Händen. Für 13 Tage zahlten wir rund 270 Euro und konnten sogar noch die eingesparten Transferkosten vom Flughafen von rund 40 Euro pro Strecke abziehen, wenn wir uns die Kosten schönrechnen wollten. Würde einen täglichen Mietpreis von 14,50 € zzgl. einer Tankfüllung bedeuten. Ein guter Preis, oder?

Durch das Unwetter in der Woche vor unserer Ankunft wurde der große Karnevalsumzug verschoben und fand genau heute statt. Das bedeutete, dass die Autobahnausfahrten rund um Playa del Inglés gesperrt waren und unsere Bungalowanlage nicht angesteuert werden konnte.

Vorbei an Polizeisperren und über einen Umweg über verschiedenste Straßen erreichten wir zumindest den Kreisverkehr am anderen Ende der Anlage „Holycan“, an dem ich Frau und Kind mit Koffern rausschmeißen konnte. Rund 15 Minuten später fand ich dann auch einen Parkplatz in 1,6 Kilometer Entfernung und schlängelte mich zu Fuß durch Tausende von Besuchern bis zum Zielort.

Als ich eintraf, saßen alle vorgereisten Urlauber sowie Frau und Tochter bereits am Tisch und ließen sich von Oma Spaghetti Bolognese servieren. Mit dabei auch die Familienfreunde Uwe und Petra, die in diesem Jahr in einem benachbarten Bungalow untergebracht waren. Gegessen, gekniffelt und abends was zusammen getrunken wurde aber meist in der „Casa de Schindler“.

Die Stimmung des Karnevals hatte mich erfasst, sodass ich nach dem Essen noch auf die Straße vor unserer Anlage ging und einen kleinen Teil der insgesamt 108 Karnevalswagen sowie Tausende – meist junge Spanier*innen – beobachtete, die tanzend, singend und angetrunken an mir vorbeizogen. Die Stimmung hatte eher was vom Karneval in Rio, entsprechend sexy waren die meisten der Outfits, egal ob männlich oder weiblich.

Laute, meist elektronische Musik schallte von den Wagen und die Stimmung war super! Aber erst jetzt, wo ich zum ersten Mal einen Teil des Umzuges selbst erleben konnte, hatte ich mich kurz geärgert, dass wir nicht schon einen Tag früher angereist waren.

Die Party ging noch weiter, während ich bereits im Bett lag. Und trotz der lauten Musik und der Partystimmung rund um die Bungalowanlage konnten alle gut schlafen. Und dass meine Schwiegermutter ab 3 Uhr nachts im Bungalow rumrödelte, hat mit der Lautstärke des Umzuges rein gar nichts zu tun.

Sonntag, 29.03.
Was für ein toller Morgen, was für ein grandioses Wetter. Während Opa sein eigenes Schlafzimmer besaß, hatte unsere Tochter am Vorabend entschieden, von Beginn an bis zum Ende des Urlaubs bei Oma ins Zimmer zu ziehen. Das bedeutete, dass wir Eltern ein Zimmer für uns hatten, und das mit eigenem Badezimmer. Traumhaft.

Da Oma spätestens um 4 Uhr morgens wach war und das Kind zwischen 7 Uhr und 8 Uhr mit dem „ersten“ Frühstück versorgte, bevor beide zum Supermarkt gingen, schälten wir anderen uns zwischen 9 und 10 Uhr aus den Betten.

Bedeutete für uns Eltern: Das Kind war angezogen, gekämmt und fertig für den Tag. Die vollständige Entmündigung elterlicher Pflichten sowie die Aberkennung aller Erziehungsfähigkeiten hatte zwar seine schönen Seiten, ging aber mit dem Ignorieren von uns Eltern festgelegten Regeln einher, sodass alle mühsam anerzogenen und für uns wichtigen Absprachen für die 14 Tage ausgesetzt waren und dem Kind mit Start des Schulbeginns nach den Ferien voraussichtlich unter Tränen und Wutanfällen wieder „angelernt“ werden müssen. Und so saß das Kind am frühen Morgen bereits mit Süßigkeiten im Mund und einer Milch oder einem Kakao in ihrem Bett und schaute Kindersendungen auf ihrem Tablet.

Aufgrund dieser Tatsache und dem in vielen Familien häufig vorkommenden Vorurteil, dass ihre Kinder die Enkel ja sowieso nicht richtig erziehen können, beugten wir uns diesem Zustand mehr oder weniger freiwillig und überließen der Patriarchin den Rest der Entscheidungen… bis auf einige wenige Ausnahmen. Schließlich ging dies doch mit der maximalen Freiheit für uns Eltern einher, die man nur in dieser Kombination eines Familienurlaubs haben kann.

Die neu gewonnene Freiheit feierten meine Frau und ich wild knutschend und neu verliebt auf der Terrassenliege, was mein Schwiegervater mit einem lautstarken „MEEEEHHRRRR“ aus seinem Badezimmerfenster kommentierte, welches sich zum Vorgarten öffnen ließ und somit idealer Standort für seinen Beobachtungsdrang war. Fast wie das Schlafzimmerfenster zuhause, das ebenfalls dazu diente, das Treiben in der Nachbarschaft zu beobachten. Also alles fast wie zuhause.

Der Mietwagen, der mir für Ausflüge und Erkundungen der Insel dienen sollte, war für meine Schwiegermutter fest für die Fahrten zu Aldi oder Lidl eingeplant, um alle drei Tage einen Großeinkauf zu absolvieren, und für meinen Schwiegervater, um ihn abends zu den Restaurants zu fahren, die weiter als 200 Meter Luftlinie entfernt waren. Um diese Zeitfenster herum durfte ich selbst über die Verwendung des Fahrzeuges bestimmen, was organisatorische Skills voraussetzt, wenn man den ein oder anderen Tagesausflug planen will.

Und heute war es soweit. Der langersehnte Großeinkaufstag der vorgereisten und nicht von den Schulferien abhängigen Urlauber stand endlich an. Familienfreundin Petra, die von unserer Tochter in der Vergangenheit immer „die Frau“ genannt wurde, erhielt von ihr endlich einen Namen: „Maria“. Wir hatten aufgegeben, ihr den richtigen Namen zu vermitteln, und beließen es bei der Erkenntnis, dass Namen nicht so ihr Ding sind, sie aber ansonsten ein recht aufgewecktes und fröhliches Kind ist. Und Petra kam auch damit klar.

Nach dem Einkauf platzte der Kühlschrank aus allen Nähten und wir hatten uns alle eine kleine Abkühlung verdient. Insbesondere Anky und ich, die aufgrund eines defekten Aufzuges einen Einkaufswagen aus dem Untergeschoss durch den engen Treppenaufgang in den Supermarkt hieven mussten, da dort keine anderen Wagen mehr zur Verfügung standen.

Oma, Opa, meine Frau, unsere Tochter und ich sprangen gemeinsam in den frisch renovierten Pool, der durch Verringerung der Wassertiefe mit rund 12 Grad Wassertemperatur etwas wärmer war als in den Vorjahren. Und trotzdem hat es einige Minuten gedauert, bis ich mich mit dem ganzen Körper ins Wasser getraut hatte, während unsere Tochter schon eine „Arschbombe“ nach der anderen im Pool platzierte.

Am Abend ging es mit der ganzen Family ins Stammlokal La Gustera, „der Spanier“. Das Essen ist gut, mehr aber auch nicht. Dafür ist das Personal, das aus China und Japan stammt, absolut freundlich und zuvorkommend. Ein weiterer Grund für unsere häufigen Besuche: Das Restaurant ist für alle von uns fußläufig erreichbar und punktet mit der Nähe zum Yumbo Einkaufszentrum, um im Anschluss noch etwas trinken gehen zu können.

Und genau das machten Anky und ich nach dem Essen. Das Kind wurde von Oma wie immer frühzeitig in den Bungalow geführt, mit Medien und Eis gefüttert, während wir Eltern das frühe Nachtleben genießen konnten.

Bei unserer Ankunft startete die letzte Parade des kanarischen Karnevals, um traditionell die Sardine zu beerdigen. Also begleiteten wir die bunte „Trauergemeinde“ ein Stück, bevor wir im Pirates Platz nahmen, um ein paar Drinks zu uns zu nehmen und einer echt guten Sängerin zuzuhören, die sich am Mikrofon der Karaoke-Show in der benachbarten „Rickys Karaoke Bar“ versuchte. Soviel sei gesagt: Nach ihr traute sich nur noch das hauseigene Travestie-Personal ans Mikrofon.

Im Anschluss ging es zur Shopping Mall Cita, um wie jedes Jahr Gudrun und Michael in der Rockbar Melodies einen Besuch abzustatten und um durch die Clubs der Kelleretage zu schleichen.
Montag, 30.03.
Der Morgen begann mit einem militärischen Befehlston. Oma Ute beauftragte ihre Tochter, den Müll und Dosen zu entsorgen. Obwohl meine Frau seit ihrer Kindheit rund um die Anlage Parque Cristobal und Holycan quasi aufgewachsen ist, wurde ihr unsere Tochter als Navigatorin überlassen, die lautstark verkündete, sie wüsste, wo sich die Müllbehälter befinden. Da das Handy meiner Frau bei uns im Bungalow lag, wurde Oma nervös, Opa sammelte gedanklich schon ein paar „böse“ Sprüche und ich lag entspannt auf der Couch. War es doch wie immer, wenn es darum ging, die Orientierung außerhalb eines in sich abgeschlossenen Raumes zu behalten.

Den verlorenen Töchtern war bewusst, was sie nach ihrer Rückkehr erwartete: Eine Mutter und Oma, die sie erleichtert in den Arm nahm und ihnen eine Speisenauswahl anbot, die selbst tagelang verschollene Ausreißer nicht erwarten würden; ein Vater und Opa, der das Verirren in der Bungalowanlage ausgiebig kommentierte und die genetische Übereinstimmung des Nachwuchses infrage stellte; und ein emotionsloser Vater und Ehemann, für den diese Situation nicht mehr als normaler Alltag war. All dies war Anlass dafür, dass die Familie genug Stoff hatte, sich bereits am Frühstückstisch zu kebbeln und zu foppen.

