Falzeben, Italien

Vorwort:

Vier Jahre nach meinem letzten Besuch fuhr ich wieder nach Südtirol. Und wieder war das tolle familiengeführte Hotel Falzeben, das in 1600 Meter Höhe liegt, einem mit grandiosen Essen verwöhnt und eine tolle Ausstattung bietet, unser Ziel. Unsere Fahrt mit 14 Monate altem Kleinkind erfolgte in zwei Etappen, um den Stressfaktor so niedrig wie möglich zu halten, was nur teilweise gelang. Die Hotels in Südtirol gehören nicht zu den preisgünstigen, sind aber jeden Cent wert. Und Dank dem Geschenk meiner Eltern, uns in ihrem Appartement mit wohnen zu lassen, konnten wir diesen Urlaub überhaupt erst antreten.

Freitag, 14.06.

Früh aus den Federn. Um 6 Uhr wurde unsere Tochter geweckt. Unser Plan: Um 10 Uhr überkommt sie die Müdigkeit und wir können stressfrei nach Illertissen bei Ulm fahren und damit das erste Etappenziel erreichen. Und unser Plan ging auf. Kurz nach Abfahrt schlief unsere Tochter zwei Stunden, bis wir gegen 12 Uhr eine längere Pause machten.

Der zum Rastplatz gehörende Spielplatz war der ideale Platz, um uns ein wenig Bewegungsfreiheit zu verschaffen und die Gehversuche an der Hand von Mama powerten die Kleine so aus, dass sie kurz nach Weiterfahrt direkt das nächste Schläfchen einlegte. Zwei Stunden später und letzten 30 Minuten bis zu unserem Ziel, hatte sie dann kein Bock mehr im Kindersitz zu sitzen und so half nur die Ablenkung durch Mama.

Der Reiterhof Illertissen ist ein familiengeführtes Landgasthaus unweit der A7 und an diesem Tag gleich für mehrere Gäste auf dem Weg in den Süden ein guter Ort für einen nächtlichen Zwischenstopp gewesen. Der Reiterhof ist selbst nicht mehr aktiv, denn der ehemalige Pächter führt diesen nicht mehr weiter. Die Eigentümer kümmern sich altersbedingt nur noch um die Gäste. Und das ist schließlich genug Arbeit.

Wir erkundeten vor dem Abendessen noch die umliegende Gegend. Die Nacht war angenehm und dank mitgeführten Kinderbett, war der Schlaf unserer Tochter ruhig und friedlich. Vielleicht auch weil sie stolz davon träumte, wie sie heute erstmals zwei Meter alleine gelaufen war.

Samstag, 15.06.

Punkt 6 Uhr. Das Kind ist wach und wir machten uns fertig zum Frühstück. Für 8 Uhr war die Abfahrt geplant. „Haben sie irgendwas mit Ärzten zu tun“, fragt die Besitzerin meine erstaunt dreinblickende Ehefrau, die erst nach Sekunden schaltete. „Ach so, äh. Nein. Das auf meinem Shirt ist nur der Name einer Musikband“. Damit könnte die Hausherrin nichts anfangen. In Illertissen scheint diese unbedeutende Band aus Berlin bei der älteren Generation tatsächlich noch nie in Erscheinung getreten zu sein.

Ne, Sparfüchse sind wir nicht, aber landschaftlich ansprechender ist einfach die Maut- und Vignettenfreie Strecke über Reutte, Imst, Landeck, dem schweizerischen Grenzgebiet bei Nauders und vorbei am Reschensee bis Meran. Das es voll auf den Straßen war, merkten wir schnell. Aber auf der schweizerischen 27 kam dann alles ins Stocken. Mehr als eine Stunde Verzögerung durch eine Baustelle. Dazu kam noch, dass die schweizerischen Grenzer sporadische Kontrollen durchführten. Gott sei dank blieben wir vom ausräumen des mühsam gepackten Kofferraums verschont.