Am frühen Mittag stiegen wir in den Bus, um zum Strand von Maspalomas zu fahren und ein paar Stunden am Meer zu verbringen. Dort waren die Spuren des Unwetters der vergangenen Woche noch zu sehen. Der Strandabschnitt vor einem Teil der Strandcafés war mit Felsen vor dem Meer geschützt, sodass die kleine Bucht am Leuchtturm nicht mehr vorhanden ist und sich der Strandabschnitt zum Liegen vor den Cafés etwas verkleinert bzw. verschoben hat.

Es war voll. Denn auch die kanarischen Kids hatten noch ein paar Tage frei und so tummelten sich neben den Touristen auch viele Einheimische am Strand. Nachdem ich in der prallen Sonne die Luftmatratze von Josefine aufgepustet hatte, war schnell klar: Mein Einsatz war umsonst. Das Ding verlor Luft und war nicht zu gebrauchen. Also ging es direkt zum Strandshop, um einen Schwimmreifen zu kaufen, der bereits prall mit Luft gefüllt und damit einsatzbereit für uns bereitstand.

Nach einem Sprung ins Meer und nach dem Aufwärmen auf dem Badehandtuch gab es ein Eis für Josefine und (alkoholfreies) Bier für die Eltern. So kann man den Mittag genießen.

Am Abend stiefelten die Damen schon ein paar Minuten früher los, um in den üblichen China-Shops einzukaufen, bevor wir uns dann alle im Restaurante Chino China Sol trafen und in üblicher lautstarker Stimmung die an diesem Abend wenigen anderen Gäste auf uns aufmerksam machten. Ruhe von den verbalen Auseinandersetzungen und Foppereien tritt üblicherweise erst zum Zeitpunkt ein, wenn das servierte Essen gekaut wird.

Wie üblich entführte Oma das Kind schon früh nach Hause, sodass die Anzahl der restlichen Personen in den Mietwagen passte, mit dem Opa Rudi und ich die rund 1,5 Kilometer angereist waren und der somit auch für die Rückfahrt bereitstand.
Dienstag, 31.03.
Guten Morgen. Weil mit dem Einzug des Kindes bei Oma auch die elterlichen Erziehungsvorsätze über Bord geworfen wurden, fand ich meine Tochter auf ihrem Bett liegend mit Teller und Tablet vor der Nase vor. Aber bitte… wenigstens richtig hinsetzen, damit das Essen nicht im Halse stecken bleibt.

Es war diesig, als Oma und ich in den Mietwagen stiegen, um im nahegelegenen LIDL den Wocheneinkauf zu tätigen. Vor allem Wasser musste her, denn alleine meine Schwiegermutter verdrückt an schlechten Tagen 4 Liter Wasser. Und um hier auf Nummer sicher zu gehen, wurden gleich zwei verschiedene Wassermarken eingekauft, sodass der Oma-Vorrat gut erkennbar war und möglichst von anderen unangetastet blieb.

Zwar wurde für die gesamte Familie eingekauft, aber doch bestand der Einkaufswagen zu 90 Prozent aus Dingen, die der Enkelin zugutekommen sollten: Zutaten für Pfannkuchen, Fertigkuchen, Eis usw. Lediglich bei einer Sache konnte ich mich bei meiner Schwiegermutter durchsetzen, nämlich auf den Verzicht weiterer Zutaten, um unserer Tochter den Fertigkuchen mit Glasur noch mit einer zusätzlichen Glasur zu servieren und damit den Zuckeranteil mehr als zu verdoppeln.
Meine Frau verwandelt sich nach einigen Tagen im Urlaub regelmäßig in Mrs. Pimple Popper alias Sandra Lee. Ereilt von einem dermatologischen Wahn möchte sie alles ausdrücken, was sich auf menschlicher Haut befindet. Am liebsten auf der Haut ihres Vaters, dem innerlich die imaginäre Hand ausrutscht. Keine Ahnung, was heute los war. Ich erzählte von meiner geplanten Besteigung des Teide auf Teneriffa, meine Schwiegermutter konterte mit einer Geschichte, in der sie aus irgendeiner Gondel gesprungen sei, während der Wäscheständer draußen vom Wind und die Wurst im Wohnzimmer durch Körperkraft durch die Gegend flogen.

Und klar, dann war da noch Opa Rudi, der trumpistische Vorwürfe gegen seine Familie erhob und ihnen vorwarf, zu wenig gegessen zu haben, sodass seine bevorzugte Restmenge eines halben Brotes nicht zur Verfügung stand und er sich auch nicht in der Lage sah, einfach ein ganzes Baguette zu teilen, da ja kein scharfes Brotmesser in greifbarer Nähe sei. Mit einem Fluch holte Oma das scharfe Messer aus der Besteckschublade mit dem Ergebnis, dass Opa nun doch sein Hungergefühl befriedigen konnte. Die Diskussion bis zu diesem Ergebnis hatte aber zur Folge, dass wir anderen uns bereits vom Tisch entfernt hatten und Rudi allein essen musste.
Noch nicht ganz den Bissen Wurstbaguette runtergeschluckt, stolperte Oma Ute nach ihrer Zigarettenpause ins Wohnzimmer und meckerte ihren Mann an, dass die Aufschnittdose noch immer auf dem Tisch stehe und die Wurst nun schlecht werden würde. Noch kauend wurde die Dose in den Kühlschrank gestellt. Dank der Patronin des gepökelten Glücks und ihrer Lyoner-Liebe konnte der Aufschnitt wohl vor dem Hitzetod bewahrt werden.
Hey, waren wir nicht gerade erst vom Einkaufen zurückgekommen? Noch immer entsetzt über den Wurst-Wärmeinfarkt drohte Ute ihrem Mann den Entzug ihres morgendlichen Frühstücksservices an und stürmte, trotz gerade erst erledigten Einkaufs, aus der Bungalowanlage in Richtung DINO-Lebensmittelmarkt. Ich erkannte in diesem Moment den Beweis der Vererbung einer neurobiologischen Entwicklungsstörung, die mit Impulsivität und Hyperaktivität einhergeht.

Petra, Ute und Josefine gingen ihren Einkaufsgelüsten auf Shoppingtour im Yumbo Centrum nach. Parallel dazu chauffierte ich meine Frau zu einem speziellen Supermarkt – auf der erfolgreichen Suche nach einem speziellen Shampoo, das ihre Freundinnen zuhause als Mitbringsel erwarteten.

Als wir alle von unseren Einkaufstouren zurück waren, schnappte ich mir meine Tochter und wir machten uns trotz bewölktem Himmel auf zum Pool, den Josefine und ich aufgrund der fehlenden Sonnenstrahlen dann auch für uns alleine hatten.

Am Abend teilten sich die Familien auf. Wir blieben mit unserer Tochter zuhause, schnabulierten die von Oma vorbereiteten Spaghetti Bolognese und schauten einen Kinderfilm im Fernsehen. Der restliche Trupp spazierte zum Restaurant Shortys.

Stopp: Wofür haben wir schließlich einen Mietwagen vor der Tür stehen? Opa Rudi sparte sich den Fußweg und nahm mein Angebot, sich fahren zu lassen, gerne an.
Mittwoch, 01.04.
Happy Birthday liebes „Schwiegermuttchen“ zum runden Geburtstag! Ein Morgen der Eskalation. Zuerst entbrannte ein Streit um das Eierkochen. Und weil kochendes Wasser nicht schon heiß genug ist, trat meine Frau in Szene. Während sich mir beim Anblick meiner Frau im ledernen Netzkleid das Herz erwärmte, stieg in ihrem Vater nach und nach die Hitze in den Kopf. Ihm war nicht klar, dass wir uns einen Spaß erlaubten und auch Oma Ute eingeweiht war.

Entsetzt über das Outfit stockte ihm erst der Atem, gefolgt von Fragen und finalisiert von Sticheleien und „Drohungen“, sich in dem Outfit nicht mit seiner Tochter auf der Straße sehen zu lassen :-). Erst nachdem das „Theater“ aufgelöst wurde, wich die Röte aus seinem Gesicht. Fotos vom Outfit können wir hier nicht veröffentlichen… hierzu müsst ihr uns persönlich kennenlernen ;).

Am frühen Vormittag stiegen wir in unseren Mietwagen und fuhren zum wohl besten Familienstrand auf Gran Canaria: nämlich dem Strand von Amadores. Für 15 € kauften wir uns eine Wäscheklammer. Klingt komisch, ist aber so.

Die Wäscheklammer am Sonnenschirm ist das Zeichen für die „Kassierer“, dass Liege und Sonnenstuhl bereits bezahlt sind. Sprich, man kann sich einfach eine Liege aussuchen, diese belegen und irgendwann kommt jemand Nettes und verlangt die Tagesgebühr. Ob es reichen würde, eine eigene Wäscheklammer anzuklemmen und zu hoffen, die Liege würde als bereits bezahlt anerkannt werden… wir haben und würden es nicht ausprobieren.

Mit einem guten Blick auf den seichten Einstieg ins Wasser können wir das mittlerweile gut schwimmende Kind auch alleine zum Wasser lassen, ohne selbst die Zehen ins kalte Wasser stecken zu müssen. Und sollte wirklich mal was sein, ist man schnell genug vor Ort, sofern man nicht durch Musik aus dem Kopfhörer oder Handygedaddel abgelenkt ist.

Zum Mittagessen gab es im Blue Beach Restaurant leckere Burger und Schnitzel mit Pommes!
Zurück vom Strand ging es für unsere Tochter erst einmal schnurstracks unter die Dusche, um die zentimeterdicke Schicht aus Sand und Meersalz von der Haut zu spülen. Das nahm meine Frau direkt zum Anlass, um ihr „mit voller Wucht“ ein rohes Ei auf dem Kopf zu zerschlagen. Ich hatte so eine Szene schon einmal miterlebt, damals allerdings noch mit großem Drama, lautem Gebrüll und Heulerei. Heute lachte das Kind aus vollem Halse und freute sich ein Loch in den Bauch. Schließlich sollte das glibberige Innere des Eis angeblich der ultimativen Haarpflege dienen. Außerdem hatte Josefine heute sowieso ihre fünf Minuten, wollte unbedingt nach Strich und Faden veräppelt werden und verlangte regelrecht nach so einem Quatsch.

Den Abend verbrachten wir dann ganz entspannt zusammen mit dem Geburtstagskind im Bungalow. Wir aßen gemütlich zu Hause, genossen das Geburtstagsabendessen und ließen den Tag genau so ausklingen, wie es sich für einen runden Ehrentag im Familienkreis gehört… u. a. mit Frotzeleien.
Donnerstag, 02.04.
Der nächste Morgen startete mit einer echten Sensation, bei der uns allen kurz die Kaffeetasse in der Hand einfror. Was war da los? Opa Rudi öffnete die Dose mit dem Aufschnitt und war vollkommen perplex, dass tatsächlich noch so viel Schinken übrig war. „Schatz, alles richtig gemacht“, tönte es plötzlich ungewohnt sanft über den Frühstückstisch in Richtung Oma Ute. Ute wurde vor lauter Verblüffung schlagartig rot im Gesicht, zuckte fast zusammen und wusste gar nicht, wie ihr geschah, denn solche Schmeicheleien gehören bei uns nun wirklich nicht zum Standardprogramm. Aber Entwarnung für alle, die schon an eine wundersame Wesensveränderung glaubten: Wie es sich für ein standesgemäßes Frühstück bei den Schindlers gehört, war die andächtige Harmonie nach exakt fünf Minuten wieder Geschichte und die gewohnten Nörgeleien und Foppereien nahmen ihren gewohnten Lauf.

Parallel dazu fiel mir siedend heiß auf, dass ich das wohl wichtigste technische Überlebensutensil im heimatlichen Ruhrpott vergessen hatte: Das Ladekabel für die Toniebox unserer Tochter war nirgendwo aufzufinden. Eltern wissen sofort, welcher mentale Notstand droht, wenn abends im Bett die gewohnte Geräuschkulisse ausbleibt. Also schwang ich mich am Vormittag auf die Jagd nach einem passenden Ersatzstecker. Ganze drei Läden durfte ich bei bestem Wetter abklappern, bis ich im dritten Geschäft endlich fündig wurde. In der Zwischenzeit sprangen die Mädels in den Pool hatten definitiv mehr Spaß als ich.

Besonders, als ich den Preis hörte. Schlappe 38 Euro wollten die Herrschaften für das bisschen Plastik und Kupferdraht haben, und das war schon das mit Abstand günstigste Angebot. Echter Wucher, bei dem einem kurz schwindelig wird. Aber was willste machen – Urlaub gerettet, Nerven geschont und die Tochter konnte abends selig mit ihren Tonie-Figuren in den Schlaf gleiten.
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An diesem Abend wagten wir als geschlossene Reisegruppe ein echtes Experiment. Statt wie gewohnt die bewährten Stammhütten anzusteuern, ließ sich die Meute breitschlagen, zur Abwechslung bei einem neuen Italiener aufzuschlagen. Wer unsere Truppe kennt, weiß ganz genau, was für ein gewagtes Manöver das war, denn jede Abweichung vom festen Speiseplan birgt normalerweise akutes Meckerpotenzial. Doch das Wagnis zahlte sich voll aus. Das Essen kam richtig gut an und die Hütte hat sich glatt für die kommenden Urlaube auf unserer Liste verewigt.

Damit fiel auch der Startschuss für unseren zweiten offiziellen Elternabend. Das Kind war bestens versorgt, also zogen meine Frau und ich direkt weiter ins Yumbo Einkaufszentrum. Wir ergatterten Plätze mit perfekter Aussicht, tranken ein paar Bier und schauten dem bunten Volk auf der Flaniermeile beim Schaulaufen zu. Ein Schauspiel, das hier einfach nie langweilig wird.

Wenig später wechselten wir das Revier und machten rüber in die Cita. Unser Ziel war wie immer unsere Rockbar Melodies bei Michael und Gudrun. Gitarrist Jimmy, der jetzt unter dem Namen Kuba die Saiten zupfte, gab dort ein kleines Konzert. Auch Wolfgang war wieder am Start, den wir schon im letzten Jahr kennengelernt hatten. Natürlich quatschten wir uns sofort fest, auch wenn er erst eine Sekunde auf der Leitung stand und sich nicht mehr ganz an uns erinnern konnte. Für viele Servicekräfte auf der Insel neigt sich die Saison langsam dem Ende zu. Wolfgang schiebt normalerweise Dienst in einem Restaurant, genießt jetzt aber erst mal fünf Wochen Urlaub hier auf Gran Canaria, bevor es bis September zurück nach Deutschland geht.

Im Melodies ereilte mich dann ein amtliches Déjà-vu. Nach etwa acht Bier schaltete meine Frau unvermittelt in den Stimmungsmodus und fing an, den Song „Angels“ lautstark mitzuschmettern. Ein echter Glücksfall, dass es sich um das vorletzte Lied des Auftritts handelte. So konnte der Gig bei den Leuten in guter Erinnerung bleiben und das Trommelfell der übrigen Gäste trug keinen bleibenden Schaden durch Ankys Gesangseinlage davon. 😉

Zum Abschluss bogen wir noch kurz ins Secret ab. Allerdings machten wir schnell wieder kehrt. Die dröhnende Discomucke und das schrille Bling-Bling waren nach zwei Stunden ehrlicher Rockbeschallung absolut nichts mehr für unsere Gehörgänge. Also machten wir den Abflug und fuhren zurück ins Feriendomizil.
Freitag, 03.04
Obwohl der Abend rückblickend gar nicht mal so lang ging, steckte uns die Nachtaktion doch ganz schön in den Knochen. Man wird ja nicht jünger und dieses regelmäßige Ausgehen sind wir im normalen Familienalltag schlichtweg nicht mehr gewohnt. Entsprechend mühselig und wie in Zeitlupe schälten sich unsere müden Knochen am nächsten Morgen aus den Kissen. Draußen scharrte die Meute natürlich schon ungeduldig mit den Hufen. Unsere Tochter stand bereits parat, Oma und Opa hatten die Tassen vermutlich schon auf Betriebstemperatur gebracht und der gesamte Clan wartete eigentlich nur noch auf die beiden Schlafmützen, damit endlich das Frühstück auf den Tisch wandern konnte.

Nachdem das Frühstück verputzt war, packten wir unsere sieben Sachen, schwangen uns ins Mietauto und machten uns auf den Weg Richtung Puerto Rico. Ziel der Mission war zunächst ein freier Parkplatz, was sich allerdings als echter Härtetest für die Geduld herausstellte. Der Hafenparkplatz war bis auf die letzte Lücke dicht, sodass uns nichts anderes übrig blieb, als einmal komplett um und durch das Örtchen herumzukurven und das Auto schließlich auf der anderen Seite abzustellen.

Unser eigentliches Ziel war die Fähre nach Mogán. Diesen Ausflug hatte ich im letzten Jahr schon mit unserer Tochter gemacht und wir beide wollten der Mama diese Tour unbedingt einmal zeigen. Vor allem, weil das Ganze mit einem Glasbodenboot über die Bühne geht. Für schlappe 32 Euro Hin- und Rückfahrt für uns drei Personen war das Ticket im Sack, da kann man nun wirklich nicht meckern.

Kaum hatten wir die Planken des Schiffes betreten, war Josefine auch schon im Kontaktmodus. Ohne jede Scheu ging sie schnurstracks auf ein kleines spanisches Mädchen zu. Mit Händen und Füßen erklärte sie ihrer neuen Komplizin, wo sich der versteckte Eingang zum Glasboden im Untergeschoss befindet. Unten angekommen hingen die beiden Mädels gemeinsam an den Scheiben und hielten hochkonzentriert, aber erfolglos Ausschau nach bunten Fischen. Um Punkt 12:30 Uhr ertönte das Signal und die gemütliche Überfahrt nach Mogán ging los.

Ach du Scheiße, was war denn hier los? Unser Schiff legte am Hafen von Mogán an und schon beim Blick auf den Kai traf mich fast der Schlag. Da stand bereits eine gigantische Menschenschlange, die alle zurück aufs Boot wollten. Es waren so viele Leute, dass die Hälfte überhaupt nicht mehr auf den Kahn passte und zähneknirschend auf das nächste Boot warten musste.

Da fiel es mir wieder wie Schuppen von den Haaren: Ich hatte völlig verdrängt, dass freitags in Mogán immer der riesige Wochenmarkt stattfindet. Die Gassen waren dermaßen verstopft, dass an ein entspanntes Schlendern überhaupt nicht zu denken war. Nach einem kurzen Slalom durch die Menschenmassen brachen wir das Unternehmen Altstadt zügig ab und flüchteten in Richtung Strand.

Dort sah es allerdings kaum besser aus. Wir versuchten irgendwie, zwischen den gefühlt zehntausend Sonnenschirmen, Liegen und Handtüchern noch einen Quadratmeter freien Sand zu ergattern. Schließlich quetschten wir uns ganz am äußersten Rand in die letzte Lücke. Hauptsache, Josefine konnte wenigstens noch eine Runde mit ihrem prall aufgeblasenen Schwimmreifen und der Taucherbrille ins kühle Nass springen, während wir Eltern uns wie die Ölsardinen dazwischenfädelten.

Bevor es dann mit dem Schiff wieder zurückging, bogen wir noch schnell in eine ruhigere Seitenstraße ab. Abseits des großen Trubels ergatterten wir an einem kleinen Laden tatsächlich noch einen der letzten freien Tische draußen. Eine Portion Burger und Pommes zum Mittagessen musste einfach sein, um die Nerven zu beruhigen und die Energiespeicher wieder aufzufüllen, bevor das nächste Boot auf uns wartete.