Eltern und Tochter waren gleichermaßen vom Stau genervt. Und gleichzeitig von den Autofahrern, die sich minutenlang nicht trauten, die Fahrradfahrer zu überholen, die sich die kurvigen Bergstraßen hochquälten. Ein Nachteil des E-Bike-Booms. Alle trauen sich jetzt plötzlich die Serpentinen hochzufahren und sorgen für schleppenden Verkehr. Hm, ist das Ökotourismus wenn ich als Fahrradfahrer „grün“ unterwegs bin, aber den motorisierten Verkehr zwinge den Treibstoff hinter ihm durch Stop and Go noch belastender rauszublasen. Naja.

Reschensee. Meine Eltern saßen bereits eine Weile im Café am Turm, als wir auf den Parkplatz fuhren. Endlich die Beine vertreten. Die Pause tat gut. Etwas trinken, eine Kleinigkeit essen und die Füße in den See halten. Für den Stausee wurden die Dorfbewohner Anfang der 1940er Jahre enteignet, die Häuser abgetragen und das Gelände geflutet. Nur die denkmalgeschützte Kirche blieb stehen und selbst bei Hochwasser ragt der Turm heraus und ist damit zum Touristenmagnet und Ausflugsziel geworden. Surfer und Kiter sieht man auf dem See und bei Niedrigwasser kann man auf dem künstlich angelegten Damm den Kirchturm umrunden.

Für die knapp 95 Kilometer benötigten wir mehr als zweieinhalb Stunden und mussten wegen lauter Nörgelei aus den hinteren Sitzen auch nochmal anhalten. Josefine hatte am zweiten Tag keinen Bock mehr auf Autofahren, wir unter diesen Umständen auch nicht. Dazu staute sich der Verkehr immer wieder, weil über Kilometer Traktoren und Mähdrescher den Verkehr verlangsamten und so kamen wir erst um kurz nach fünf am Hotel an. Mein Trost, die Strecke über den Brenner und Bozen muss auch nicht besser gewesen sein. Im Radio hörten wir immer wieder von 1 1/2 Stunden Wartezeit an der Mautstelle. Und das aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens auch keine Ausweichstrecken empfohlen werden konnten. Dann lieber den Weg den wir gewählt hatten und das gebührenfrei.

Das Hotel Falzeben liegt auf 1600 Meter Höhe, direkt an der Gondelstation Meran 2000. Nachdem wir die Koffer hochgebracht hatten, wurden wir von Walli und Moni herzlich begrüßt. Vier Jahre war es her, dass ich das letzte Mal hier war. In der Zwischenzeit wurde der Wellnessbereich erneuert, es gibt ein Spielzimmer mit Kinderbetreuung am Abend und ein Kinderschwimmbecken.

Das Gewitter in den Bergen zog am Hotel vorbei und so konnten wir den Abend mit Josefine noch auf dem Spielplatz genießen.

Sonntag, 16.06.

Strahlend blauer Himmel und kalte Bergluft begrüßten uns. Als wir uns um halb acht aus dem Bett schälten, waren die Großeltern schon ihre ersten Bahnen im hoteleigenen Pool drehen.

Punkt 8 Uhr ging es dann zum Frühstücksbüffet, dass keine Wünsche offen lässt. Also stießen die Damen, ausgenommen natürlich die Jüngste, mit einem Sekt auf den Urlaub an.

Dieser Tag sollte unsere Tochter gehören. Denn nach der langen Anreise hatte sie sich einen Spieltag verdient. Und der startete bei schönem Wetter auf Trampolin zum Toben. Schon am Vorabend hatte sie staunend die anderen Kinder darauf beobachtet. Auch wir Eltern ließen es uns nicht nehmen, altersgemäße Kunststücke zum Erstaunen unserer Tochter vorzuführen.

Während meine Eltern sich auf eine ursprünglich geplanten 4 Kilometer Wanderung nach St. Kathrein machten, widmete sich unserer Tochter dem Mittags- und wir unserem Schönheitschlaf. Am frühen Nachmittag testeten wir die Kinderkraxe und erkundeten die nahe Umgebung.

Im Anschluss stürmten wir dann das Schwimmbad und testeten das Babybecken. Josefine hatte Spaß und wir natürlich auch.