Puerto de Mogán ist wirklich eine Perle von einem Ort und wenn es nicht gerade dermaßen voll ist, würde ich das Städtchen auch jedem blind empfehlen. Für uns hieß es nach der Rückkehr mit der Fähre in Puerto Rico aber erst einmal wieder ab ins Mietauto und Kurs zurück auf den heimischen Bungalow nehmen.

Josefine war von der knallenden Hitze, dem Salzwasser und der ständigen Schwimmerei auf dem Rückweg so dermaßen platt, dass ihr auf der Rückbank sofort die Augen zufielen und sie die komplette Fahrt tief und fest geratzt hat. Wer jetzt allerdings dachte, das Kind wäre für den restlichen Tag erledigt, kennt unsere Tochter schlecht. Kaum hatten wir die Bungalowanlage erreicht und einen kleinen Snack zwischen die Kiemen geschoben, waren die Lebensgeister auf wundersame Weise komplett zurückgekehrt.

Mit neuer Energie bequatschte sie kurzerhand Opa Rudi, bis der sich breitschlagen ließ, mit ihr in den eiskalten Pool zu hüpfen. Während der Großvater vermutlich noch innerlich nach Luft schnappte, stand das Kind schon wieder unter Volldampf und übte vom Beckenrand aus unermüdlich die hohe Kunst des Kunstspringens, gekrönt von einer Serie perfekt platzierter Arschbomben.

Am Abend versammelte sich dann die gesamte Mannschaft wieder und wir steuerten geschlossen unser Stammrestaurant La Gustera an. Man kennt uns dort mittlerweile und das Personal merkte unserer Tochter die schwere Müdigkeit nach der ganzen Schwimmerei sofort an.

Entsprechend fürstlich wurde Josefine von den Mitarbeitern umsorgt. Sie bekam sogar noch extra Decken an den Tisch gebracht, um sich auf ihrem Stuhl ein richtig gemütliches Nest zu bauen und sich einzukuscheln. Lange hielt sie es trotzdem nicht aus. Kaum war die letzte Gabel gegessen, trat der bewährte Fluchtplan in Kraft: Oma Ute schnappte sich die Enkelin und verließ mit ihr wie fast immer frühzeitig das Lokal in Richtung Bungalow, während wir anderen noch sitzen blieben und in Ruhe austranken.
Anky und ich verabschiedeten uns nach dem Essen im Restaurant noch für einen kurzen Abstecher in die Cita Shopping Mall, um die Hot Garage zu erkunden. Und wer jetzt wissen will, was sich hinter diesem klangvollen Namen verbirgt, der sollte am besten mal ganz unschuldig die Kombination *Hot Garage Yumbo* googeln. Ausführliche Schilderungen unserer nächtlichen Weiterbildung erspare ich euch an dieser Stelle lieber, aber sagen wir mal so: Das Kopfkino darf gern auf Hochtouren laufen.
Freitag, 04.04.
Der nächste Tag war die absolute Definition eines Gammeltages. Abgesehen von der morgendlichen Pflichtaufgabe, den Müll im Schutze der Dämmerung zu den großen Containern am anderen Ende der Bungalowanlage zu bugsieren, passierte im Grunde überhaupt nichts Weltbewegendes mehr.

Selbst der Himmel zeigte sich passend zum Gemütszustand eher bewölkt und schob eine dichte Wolkendecke vor die kanarische Sonne. Große Ausflüge standen sowieso nicht auf dem Zettel, also beschränkte sich unsere sportliche Betätigung auf die kürzest mögliche Distanz: Wir schlurften vom Bungalowgarten die paar Meter rüber zum Becken und verlegten die horizontale Position von der Gartenliege einfach direkt aufs Badetuch vor den Pool.

Man muss schließlich auch mal die hohe Kunst des Nichtstuns zelebrieren und das Urlaubskontingent an Faulheit voll ausschöpfen. Liegen, dösen, ab und zu ein träger Blick aufs Wasser und ansonsten den lieben Gott einen guten Mann sein lassen – genau so muss ein Ruhetag im Familienurlaub manchmal einfach aussehen.

Am frühen Abend machten Anky und ich uns auf den Weg zum Horse Riding El Salobre. Das war so ein Herzenswunsch meiner Frau: sich noch einmal mit einer Gruppe auf den Rücken der Pferde zu schwingen und über die staubigen, steinigen Pisten rund um El Salobre zu traben.

Vor Ort lernten wir einen jungen Kerl aus Großbritannien kennen, dessen Reiseplanung man einfach nur feiern konnte. Der Typ hatte vier Tage frei und wusste nichts Besseres mit seiner Zeit anzufangen, als sich spontan in den nächsten Flieger nach Gran Canaria zu setzen. Als er am selben Morgen am Flughafen ankam, daddelte er ein bisschen auf seinem Smartphone rum, um zu schauen, was man hier heute so anstellen könnte. Prompt stieß er auf die Reittour, buchte das Ding und stand wenig später vor uns. Er war direkt mit dem Taxi vom Airport zur Ranch gedüst. Ganz ehrlich, solche herrlich verpeilten Spontanaktionen erinnerten mich dann doch ein wenig an mich selbst.

Vor dem Ritt wurde die Truppe erst einmal knallhart aussortiert: Auf der einen Seite die Anfänger, auf der anderen die Sattelfesten, die auf dem holprigen Untergrund richtig galoppieren können und wissen, wie man so ein Tier im Zaum hält. Anky landete natürlich direkt in der Fortgeschrittenengruppe und durfte ordentlich Gas geben. Die Gäule trugen übrigens so klangvolle Namen wie Spaghetti oder Carbonara, nur das Reittier meiner Frau tanzte aus der Reihe und hörte auf den Namen Nano.

Und was macht der Ehemann in der Zwischenzeit? Ich habe mich ganz gepflegt in den Schatten verdrückt, mich ins Auto gehockt und mir über Magenta Sport auf dem Handy die volle Dröhnung Fußball reingezogen. An diesem Abend kickte nämlich Rot-Weiss Essen, und da gibt es im Hause Schindler nun mal feste Prioritäten. Nur der RWE.
Zurück vom Ausflug zu den Pferden knurrte nicht nur den Reitern der Magen. Auch wer wie ich einfach nur faul im Schatten herumgelümmelt und Fußball geschaut hatte, schob plötzlich gewaltigen Kohldampf. Da gab es natürlich wieder nur eine logische Konsequenz für den Abend, und so ging es mal wieder urgemütlich und typisch kanarisch zu, nämlich im Planet Bayern.

Wenn schon Spanien, dann bitte mit voller Breitseite Heimatküche. Es wurde aufgetischt… Schnitzel, Cordon Bleu, Pommes, Spätzle. Guten Appetit.
P.S. Schatz, bitte lösch das Foto… ne, mach ich nicht 😉
Sonntag, 05.04.
Happy Birthday, kleine Maus! Mitten in der Nacht schlichen wir uns noch leise durch den Bungalow und verwandelten die Bude in ein kleines Festzelt. Schließlich stand ein ganz besonderes Jubiläum ins Haus… unsere Tochter feierte heute ihren achten Geburtstag.

Kaum waren am Morgen die Augen auf, ging die große Bescherung auch schon los. Oma Ute hatte natürlich vorgesorgt und einen Teil der Geschenke heimlich im Reisekoffer mit nach Gran Canaria geschmuggelt, damit der Ehrentag auch fernab der Heimat anständig zelebriert werden konnte.

Das anschließende Geburtstagsfrühstück konnte süßer und zuckriger kaum ausfallen. Zur Krönung des Ganzen wurde der obligatorische Fertigkuchen feierlich aus der Verpackung befreit, stilecht mit der Geburtstagskerze garniert und unter großem Hallo serviert. Ein Einstand nach Maß für die frischgebackene Achtjährige, bei dem sämtliche elterlichen Ernährungsregeln wie gewohnt erst einmal gepflegt Pause hatten.

Den wichtigsten Geburtstagswunsch unserer Tochter konnten wir ihr natürlich erfüllen, nämlich alle zusammen zum Pool zu gehen und ins kalte Wasser zu springen. Mein Glück, das Schwimmen und Springen machten müde und die Mädels wollte am Mittag noch etwas chillen und sich „pflegen“… für mich die Chance aus dem „Käfig“ auszubrechen.

Deshalb drehte ich ein paar Schritte durch Playa del Ingles und machte mich auf den Weg Richtung Strand. Ich hatte kein wirkliches Ziel vor Augen. Beine vertreten, Musik hören Sonne genießen und einfach rum gucken.

Am Nachmittag ging es dann auf zu Rudi ins Kölsche Eck. Der Wirt heißt rein zufällig genauso wie mein Schwiegervater, was die Sache schon mal grundsympathisch macht. An diesem Tag stand ein echtes Traditionsduell auf dem Bildschirm, denn die Geißböcke traten gegen die Diva vom Main an. Bei solchen Partien herrscht in dem Laden immer Ausnahmezustand, denn Wirt Rudi ist ein kölsche Jung durch und durch und absoluter FC-Fan, der die Hütte zusammen mit seiner Frau Julia mit Herzblut schmeißt.

Als Anky schließlich zu uns ins Kölsche Eck nachkam und Wirtin Julia gut gelaunt fragte, wie es ihr denn gehe, kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Wenn du deinen Vater mitnimmst, besser“, konterte Julia herrlich trocken. Das saß und sorgte am Tresen natürlich sofort für den ersten lauten Brüller der Runde. Genau diese direkte Art lieben wir an dem Schuppen, denn da weißte direkt, woran du bist.

Und genauso kurios ging es an diesem Abend nahtlos weiter. Wir wechselten lediglich die Location um 100 Meter und kehrten direkt nebenan beim chinesischen Restaurant ein. Die typischen Sprüche und verbalen Querschläger machten natürlich auch vor gebratenen Nudeln nicht halt.
Später saßen wir alle wieder gemütlich im Bungalow beisammen. Josefine durfte am späten Abend feierlich ihr kleines Geburtstagstörtchen mit der stolzen Acht verputzen, nachdem sie die Kerze mit einem kräftigen Puster ausgeblasen hatte. Danach verschwand das Geburtstagskind glücklich ins Reich der Träume.
Der Rest der Bande hockte noch bis spät in die Dunkelheit auf der Terrasse. Zusammen mit Uwe und Petra zischten wir ein paar kühle Bierchen und quatschten uns fest. Fragt mich bitte nicht, in welchem verqueren Zusammenhang diese Sätze überhaupt gefallen sind, aber irgendwann philosophierte meine Schwiegermutter über ein Erlebnis im Lokal und haute völlig trocken raus, sie habe immer trockene Finger, da schmiere gar nichts. Noch bevor wir diesen logischen Tiefschlag verdauen konnten, setzte Petra noch einen obendrauf. Mit ernster Miene philosophierte sie in die Runde, dass sie so „Schokoladinger“ mit Loch in der Mitte gekauft hätte, und fachte damit eine Diskussion an, bei der sie zuletzt einsehen musste, dass der Fachbegriff „Torus Socolaticus“ / Schoko-Donut hieß.
Montag, 06.04.
Heute stand mal wieder ein Ausflug auf dem Zettel und Familienfreundin Petra ließ sich dann doch dreimal bitten, mich zu begleiten. Am frühen Vormittag schwangen wir uns ins Auto und machten uns von Playa del Inglés aus auf die Socken. Unser Weg führte uns über die gut ausgebaute Küstenstraße, vorbei an der Inselhauptstadt Las Palmas und immer weiter gen Norden bis zu unserem ersten Zwischenstopp im kleinen Küstenort El Pagador.

Direkt an der Straße fanden wir eine Parkmöglichkeit, stiegen aus und vertraten uns erst einmal ausgiebig die Beine. Von der Kaimauer aus hatten wir einen erstklassigen Blick auf den Atlantik und schauten fasziniert den Wellenreitern zu, die sich mutig in die Brandung warfen. Das Wetter hier oben im Norden tickte heute allerdings komplett anders als im sonnenverwöhnten Süden.

Während man in Playa del Inglés bei strahlendem Sonnenschein schwitzt, wehte uns hier am Morgen eine ordentlich steife und frische Brise um die Nase. Die Surfer feierten die Bedingungen natürlich komplett ab, weil der Wind für ordentlich Wellen sorgte.

In den letzten Jahren habe ich auf Gran Canaria wirklich etliche Kilometer mit dem Mietwagen abgerissen und dachte eigentlich, ich hätte jede Ecke der Insel schon mindestens einmal gesehen. Aber wie das immer so ist, gibt es selbst nach zahllosen Urlauben immer noch diesen einen weißen Fleck auf der eigenen Landkarte. Bis ganz rauf an die nordwestlichste Spitze zum Faro de Sardina hatte ich es bisher nämlich tatsächlich noch nie geschafft.

Als Petra und ich dort oben ankamen, meinte es der kanarische Wettergott wieder mal richtig gut mit uns. Pünktlich zu unserer Ankunft riss die dichte Wolkendecke auf, die Sonne knallte wieder vom Himmel und lieferte uns die perfekte Kulisse für einen ausgiebigen Fotostop.

Der Faro de Punta Sardina thront da oben im Gemeindegebiet von Gáldar auf einem schroffen Felsplateau, weit ab vom typischen Pauschaltourismus des Südens. Der rot-weiß geringelte Leuchtturm, der dort heute steht, ist rund vierundzwanzig Meter hoch und ging Mitte der Achtzigerjahre in Betrieb, nachdem das alte Steingebäude aus dem neunzehnten Jahrhundert ausgedient hatte. Rein kommt man in den Turm zwar nicht, aber das eigentliche Spektakel spielt sich sowieso drumherum ab.

Wir nutzten die Sonnenstrahlen für einen kleinen Spaziergang. Die Brandung donnert hier mit einer unbändigen Wucht gegen die Steilküste. Ein absolut rauer, ehrlicher Ort, an dem man sich den Atlantikwind so richtig um die Nase wehen lassen kann, und der perfekte Beweis dafür, dass sich Abstecher abseits der gewohnten Routen immer wieder lohnen.

Nach dem Ausflug an die raue Nordspitze meldeten sich bei uns beiden so langsam die Lebensgeister in Form von mächtigem Kohldampf und einer gehörigen Portion Durst. Also planten wir spontan einen Zwischenstopp im malerischen Agaete ein.

Die Anfahrt entwickelte sich allerdings schneller als gedacht zu einer kleinen Zerreißprobe für das Nervenkostüm. Ich hatte mich in dem engen Gassengewirr komplett in einer Straße vertan und steuerte plötzlich sehenden Auges durch eine Einbahnstraße kerzengerade auf den Zubringer zur Autofähre zu, die in wenigen Minuten nach Teneriffa übersetzen sollte. Petra sah uns im Geiste wahrscheinlich schon ohne Koffer und Familie auf die Nachbarinsel schippern.
Zum Glück bemerkte ich es noch rechtzeitig und konnte unmittelbar vor den Toren des eigentlichen Fährgeländes einen beherzten U-Turn hinlegen. Statt auf hoher See landeten wir schließlich wohlbehalten vor dem örtlichen Supermarkt. Wir deckten uns erst einmal mit ein paar Snacks, Wasser und der obligatorischen Dose alkoholfreiem Bier ein, um den Schreck herunterzuspülen und den Blutzuckerspiegel wieder auf Betriebstemperatur zu bringen.
Von Agaete aus bogen wir auf die GC 200 ab, eine absolute Traumstrecke und für mich eine der schönsten Panoramastraßen, die man auf den Kanaren unter die Räder nehmen kann. Den berühmten Mirador del Balcón ließen wir heute ganz bewusst links liegen, weil wir die spektakuläre Aussichtskanzel schon von früheren Touren kannten und uns das Gedränge sparen wollten.

Stattdessen kurbelten wir uns ganz entspannt durch die Kurven und machten unseren nächsten Fotostopp erst oben in der Nähe von Los Canales. Von der Straße aus hat man einen fantastischen Weitblick über die tief eingeschnittenen, kargen Täler und die schroffen Bergflanken, die sich Richtung Küste hinabziehen.

Petra und ich stiegen kurz aus, genossen die herrliche Ruhe abseits des üblichen Touristentrubels und knipsten ein paar Bilder von dieser gewaltigen Bergkulisse, bevor es mit dem Mietwagen weiter über den Asphalt ging.

Die GC 200 zog sich weiter in engen Serpentinen an den Hängen entlang. Ein Traum für jeden, der gerne am Steuer sitzt, aber auf dem Beifahrersitz muss man bei diesem ständigen Geschaukel und Gekurve verdammt gut aufpassen, dass der Mageninhalt an Ort und Stelle bleibt.

Vorbei an urigen kleinen Bergdörfern erreichten wir schließlich die Höhe von Los Almácigos. Da hatten wir von der Straße aus schon das Restaurant Las Cañadas ins Auge gefasst und beschlossen ganz spontan, den Blinker zu setzen und den Wagen abzustellen.

Was für ein Volltreffer für eine Pause. Von der Terrasse aus hat man einen grandiosen Weitblick über die Bergwelt und die weiten Täler. Das Lokal selbst versprüht diesen herrlich unverfälschten, traditionellen kanarischen Charme, aber nicht ganz ohne diesen typischen Touristenkitsch. Dazu gehört ein kleiner, liebevoll bepflanzter Garten mit unzähligen bunten Blumen und einem kleinen Gehege, in dem ein paar Schildkröten gemütlich lagen.

Wir bestellten uns einen kleinen Snack und kühle Getränke und genossen es einfach, im schattigen Plätzchen durchzuschnaufen. Die Sonne hatte schließlich schon den ganzen Vormittag gnadenlos auf das Autodach geballert, sodass diese kurze Auszeit im Schatten genau zur richtigen Zeit kam.

Nach mehr als fünf Stunden Kurvenkratzerei quer über die Insel rollten Petra und ich am späten Nachmittag endlich wieder an unserem Bungalow vor. Die Knochen waren ordentlich durchgeschüttelt, sodass wir uns erst einmal für ein Stündchen langmachten und die Ruhe genossen.

Lange währte unsere Ruhe allerdings nicht, denn der Magen knurrte und die Meute forderte ihr Recht. Am frühen Abend versammelte sich die komplette Reisegruppe aus zwei Bungalows und steuerte geschlossen unser bewährtes Stammlokal La Gustera an.

Wer jetzt die üblichen verbalen Tiefschläge oder die ganz große Eskalation am Tisch erwartete, wurde heute enttäuscht. Der Abend blieb erstaunlich zahm und gesittet, fast schon verdächtig harmonisch. Kaum war die letzte Gabel poliert, ging es zurück zur Homebase. Josefine schaute noch etwas auf ihr Tablet, während wir Erwachsenen den lauen kanarischen Abend auf der Terrasse ausklingen ließen. Mit ein paar kühlen Getränken in der Hand dauerte es natürlich nicht lange, bis wie in jedem Jahr die Kamellen von Duffe ausgepackt wurden.
Duffe, das war dieser sagenumwobene Pferdehof, auf den Anky früher als Kind regelmäßig mit ihrem Vater gepilgert ist. Sobald dieses Thema einmal auf den Tisch kommt, gibt es bei Rudi und meiner Frau kein Halten mehr. Aus dem Nichts ploppen die Storys und Kindheitserinnerungen auf, die mit jedem weiteren Bier noch ein kleines Stückchen abenteuerlicher werden.
Dienstag, 07.04.
Während wir anderen uns am nächsten Morgen noch gepflegt in den Kissen wälzten und von der kanarischen Sonne träumten, waren die beiden Frühaufsteherinnen des Hauses längst wieder auf Achse. Oma Ute und Josefine marschierten zielsicher zum Lidl und luden den Einkaufswagen voll.