Der ausgiebige Spieletag war anstrengend und spannend zugleich. Und so legten wir von 17 bis 18 Uhr gleich noch eine Schlafrunde ein. Komisch. Kurz nach sechs und meine Eltern waren immer noch nicht da. Erst kurz vor Start des abendlichen „Dinners bei Kerzenschein“ trudelten sie völlig erschöpft ein. In St. Kathrein angekommen wollten sie noch weiter nach Meran, hatten aber den steilen Abstieg völlig unterschätzt und die rund 10 Kilometer Tour abgebrochen bzw. abbrechen müssen. Glücklicherweise trafen sie noch auf Touristen, die sie in ihrem Auto mit zur nächsten Busstation nahmen. Sie waren nämlich schon kurz davor mich anzurufen, um sie mit dem Auto abzuholen. Ok, wieder ein Grund mehr das Telefon nicht auf lautlos zu stellen.

Die Erschöpfung stand uns wohl allen ins Gesicht geschrieben und so war es schon vorhersehbar, das irgendetwas passieren musste. In diesem Fall hatte ich die Tageskarte beim Abendessen an eine Flasche in die Nähe einer Kerze gelehnt, die nur Minuten später vermutlich durch die Zugluft an die Flamme geriet und zu brennen begann. Die Erste, die dies entdeckte war meine Mutter, die statt eines Löschversuchs die Tageskarte griff, in die Höhe hielt und und entsetzt „STEFAAANNN“ rief. Alle sahen verdutzt erst mich an, danach meine Mutter, um ihr dann verständlich zu machen, dass ihr Aufruf und das Rumwedeln nicht dazu beitrugen, die kleinen Flammen zu löschen. Ein beherzter Eintauchen in den mit Wasser gefüllten Flaschenkühler half aber dann das lodernde Flämmchen zu löschen.

Der Qualm zog durch das Speisezimmer und manch Gast wird sich gefragt haben, in welchen Topf das verbrannte Essen versteckt war. Kurios war allerdings, dass man die Handzeichen meiner Mutter mit lodernder Speisekarte auch als spektakuläre Anmeldung zur morgen stattfindenden Fackelwanderung mit Hotelchefin Moni hätte werten können. Denn tatsächlich sollte man sich bis zum heutigen Abend bei ihr für eine Teilnahme melden. Unsere Beichte des Faux pas beim Personal wurde erleichtert aufgenommen. Diese waren nämlich schon auf Grund des Geruchs auf die Suche nach dem vermeintlichen Kabelbrand gegangen und konnten somit Entwarnung geben.

Den Abend ließen wir nach dem Essen im Appartement ausklingen.

Montag, 17.06.

Guten Morgen tierische Almbewohner. Meine Freude über die Rindviecher hielt sich in Grenzen, denn die Herde hielt sich in dieser Nacht direkt vor dem Hotel auf und das Glockenläuten begleitete meine Schlaflosigkeit.

Aber hey. Gute Laune, denn heute war Wandertag. Es war kein Lächeln, das ich dem Gesichtsausdruck meiner Frau entnahm. Und das obwohl wir Minuten zuvor für sie telefonisch noch einen Platz für einen Tagesausritt durch die Berge in der nächsten Woche reservieren konnten. Um sie überhaupt zum wandern zu bringen, erzählte ich ihr beim Frühstück, dass wir bepackt mit Kinderwagen, Kinderkraxe, Verpflegungsrucksack und natürlich aus Rücksicht und Liebe, die Gondel aufs Plateau nehmen werden und uns damit den Aufstieg ersparen.

Denn dort oben könne man fast eben die Hütten für eine Einkehr erreichen. Aber nur fast. Der Notlüge am ersten und zum Glück einzigen heftigeren Anstieg nach Ankunft an der Bergstation überführt, drohte meine Frau mir nicht mit dem mildesten Mittel aller ehelichen Gemeinheiten, der Scheidung, sondern mit allerhand fieser Attacken unserer hoffentlich bis zum Scheidungstod endenden Ehe. Sie hasste wandern. Und überhaupt, „was findet man so toll daran einen Weg hoch und dann wieder runter zu gehen“. Josefine hörte die Flüche ihrer Mutter glücklicherweise nicht, da sie in der Kraxe auf meinem Rücken eingeschlafen war.