Nach dem Frühstück ging der Konsumrausch nahtlos in die nächste Runde: Wir steuerten einen dieser typischen Asia-Klamotten-Läden an. Während meine Frau nebenan in einem Geschäft stöberte, sichtete ich mit meiner Schwiegermutter die Textilabteilung. Ich hatte eine schicke Shorts entdeckt und wollte sie Anky drüben schnell zeigen. Vollkommen fokussiert marschierte ich mit der Hose in der Hand Richtung Ausgang. Völlig verdrängt hatte ich allerdings die dort postierte elektronische Diebstahlsicherung. Kaum passierte ich die Schwelle, schrillte der Alarm mit einem ohrenbetäubenden Gejaule durch die ganze Bude.

Da stehst du nun als mutmaßlicher Ladendieb. Zum Glück blieben die spanischen Handschellen im Halfter. Die Angestellten und meine Schwiegermutter schmunzelten nur über diese Träumerei. Ute übernahm gewohnt resolut das Kommando, regelte die Lage und holte Anky kurzerhand einfach zu uns in den Laden rüber, damit ich die Buchse ganz legal präsentieren konnte. Einer Anzeige wegen Ladendiebstahl bin ich somit entgangen.
Am späten Nachmittag kehrte dann wieder die gewohnte Urlaubsruhe ein. Wir ließen die Seele baumeln und machten keinen Finger mehr krumm als unbedingt nötig. Josefine nutzte die Gunst der Stunde, requirierte Familienfreundin Petra, um sie mit in den Pool zu schleppen und ihr dort ihre neuesten Sprungkreationen vorzuführen.
Petra hatte ihren Dienst am Beckenrand bravourös abgeleistet und brauchte erst einmal eine wohlverdiente Verschnaufpause. Das rief umgehend die nächste Schicht auf den Plan, denn Josefine dachte natürlich gar nicht daran, das kühle Nass freiwillig zu verlassen. Also wurde kurzerhand Uwe zwangsverpflichtet, die Rolle des Bademeisters zu übernehmen, sich ins Wasser zu werfen und die unermüdliche Wasserratte bei Laune zu halten.

Anky und ich witterten sofort unsere Chance und ergriffen die Flucht nach vorn. Wir schwangen uns in den Mietwagen und düsten runter nach Playa del Inglés. An der Strandbar ergatterten wir ein sonniges Plätzchen, bestellten uns einen kleinen Snack und zischten ein kühles Bierchen.

Bevor es wieder zurück zur Familie ging, kehrten wir auf einen schnellen Absacker noch kurz im Blauen Engel ein, um das bunte Treiben zu beobachten.

Heute Abend stand wieder Fußball auf dem Zettel, denn Rot-Weiss Essen trat gegen Schweinfurt an. Bei solchen Terminen gibt es bei mir im Urlaub keine zwei Meinungen. Natürlich war von vornherein glasklar, dass ich an diesem Abend keinen Fuß in irgendein Restaurant setzen würde, sondern mir die Partie ganz in Ruhe über mein Tablet reinziehen wollte.

Der Rest der Familie zeigte sich aber vollkommen solidarisch und zog kurzerhand nach. Statt Ausgehabend schmiss Schwiegermutter den Herd an, brutzelte eine ordentliche Fuhre Currywurst in der Pfanne und schob dazu reichlich Pommes in den Ofen. Das Kind war mit dieser Menüauswahl natürlich wunschlos glücklich.
Und auch ich hätte kaum zufriedener sein können. Das Essen passte perfekt zum Anlass. Am Ende stand ein astreiner 1:3-Auswärtssieg auf der Anzeigetafel. Perfekter Fußballabend, zufriedenes Kind und drei Punkte im Gepäck.

Anky und ich hatten an diesem Abend wieder etwas Elternzeit für uns herausgeschlagen. Das Kind war bei den Großeltern bestens geparkt, also schwangen wir uns ins Auto und machten uns auf den Weg in Richtung Cita.
Heute Abend stand ein eher spezieller Programmpunkt auf dem Zettel, denn wir wollten zur Hellfire Rock Party. Das Ganze stieg im Swingerclub Temptation im Untergeschoss der Cita. Wer die Cita kennt, weiß ganz genau, dass die Bude über die Jahre etwas gelitten hat und was viele der Locations angeht schon ziemlich auf dem absteigenden Ast unterwegs ist. Umso erstaunter waren wir, wie voll der Betonklotz an diesem Abend plötzlich war. Des Rätsels Lösung hatte allerdings wenig mit dem Standardprogramm zu tun, sondern lag am König Fußball: Bayern spielte gegen Real Madrid und die Partie flimmerte gefühlt auf jedem einzelnen Bildschirm der unzähligen Kneipen, sodass die Hütte gut gefüllt war.Unten vor dem Temptation wurden wir direkt vom Veranstalter und seiner Frau in Empfang genommen. Die beiden organisieren diese Partys normalerweise in Deutschland und nutzen ihren eigenen Gran-Canaria-Urlaub einfach dazu, das Format auch hier auf der Insel steigen zu lassen. Eine echt sympathische Begrüßung, aber drinnen sah die Welt dann doch etwas ernüchternd aus.

Zugegebenermaßen war es zu Beginn verdammt leer. Zwar stand da ein wirklich fähiger Sologitarrist auf den Brettern und gab sein Bestes, aber die Stimmung wollte einfach nicht so recht vom Fleck kommen.

Wir wollten den Abend nicht verstreichen lassen, also verabschiedeten wir uns nach dem musikalischen Auftritt mit den besten Wünschen für die weitere Nacht, drehten dem Untergeschoss den Rücken zu und stiefelten die Treppen rauf zu Gudrun und Michael ins Melodies. Bei den beiden ist man eben immer an der richtigen Adresse für ehrlichen Rock und gute Gesellschaft. Wir bestellten uns ein paar gepflegte Absacker, quatschten uns fest und verbrachten den Rest unseres kinderfreien Abends genau so, wie wir es am liebsten haben. Beim Abschiedsfoto aus der Cita hatte mein Frau sich als Essenerin nun wahrlich unter die falsche Flagge gestellt. Meine Ausrede dafür… das Foto ist aus Liebe zu ihrem Vater entstanden ;).
Mittwoch, 08.04.

Am nächsten Tag ging es nach dem Frühstück schnurstracks zu unserem erklärten Lieblingsstrand, dem Playa de Amadores. Mit seinem flachen Einstieg ins Meer ist die Bucht einfach ideal für Kinder, inklusive eines kleinen schwimmenden Wasserparks für die etwas ältere Fraktion. Das Wetter zeigte sich leicht bewölkt, die Sonne schob sich immer mal wieder hinter die Wolken und sobald der kanarische Wind auffrischte, wurde es glatt ein wenig frisch auf dem Handtuch.

Das störte unsere Tochter natürlich überhaupt nicht, denn ihr Aktionsradius verlagerte sich sowieso im Minutentakt zwischen Brandung und Flaniermeile. Nach gefühlt zehn Minuten kannte Josefine bereits ausnahmslos jeden Kellner der umliegenden Strandbars. Ausgerüstet mit ihrem eigenen Taschengeld startete sie eine ausgedehnte Einkaufstour, um völlig selbstständig Nachschub für sich oder kalte Getränke und Eis für Mama und Papa heranzuschaffen. Natürlich kaufte sie niemals alles auf einmal, sondern jede Position einzeln, um möglichst oft ganz allein und stolz wie Bolle losmarschieren zu dürfen.

Zum ersten Mal wagte sie sich heute auch mit ihrer neuen Taucherbrille ins Wasser. Am kleinen Riff gab es tatsächlich bunte Fische und quirlige Krebse zu entdecken, und sie hatte einen Heidenspaß daran, als Meeresforscherin im Meer zu schnorcheln.

Nach einiger Zeit kippte die Stimmung am Strand allerdings merklich. Bei den Nachbarn lieferten sich die Teenager ein handfestes Drama, und auch bei meinen Damen setzte die gefürchtete Eigendynamik ein: Hunger, Pipi, kalt – so sind Mädchen halt. Um die drohende Eskalation im Keim zu ersticken, packten wir die Klamotten zusammen und steuerten zielgerichtet das Strandrestaurant Amura an.

Der Laden glänzte bei TripAdvisor mit satten 4,9 von 5 Sternen, was mich für eine klassische Strandpromenadenbude ehrlich gesagt erst einmal skeptisch gestimmt hatte. Umso größer war die Überraschung, denn das Essen war wirklich richtig gut. Wir bestellten uns mit Käse überbackenes Brot, Burger, Pommes und einen Eisbecher mit Erdbeeren samt riesigem Berg Schlagsahne. Was soll ich sagen: Der Blutzuckerspiegel kletterte nach oben, die Gesichter hellten auf und nach dem Festmahl hatten wir uns alle gleich noch ein ganzes Stück lieber, als wir uns ohnehin schon haben. Statt der Autobahn schlengelten wir uns über die Küstenstraße zurück nach Playa del Ingles, die Aussicht an vielen Stellen ist es allemal wert, die zähen Verkehr in den Touristendörfern in Kauf zu nehmen.

Kaum zu glauben, aber wahr: In diesem Urlaub entdeckten wir heute tatsächlich schon das zweite neue Restaurant, in dem wir vorher noch nie einen Fuß gesetzt hatten. Die Rede ist vom Greek Village. Wer unsere Reisegruppe kennt, weiß ganz genau, dass das an ein kleines Wunder grenzt. Normalerweise unterliegt die abendliche Nahrungsaufnahme der monatelang akribisch vorbereiteten Koordination meines Schwiegervaters Rudi, der schon am heimischen PC im Ruhrpott jede einzelne Speisekarte im Umkreis von fünf Kilometern auswendig gelernt hat und hier eisern den Takt vorgibt.