Übrigens, für Berg- und Talfahrt zahlten wir dank Ermäßigung der Gästekarte nur 31 Euro, statt 34 Euro Normalpreis für zwei Erwachsene. Für Kleinkind und Kinderwagen wurde nichts berechnet, Ja, man kann den Weg natürlich auch von Beginn rauflaufen, aber nicht wir. Begründung s. Satz 6 ff. dieses Tagesberichts.

Auf dem Weg zur Waidmannalm betteten wir das Kind dann in den Kinderwagen um, da uns ihre Schlafposition in der Kraxe zu unbequem aussah. Aber an Weiterschlafen war nicht zu denken. Viel zu spannend waren die vorbeiziehenden Wandererinnen und Wanderer, nicht selten als Pärchen getarnt mit identischen Jack Wolfskin Outfit. Außerdem bot die Waidmannalm noch eine Schaukel und eine Slackline an. Ersteres musste mit Mama natürlich ausgiebig getestet werden.

Wir konnten relativ entspannt unser Getränk genießen, da unsere Tochter für ein paar Minuten mit Nachbars Pfiffi beschäftigt war. Nach unserer Rast entschieden wir uns nach einer kurzen Erkundung der Umgebung, parallel und unterhalb unseres Ankunftsweges wieder zurück zur Bergstation zu laufen. Die unbefestigten Wege schüttelten den Kinderwagen und damit auch Josefine wieder in den Schlaf. An der Bergstation brauchte meine Frau noch etwas Action, also rauf bzw. runter ging es mit der Bobbahn.

Zurück im Hotel bestellten wir uns erst einmal ein Schnitzel und eine Lasagne. Wir hatten Hunger bis unter beide Arme. Doch lange konnten wir es nicht auf der Hotelterrasse aushalten. Unser Kind quengelte und quengelte und es half nur noch ein „kurzer“ dreistündiger Nachmittagsschlaf bis 18 Uhr. Während meine Eltern den Wellnesstempel genossen, galt unsere Aufmerksamkeit unserer Tochter, die natürlich nicht lange beim Abendessen im Restaurant zu halten war, sondern momentan häufig lautstark und quengelig ihre Willen durchsetzen musste.

Fazit: Eltern und Großeltern wechselten sich ab, um das Kind im hoteleigenen Spielzimmer zu bespaßen, bevor es dann gegen 22 Uhr ins Bett ging. Und zwar alle.

Dienstag, 18.6.

Nach dem Frühstück nahmen wir den öffentlichen Bus nach Meran. Rund 45 Minuten ging es die Serpentinen entlang und durch den dichten Stadtverkehr. Noch nie saß ich in einem Bus dieser Linie und bin ohne Verspätung nach Meran bzw. von Meran gekommen. Motorschaden, Baustellen, Traktoren… so auch dieses Mal. Kurz nach Hafling Oberdorf stand der Bus mal wieder 15 Minuten auf Grund von Bauarbeiten still. Es war warm und der Druck auf den Ohren machte die Fahrt für unsere Tochter nicht gerade angenehm. Auch das lange stillsitzen war blöd und so war das Genörgel auch für uns anstrengend.

Endlich angekommen und den Kinderwagen aus dem Gepäckfach des Busses entladen ging es durch die Laubengasse. Die Meraner Laubengasse besteht aus zwei Häuserreihen mit Laubengängen, die von einer engen Passage getrennt werden. Die von Meinhard II., Graf von Tirol, im 13. Jh. erbauten Arkaden sind seit damals der Mittelpunkt des geschäftigen Treibens in der Stadt. Heute sind die Lauben mit ihren Boutiquen, Geschäften, Cafés und Restaurants eine der wichtigsten Einkaufsstraßen der Altstadt.

Direkt vor der Thermenbrücke am Fluss Passer konnte Josefine ein wenig auf dem Spielplatz spielen. Hier war es etwas angenehmer als in den engen Gassen, in denen sich die Hitze staute. Über 30 Grad war es warm und für die nächsten Tagen waren noch höhere Gradzahlen angesagt.

Wir entschieden uns entlang der Promenade an der Wandelhalle entlang zu spazieren, da die Bäume hier unten ein wenig Schatten spendeten. An den Wänden der um 1850 erbauten Halle haben Südtirols beste Künstler des 19. Jahrhunderts einzigartige Gemälde hinterlassen. Auf der andere Seite spazierten wir zurück bis zum Elisabeth-Park, in dem auch sei das Sissi-Denkmal zu sehen ist. Das Denkmal des wohl berühmtesten Gastes der Stadt steht im Grün der Sommerpromenade.

Seit 1870 war die österreichische Kaiserin mehrmals zu Gast in Meran und hat damit sehr zum Ansehen der Kurstadt und zu ihrem Bekanntheitsgrad beigetragen. Das Werk wurde im Jahr 1903 von Hermann Klotz aus Laaser Marmor errichtet. Josefine war kulturell nicht interessiert und in ihrem Kinderwagen eingeschlafen. Für uns die Chance gemütlich im Café Darling halt zu machen und eine Pause einzulegen.

Am Nachmittag nahmen wir den Bus nach Falzeben und wie konnte es anders sein, auch hier ging es nicht ohne Zwischenfall. Mitten im Kreisverkehr vor der Schennastrasse stand ein VW Transporter mit einer Panne, so dass unser Bus nicht herum kam. Die Verursacher versuchten vergeblich den Verkehr zu regeln, das klappte allerdings nicht. Nach ein paar Minuten entschieden mein Sitznachbar und ich auszusteigen und die beiden zu unterstützen. Und so konnten wir endlich die Autofahrer dazu bewegen, Platz zu machen, damit der den Kreisverkehr entgegengesetzt befahren werden konnte. Mit Beifall wurden wir dann auch im Bus wieder begrüßt und konnten die Fahrt fortsetzen. Diesmal hatte nicht nur Josefine mit dem Druckausgleich zu kämpfen, sondern auch noch ein anderer kleiner Gast. Ok. Die Fahrt werden wir mit ihr in diesem Urlaub wohl nicht noch einmal machen.

Zur Belohnung ging es dann auch mit Oma und Opa zusammen ins Hotelschwimmbad, um sich auszutoben. Und schwimmen macht müde. Nicht nur Josefine. Völlig erschöpft schwänzten Mutter und Tochter an diesem Abend das Dinner und fielen bereits um kurz nach sechs ins Bett.

Mittwoch, 19.6.

Die Wanderschuhe waren angeschnallt, der Rucksack gepackt. Erstmals nach meiner letzten Herzmuskelentzündung wollte ich mich wieder einer konditionellen Herausforderung stellen. Das Mindestziel, die Wanderung zur Kuhleitenhütte auf 2300 Meter. An der Bergstation wurden noch die Treckingstöcke angelegt, die Ohrenstöpsel eingesteckt, die Musikplaylist angespielt und los ging es.

Vom leichten Kuhleitenweg ging aus die „nur für geübte“ ausgezeichnete Strecke Richtung Ifinger. Zahlreiche Wanderer drehten nach kurzer Zeit wieder um und entscheiden sich für den längeren, aber nicht so steilen Aufstieg. Und auch ich brauchte mehrere Pausen auf dem Weg nach oben. Diese kann man dann aber auch gut nutzen, um die Aussicht zu genießen. Ganz verrückte joggen die Strecke hoch. Irre.

Am Ende angekommen entschied ich mich tatsächlich noch das steile Stück zum Kleinen Ifinger zu wandern. Angespornt von einem ca. 14 jährigen Mädchen und ihrem schätzungsweise rund 70 jährigen Opa, die als Einheimische den gleichen Weg scheinbar völlig unangestrengt meisterten und mich ermutigten, dass ich das letzte Stück auch noch schaffe.

Kurz hatte ich überlegt, ob ich mich einem geübten jungen Pärchen anschließe und über einen Klettersteig den Gipfel des Großen Ifingers in 2.581 Meter besteigen soll.

Aber mich verließ der Mut aus Angst die Kondition zu verlieren. Noch mehr Sorgen machte mir aber der Abstieg am Klettersteig, nachdem ich die Beiden vom Gipfel beobachtete.