Eigentlich hatten Anky und ich den Plan geschmiedet, hier klammheimlich mal ganz alleine als Paar aufzuschlagen. Am Ende war es dann aber doch wieder super, dass kurzerhand die komplette Mannschaft mitgezogen ist. Da Rudis Bewegungsradius bekanntlich eng abgesteckt ist, übernahm ich zunächst den Shuttleservice. Mein Schwiegervater verfrachtete sich selbst in den Mietwagen und ließ sich vor dem Lokal absetzen. Während er schon mal strategisch günstig am Tisch Stellung bezog, düste mit dem Auto zurück zur Anlage und marschierte die Strecke anschließend zu Fuß zum Restaurant.
Wenig später trudelten auch meine Frau und Josefine ein. Nur von Oma Ute, Petra und Uwe fehlte jede Spur. Die drei Herrschaften hatten es tatsächlich geschafft, sich auf dem kurzen Weg komplett zu verfransen. Ihr könnt euch lebhaft vorstellen, welche Foppereien über den Tisch flogen, als die verschollenen Wanderer endlich am Tisch eintrafen. Nach dem verbalen Gewitter wurde es aber richtig gemütlich. Das Wetter spielte perfekt mit, wir konnten herrlich draußen sitzen und das Essen war schlichtweg gut! Nach der Völlerei griff wieder der bewährte Abreiseplan: Oma Ute schnappte sich das Kind und trat den Heimweg Richtung Bungalow an, während der Rest der Truppe lief bzw. ein Taxi nahm.

Während der Rest der Familie den Abend im blickdicht umzäunten Bungalowgarten verbrachte, ergriffen Anky und ich die Flucht nach vorn. Wir schwangen uns in den Mietwagen und düsten runter zum Faro de Maspalomas.

Gerade wenn sich der Tag dem Ende neigt, zeigt sich der Strand von Maspalomas von seiner Schokoladenseite. Zur goldenen Stunde herrscht an den Strandbars einfach ein genialer Vibe. Aus den Boxen wummert entspannte Loungemusik, oft legt ein DJ live auf und das Volk tanzt barfuß im Sand, während andere auf ausgebreiteten Decken sitzen und gemütlich ein paar kühle Drinks zischen. Genau so haben wir uns das auch vorgestellt. Wir suchten uns ein gemütliches Fleckchen, stießen auf den Urlaub an und schauten dem bunten Treiben zu.

Ganz ohne Zähneklappern ging es dann aber doch nicht über die Bühne. Kaum war die Sonne hinter den Hotelbauten verschwunden, zog die kühle Atlantikluft an und es wurde verdammt frisch am Wasser. Wir zogen die Jacken enger, tranken die Gläser aus und genossen trotzdem jede Sekunde. Ein absolut gelungener Abend zu zweit und genau die richtige Art, so einen Urlaubstag ganz entspannt ausklingen zu lassen.

Der Himmel über Maspalomas spannte sich wie eine schwarze Kuppel auf und zeigte sich von seiner allerbesten Seite – vollkommen sternenklar und einfach grandios anzusehen. Als wir uns unserem Bungalow näherten, brauchten wir nicht einmal um die Ecke biegen, um zu wissen, wer die Stellung hielt. Schon weit vor dem Gartenzaun drang uns das vertraute Gezeter entgegen. Schwiegereltern und Familienfreunde lieferten sich wieder den gewohnten verbalen Schlagabtausch, neckten sich ohne Gnade und warfen sich im Sekundentakt die Sprüche um die Ohren.

Es war im Grunde genau wie immer. In solchen Augenblicken wird einem wieder schlagartig klar, dass unsere Truppe kollektiv einen am Helm hat. Eigentlich wäre hier eine familientherapeutische Gruppensitzung unter professioneller Aufsicht dringend geboten, aber seien wir mal ehrlich: Diese Form der offenen Trinktherapie auf der Terrasse erledigt den Job bei uns ganz von allein.
Den Vogel schoss dann allerdings meine Frau ab. Mitten in die abendliche Ruhe erzählte Oma Ute, dass sie irgendwann in ihrem Leben auch mal First Class fliegen wolle. Meine Frau saß zeitgleich auf dem Lokus, hatte die Lauscher aufgesperrt und verstand durch das geöffnete Badezimmerfenster nur die Hälfte. Wie aus der Pistole geschossen schallte es aus der Keramikabteilung nach draußen: „Mama, wieso willst du denn bitte gegen ein Glas fliegen?“ Die Reaktionen waren herrlich und die Lacher hallten über die Bungalowanlage.
Donnerstag, 09.04.
Es war mal wieder Ausflugszeit. Der Mietwagen stand noch vor der Tür, und wer mich kennt, weiß genau, dass ich so ein Auto nicht einfach ungenutzt in der kanarischen Sonne verstauben lasse. Also fasste ich den Entschluss, noch einmal quer über die Insel zu kurven und den Pico de las Nieves anzusteuern, den mit satten 1949 Metern zweithöchsten Punkt Gran Canarias.

Mein Weg führte mich zunächst über die Autobahn und von dort aus weiter auf die GC 120 nach El Sequero. Das kleine Örtchen bot sich perfekt an, um die Karre kurz abzustellen, sich die Beine zu vertreten und die Kamera für einen ersten Fotostopp zu zücken. Bevor die eigentliche Kurverei in die Bergwelt startete, stolperte ich noch fix in den örtlichen Supermarkt, um die lebenswichtigen Vorräte aufzufüllen… Wasser und Süßigkeiten.

Die GC 120 schlängelte sich nach Sequeros weiter nach oben, vorbei an der kleinen Ortschaft El Roque, bis die Landschaft schlagartig ihr Gesicht veränderte. Plötzlich stand ich vor der Caldera de los Marteles.

Direkt an der Straße bot sich eine kleine Brücke ideal an, um den Mietwagen an den Rand zu stellen und die Aussicht auf sich wirken zu lassen. Was für ein Krater! Dieser ist durch heftige Explosionen entstanden, als aufsteigendes Magma vor Urzeiten auf Grundwasser traf und es die Erde buchstäblich zerrissen hat. Rund 500 Meter Durchmesser und über 80 Meter Tiefe gähnen da mitten in der Landschaft. Besonders kurios ist der Kraterboden, der erstaunlich flach daliegt und wegen der feuchten, nährstoffreichen Vulkanerde tatsächlich noch von örtlichen Bauern für den Anbau von Kartoffeln genutzt wird. Ein echter Kontrast zur sonst so kargen Felslandschaft.

Ich nutzte den Stopp, um mir nach der Fahrerei die Beine zu vertreten, und bog ein paar Meter in den angrenzenden Kiefernwald ab. Ein kurzer Rundumblick über die Hänge, noch ein paar tiefe Atemzüge frische Bergluft und dann ging es mit neuer Energie zurück ans Steuer, denn der eigentliche Gipfel wartete ja noch auf mich.

Ich erreichte den Gipfel des Pico de las Nieves und mir war bei einem Blick auf die feuchte Fahrbahn, die vorbeiziehenden Nebelschwaden und vor allem auf das Thermometer im Auto schlagartig klar, dass ich mit T-Shirt, kurzer Hose und Flip-Flops kleidungstechnisch vollkommen am Leben vorbeigelaufen war. Ganze 4 Grad zeigte die Anzeige mitten im kanarischen Frühling.

Trotzdem ließ ich mich nicht davon abbringen, ins Freie zu gehen. Es war schließlich das allererste Mal, dass ich diesen Gipfel bei überwiegend blauem Himmel und mit ein paar harmlosen Nebelfeldern erreichte. Ich stand sonst bei jedem früheren Anlauf mitten in dichten Wolken, bei Schnee oder strömendem Regen hier oben und hatte keine zehn Meter weit geblickt. Heute dagegen bot sich mir ein absolut grandioser Panoramablick über die gesamte Insel.

Dass der Rest der anwesenden Touristen mich anschaute wie ein Auto, als ich leicht bekleidet in meinen Flip-Flops über die schroffe, aber rutschige Felstreppe nach oben balancierte, um den perfekten Aussichtspunkt zu entern, war mir in dem Moment herzlich egal. Man muss die Feste eben feiern, wie sie fallen, und für so eine Aussicht friert man sich zur Not auch mal kurz den Allerwertesten ab.

Allzu lange hielt ich es bei den Temperaturen oben auf dem Gipfel dann allerdings doch nicht aus. Bevor mir die Zehen in den Flip-Flops endgültig abfroren, flüchtete ich dankbar zurück in den Wagen, drehte die Heizung auf Anschlag und kurbelte mich über die engen Serpentinenstraßen wieder bergab in Richtung Ayacata.

Mit jedem Meter abwärts kletterten die Gradzahlen auf dem Display wieder in einen erträglichen Bereich. Kurz vor Ayacata bot sich an der Straße dann noch die perfekte Gelegenheit, den Mietwagen noch einmal an den Rand zu stellen, denn von hier aus hatte man einen absolut genialen Blick auf das Wahrzeichen der Insel: den berühmten Roque Nublo.
Der Brocken ragt als gigantischer Basaltfelsen rund achtzig Meter senkrecht in die Höhe und thront auf über 1800 Metern über dem Meeresspiegel wie ein gigantischer Zeigefinger mitten in der Caldera de Tejeda. Früher war dieser markante Felszacken eine heilige Kultstätte der altkanarischen Ureinwohner, die dort oben ihren Göttern Opfer darbrachten. Wenn man so davorsteht und sieht, wie der Felsen majestätisch aus den Kiefernwäldern und der zerklüfteten Vulkanlandschaft heraussticht, versteht man sofort, warum dieser Ort für die Menschen damals etwas ganz Besonderes war.

Ich lehnte mich an die warme Motorhaube, genoss den Ausblick auf das Felsmassiv und war einfach nur froh, mir den Abstecher in die Berge trotz Frostbeulen an den Füßen gegönnt zu haben. Noch ein paar Fotos für die Daheimgebliebenen geschossen und dann rollte der Hyundai ganz entspannt weiter über die Straßen.