Leider musste die junge Frau auf Grund einer Handverletzung aufgeben, denn auch sie bekam es mit ihrem Handicap, einer Fingerverletzung, dann doch wegen fehlender Griffkraft mit der Angst zu tun und drehte um. Ihr Freund erreichte das Gipfelkreuz des Großen Ifingers allerdings spielend.

Erschöpft aber glücklich erreichte ich den Gipfel des Kleinen Ifingers in 2.552 Meter Höhe.

Mein Weg führte mich nun abwärts zur Kuhleitenhütte, um eine Pause einzulegen und mich zu erkundigen, wo meine Eltern in der Zwischenzeit waren. Diese kehrten zum gleichen Zeitpunkt auf der Meraner Hütte ein und so entschied ich mich, den gemäßigten breiten Weg 19A in ihre Richtung zu gehen.

Einen weitere Stop musste ich dann auf der Waidmannalm im Schatten einlegen. Denn eins hatte ich am Morgen vergessen. Mich mit Sonnencreme einzucremen. Entsprechend rot glänzten bereits Arme und Nacken.

Außerdem nutzte ich die Pause um was deftiges zu essen, schließlich sollte es eine länger Wandertag werden. Rund zwei Stunden später traf ich an der Meraner Hütte ein, um mit meinen Eltern dem Wanderweg 17 zur Moschwaldam zu gehen.

Die urige Alm liegt auf 1750 Meter und wird von Elisabeth und Sepp Reiterer bewirtschaftet. Hier gibts köstliche selbstgemachte Kuchen und andere Südtiroler Köstlichkeiten. Kurz unterhalb führt ein steiler steiniger Weg (51) her. Achtung, gerade bei Nässe muss man hier wirklich vorsichtig sein. Die letzten 20 Minuten des Weges legte ich einen Zahn zu und wartete bereits bei einem kühlen Bier auf der Sonnenterasse unseres Hotels auf meine Eltern.

Nur 15 Minuten später stieg Anky mit Josefine und einer Horde Kids aus dem Bus aus. Sie hatte den Tag mit Josefine verbracht und war am Nachmittag zum Sulfner Reiterhof gefahren. Klar, Reitern zuschauen und Pferde streicheln stand auf dem Plan.

Der Tag war für unsere Tochter so spannend und aufregend, dass sie bereits kurz vor dem Abendessen anfing vor Müdigkeit zu quengeln. Das Geknötter wollte ich weder den anderen Gästen im Restaurant zumuten, noch uns selbst. Deshalb verzichtete ich an diesem Abend auf das Menü und machte Josefine bettfertig. Noch etwas spielen und kuscheln und weg war die junge Dame. Eine halbe Stunde nachdem sie eingeschlafen war, wurde mir sogar noch ein Nachtisch und ein Bier aus dem Restaurant hochgebracht. Was ein Service meiner Familie.

Tipp: Die digitale Wanderkarte von Meran 2000 zum Download!

Donnerstag, 20.6.

Heute ist Oma- und Opa-Tag. Wie zuhause, wenn meine Frau und ich hätten arbeiten müssen. Im Urlaub bedeutet dies allerdings, wir können uns von morgens bis abends Zeit für uns nehmen. In diesem Fall für einen Tagesausflug zum Gardassee. Der Abschied von unserer Tochter nach dem Frühstück fiel uns nicht leicht, weil Josefine gerade sehr anhänglich war und weinte, wenn einer ihrer engsten Bezugspersonen nur aufstand und ein paar Meter wegging. Allerdings wussten wir auch, dass sie bei den Großeltern in guten Händen und auch schnell wieder in ihr Spiel vertieft war. Und so ging es nach dem Frühstück für uns mit dem Auto die rund 152 Kilometer Maut frei in rund 2 1/2 Stunden nach Malcesine.

Auf der Strecke gab es heute laut Navi keine Staus und so gönnten wir uns noch die Panoramfahrt über Vöran und Mölten mit tollen Serpentinen und grandiosen Ausblicken über Bozen. Meine Frau bekam meine Begeisterung für die Landschaft kaum mehr mit. Beifahren bedeutet bei ihr gleich schlafen, dementsprechend verabredeten wir uns darauf, dass ich sie am Gardasee wecken sollte und nicht erst wenn wir wieder zurück in Falzeben waren.

Um 12:20 Uhr bogen wir von der Via Gardesana auf einen öffentlichen Parkplatz ab. Die Sonne brannte. Auch die frische Brise machte meinen Sonnenbrand auf Armen und Nacken nicht vergessen. Nach einem kurzen Blick auf die Burg Castello Caligero war unser erstes Ziel ein Schattenplätzchen im Restaurant Lido Paina, an einem Tisch fast direkt am See.

Klar, eine Pizza musste es sein. Und die war wirklich gut. Im Anschluss an das gute Essen schauten wir uns noch angrenzenden Seehotels von außen an. Nicht schlecht, manche sogar inkl. Bedienung an der Liege direkt am angrenzenden Seestrand. So lässt es sich aushalten. Wir hingegen gönnten uns zur inneren Abkühlung ein Eis im Städtchen.

Auf unseren Rückweg über die SS45 stoppten wir noch an einem Aussichtspunkt am wunderschönen Toblino See, den wir so eigentlich gar nicht auf dem Schirm hatten. Von einem Aussichtspunkt hat man einen tollen Blick auf das im 12. Jahrhundert erbaute Castel Toblino, das ursprünglich auf einer Insel gebaut wurde, heute aber durch den geringeren Wasserstand auf einer Halbinsel steht. Heute ist dort ein Restaurant untergebracht. Doch in bestimmten Nächten soll es hier gruselig zugehen. Der Sage nach, sollen in Vollmondnächten zwei ehemalige Bewohner des Schlosses, die im See ertrunken sind, als Geister über dem See schweben.

Unser nächstes Ziel war der Kalterer See bei Kaltern. Dieser gilt als wärmster Badesee der Alpen, in den Sommermonaten kann die Temperatur bis 28 Grad betragen. Das ist auch der Grund warum sich dort abseits der kostenpflichtigen Badewiesen in zweiter Reihe gastronomische Angebote angesiedelt haben. Für uns, die eigentlich nur kurz am See was trinken wollten, war das irgendwie nix. Aber so einen ganzen Badetag dort einlegen, das ist bestimmt ganz schön.

Als wir gegen 18 Uhr zurück im Hotel waren, schloss uns unsere Tochter quietschvergnügt in die Arme. Wie man einem Screenshot entnehmen kann, sind nicht alle Laufversuche unserer Tochter von Erfolg gekrönt. Übung macht die Meisterin. Entsprechend verlagerten wir die frühkindlichen Gleichgewichtsübungen auf einen etwas weicheren Untergrund, dem Trampolin.

Während des Abendessen drehte Harmonika-Sänger und Witzeerzähler Peter seine Runden um die Tische. Hat’s uns gefallen? Geht so, dafür Josefine um so mehr, die sich bei Musik und guter Laune so richtig müde tanzte und dem Musiker die Show stahl.

Freitag, 21.06.

Meine Eltern hatten sich vormittags auf den Weg zum Partschinser Wasserfall gemacht. Dieser gehört mit einer Fallhöhe von fast 100 Metern zu den schönsten im gesamten Alpenraum. Wir hingegen ließen es langsam angehen und verbrachten den Vormittag im Spielzimmer des Hotels.

Erst am Mittag nahmen wir die Gondel zur Bergstation, um mit Josefine eine kleine Wanderung zu unternehmen. Unser erstes Ziel auf dem Weg bergab zum Hotel, die Zueghhütte. Hier gibts natürlich eine leckere Brotzeit und vor allem tolle Spielmöglichkeiten für die Kleinen.

Das Personal ist super und nachdem es anfing zu regnen, haben wir drinnen weiter gegessen. Selbst ein Korb mit Spielzeug war da.