Mit dem Auto ging es dann weiter die GC 60 runter. Den berühmten Fotostopp am Mirador de Degollada de la Cruz Grande ließ ich allerdings ganz bewusst links liegen, weil ich an dieser Kante bisher wirklich auf jeder einzelnen Tour über die Insel gestoppt hatte. Ich kurvte mich also gemütlich weiter talwärts in Richtung San Bartolomé de Tirajana, genauer gesagt bis zum kleinen Dorf Barrio de Berera. Dort stellte ich den Wagen kurz an den Rand, stieg aus und zückte noch einmal die Kamera, um ein paar Eindrücke festzuhalten.

Überhaupt sollte man für diesen Streckenabschnitt echt ordentlich Zeit im Gepäck haben. Hinter fast jeder zweiten Kurve lauert ein kleiner Schotterplatz oder eine Bucht, an der man einfach anhalten und aussteigen muss, um den Blick über die Landschaft schweifen zu lassen.

Für mich ging es dann weiter Richtung Playa del Inglés. Die GC60 schraubt sich Kurve um Kurve durch das Tal der tausend Palmen, bis man plötzlich mitten in Fataga landet. Der Ort gilt völlig zu Recht als eines der schönsten Bergdörfer auf ganz Gran Canaria. Eingebettet in eine gigantische Schlucht, gesäumt von Palmenhainen, Schilf und kargen Felswänden, wirkt es etwas wie aus der Zeit gefallen.

Mein Magen knurrte mittlerweile. Nach den letzten Kurven hinab zur Küste öffnete sich die Landschaft wieder und um Punkt 14 Uhr stellte ich das Auto schließlich wohlbehalten am Bungalow ab. Pünktlich zur Mittagsruhe zurück an der Homebase, Mission Bergfahrt erfolgreich beendet.

Den Rest des Tages war bei mir kollektives Herunterfahren und hemmungsloses Faulenzen in der Bungalowanlage angesagt. Nach den vielen Kilometern auf dem Asphalt hatte ich mir das auch redlich verdient. Zuerst lag ich vollkommen entspannt mit dem Tablet im Bett und habe mich berieseln lassen. Als mir die Decke auf den Kopf fiel, bin ich mit dem Smartphone in der Hand rüber auf die Sonnenliege im Garten gewechselt. Weil aber selbst das Liegen auf der Liege irgendwann zu öde war, ging es im letzten Schritt (fast) ganz ohne Equipment direkt auf den Kunstrasen am Pool, um Josefine beim Planschen zuzusehen.

Am Abend machten wir uns auf zum letzten Abendmahl im Restaurant. Wie sollte es anders sein, ging es diesmal wieder zum bewährten Stamm-Chinesen. Bevor wir überhaupt die Speisekarte in den Händen hielten, stand natürlich wieder der Shuttleservice auf dem Plan. Ich spielte das Taxi für meinen Schwiegervater und kutschierte Opa Rudi die „kurze“ Strecke zum Lokal. Kaum hatte ich den Wagen abgestellt, passierte es: Rudi stieß mit Schwung die Beifahrertür auf und semmelte das Blech mit einem satten Klong vor den nächsten Laternenpfahl. Ausgerechnet am allerletzten Tag vor der Abgabe! Ich sah meine Kaution auf der Kreditkarte schon dauerhaft mit Minuszeichen auf dem digitalen Auszug. Doch der Mietwagengott hatte ein Einsehen mit uns. Ein genauer Blick auf die Tür verriet: nicht der kleinste Kratzer, keine Delle, nichts. Hyundai… chapeau!

Im Restaurant selbst hing der Haussegen allerdings etwas schief. Unsere Tochter war quengelig und nörgelte herum. Vielleicht steckte ihr aber auch einfach schon der drohende Abreisemodus in den Knochen, denn nach zwei Wochen voller Narrenfreiheit bei Oma fällt der Abschied vom Urlaubsleben eben schwer.
Zurück im Bungalow ging es dann an die ungeliebteste Disziplin jeder Reise: Wir stopften die Koffer voll, quetschten das ganze neu erworbene Plastikspielzeug irgendwie zwischen die Klamotten und feierten jeden Reißverschluss, der ohne Explosion zuging. Als endlich alles verstaut war und die Koffer aufgereiht im Flur standen, machten wir es uns noch ein letztes Mal auf der Terrasse gemütlich und zischten ein eiskaltes Bierchen.
Freitag, 10.04.
Guten Morgen Gran Canaria und auf Wiedersehen! Am Abreisetag ging alles ganz fix. Wir frühstückten noch eine Kleinigkeit im Bungalow, verabschiedeten uns von der versammelten Familie und ließen uns samt Koffern und Sack und Pack vor die Anlage zum Mietwagen eskortieren. Das Gepäck wanderte in den Kofferraum, wir schwangen uns auf die Sitze und rollten über die Autobahn GC 1 zielstrebig in Richtung Flughafen.

Kurz vor der Einfahrt ins Parkhaus zur Mietwagenrückgabe legten wir allerdings noch einen strategischen Boxenstopp ein. Ich musste schließlich noch ganz unauffällig mein Meisterwerk deutscher Ingenieurskunst entfernen. Bereits zu Urlaubsbeginn hatte ich den hinteren Scheinwerfer vorsorglich mit Klebeband fixiert, weil das Rücklicht locker war und klapperte und ich die Sorge hatte, das lose Glas könnte sich während der Fahrt verabschieden. Deshalb wollte ich dieses noch vor der Übergabe rückstandslos entfernen.

Der eigentliche Abgabeprozess beim Verleiher war wie immer unkompliziert und dauerte ungelogen keine 30 Sekunden. Kein Kontrollgang, kein Check auf Kratzer, kein gar nichts. Schlüssel über den Tresen geschoben, freundliches Kopfnicken kassiert und fertig. Allerdings dauerte es etwas, bis wir das richtige Büro gefunden hatten. Und man soll es kaum glauben: Wir saßen noch nicht einmal ganz im Flieger zurück nach Deutschland, da war die Kaution auf der Kreditkarte auch schon wieder freigegeben und gutgeschrieben. So lobe ich mir das.

Weil die Rückgabe so rasend schnell über die Bühne gegangen war, standen wir natürlich viel zu früh in der Abflughalle herum. Der Check-in-Schalter für die Kofferaufgabe öffnete erst eine Dreiviertelstunde später. Gelangweilt am Band herumstehen kam nicht infrage, also nutzten wir die Zwangspause ganz klassisch für ein zweites, ausgedehntes Flughafenfrühstück. Ein belegtes Baguette, ein Schokocroissant, zwei Kaffee und eine kleine Flasche stilles Wasser wanderten über den Tresen. Macht zusammen schlappe 32 Euro. Da schluckt selbst der spendable Ruhrpottler erst einmal kurz, aber hey: Das gehört zu den typischen Freuden an internationalen Drehkreuzen wohl einfach dazu. Hauptsache satt, Nerven geschont und der Rückflug Richtung Heimat kann kommen.
Der vierstündige Rückflug nach Hause verlief glücklicherweise absolut tiefenentspannt. Josefine hatte sich vor dem Abflug auf dem Flughafenspielplatz noch einmal wie gewohnt nach Herzenslust ausgetobt, sodass sie an Bord mit ihren Snacks und dem Tablet bestens beschäftigt und friedlich gestimmt war. Meine Frau hielt derweil zur Beruhigung der Nerven ihr obligatorisches Lustiges Taschenbuch fest in den Händen und vertiefte sich in die bunten Seiten.

Insofern verlief der gesamte Flug völlig entspannt. Nur eine kleine Szene kurz vor der Landung sorgte dafür, dass uns Eltern schlagartig die Kinnlade herunterklappte: Nämlich als sich unsere Tochter im Sinkflug ihren Gurt noch einmal ordentlich festzog und ganz trocken raushaute, sie müsse schnell noch mal nachgurten, weil es ja gut sein könne, dass wir gleich abstürzen.
Die umliegenden Passagiere vor und hinter uns hielten kurz die Luft an.

Angekommen in Köln ging es nach dem Empfang der Koffer auf direktem Weg ins Parkhaus, wo unser Auto die letzten zwei Wochen brav auf uns gewartet hatte. Der Wagen sprang erfreulicherweise sofort ohne Mucken an und wir fädelten uns auf die Autobahn von Köln in Richtung Essen ein.
Allerdings führte uns der Weg nicht sofort auf die heimische Couch, sondern erst einmal zu Freunden und Arbeitskollegen meiner Frau. Micha und seine Familie hatten in den vergangenen Tagen auf unseren Hund Jack aufgepasst. Die Wiedersehensfreude auf vier Pfoten war natürlich riesig, das Schwanzwedeln nahm gar kein Ende mehr und Jack war sichtlich froh, sein Rudel wieder komplett um sich zu haben. Ein paar herzliche Umarmungen, ein kurzer Plausch über die Erlebnisse und dann ging es mit Sack, Pack und Hund endlich nach Hause in die eigenen vier Wände.
Fazit:
Tatsächlich hatte ich in diesem Urlaub – wenn auch nur ein paar wenige – neue Ecken mit dem Mietwagen entdeckt und konnte den Urlaub damit als „erfolgreich“ absolviert abhaken. Aber auch abseits von Ausflügen und Inseltouren, war es ein insgesamt echt entspannter Urlaub. Für uns Eltern ist die steigernde Selbständigkeit der Tochter und natürlich die rundum Betreuung durch die Großeltern fast immer ein Segen, auch wenn wir erzieherisch nicht immer einig sind. Aber schließlich haben diese ja auch meine Frau „groß gekriegt“. Moment, an dieser Stelle sollte ich mir eigentlich sorgen machen. Ein Thema was wir bei unserem nächsten gemeinsamen Urlaub vielleicht mal aufarbeiten sollten. Nächster gemeinsamer Urlaub? Ich wette, Gran Canaria 2027. Schon wieder… aber ich freue mich. Auch wenn ich dann, um etwas wirklich neues zu erleben, mit dem Fallschirm aus dem Flugzeug über Playa del Ingles abspringen muss.