Die Innenausstattung der Hütte ist klasse und an mancher Stelle hängt eine Auszeichnung als „Schönste Skihütte Südtirols“ oder „2. Rang als schönste Almhütte Südtirols“. Die 1950 in 1765 Metern Höhe erbaute Hütte wurde Mitte der 90iger von Wirt Stefan als Pächter übernommen und ist ein paar Jahre später in sein Eigentum übergegangen. 2012 wurde die Hütte dann umfangreich renoviert. Seitdem sieht man überall Schnitzkunst, das Ergebnis des Hobbys des Chefs.

Für meine Frau und meine Tochter ist das Beste allerdings die Umgebung, genauer gesagt die vielen Pferde, die sich rund um die Hütte aufhalten. Und so verlängerte sich der Aufenthalt um einige Streicheleinheiten.

Ab in die Kraxe. Josefine saß angeschnallt hinter mir und zurück ging es zum Hotel. Aber nicht ohne alle paar Meter anzuhalten, um Äste, Steine oder Blätter anzufassen. All das zu erkunden und zu berühren liebte unsere Tochter gerade sehr. Während Anky und Josefine die nächsten Pferdchen am Hotel entdeckten, ließ ich mich auf der Sonnenterasse des Hotel Falzeben nieder.

Verrückt. An diesem Abend trafen sich zahlreiche junge und alte Läufer zusammen, um vom Hotel 800 Höhenmeter bis zur Kuhleitenhütte rauf zu joggen. Fachbegriff: Speedhiking! Und ja, das ist Strecke, die ich mich vor kurzem zum Ifinger hochgequält habe… und zwar nachdem ich das erste Stück mit der Gondel übersprungen hatte. Na Prost Mahlzeit.

Sonntag, 23.06.

Der gestrige Tag war ein Faulenzertag. Am Morgen zogen Nebelschwaden durch die Berge und die Wolken hangen tief. Dazu regnete es, so dass wir uns mit Josefine meist im Spielzimmer aufhielten. Erst am späten Nachmittag wurde es freundlich und sonnig, so dass wir sogar kurz auf den Spielplatz konnten.

Das Highlight des gestrigen Tages war das Kennenlernen des kleinen Lian, ein Junge aus dem Nachbarort, der Josefine schnell ins Herz geschlossen hat und das auch herzlich mit einer Umarmung zeigte.

Erinnert ihr euch an meine wanderbegeisterte Ehefrau. Ne, ich auch nicht. Wir hatten Oma und Opa gebeten, einen Enkelinnentag einzurichten, da ich meiner Frau eingetrichtert hatte: „Wer in Meran ist, muss einmal das Knottnkino gesehen habe“. Mein Versprechen so nah wie möglich mit dem Auto heranzufahren, hatte ich eingehalten.

Lediglich die Missachtung eines Straßenschildes hätte uns noch näher herangebracht und wenn ich dazu noch gewusst hätte, dass die gerade frisch gemähten Felder bei meiner Frau eine allergische Reaktion in Form eines asthmatischen Lungenpfeifens beim Aufstieg auslösen würde, wäre dies im Nachgang auch besser gewesen. Durch den fehlenden Sauerstoff und das immer kurzatmige Luftholen waren ihre Flüche nur noch als leises fiepsiges Säuseln zu hören und mein angeberisches Angebot sie ein Stück Huckepack zu nehmen, wurde glücklicherweise abgelehnt.

Was eine Aussicht über das Etschtal. Auf dem Rotsteinkogel kann man auf 30 Kinosesseln aus Stahl und Kastanienholz Platz nehmen und das Naturkino genießen. Das Knottnkino stammt vom ansässigen Künstler Franz Messner und ermöglicht einen Blick auf die Bergspitzen der Texelgruppe bis zum Gantkofel und weiter zum Weißhorn. Knottn bedeutet übrigens im Südtiroler Dialekt „Fels“.

Nach einer Weile verließen wir den Aussichtspunkt und machten uns mit dem Auto weiter auf den Weg in die westlichen Dolomiten. Ab Bozen geht es die Karereseestrasse nach oben. Das schöne Wetter lockte zahlreiche Ausflügler zum See. Leider bildeten sich vor drei Ampeln an Baustellen Rückstaus in die nachfolgend einspurigen Abschnitte wurden von Rennradfahrern und meist Wohnmobilen verstopft, die wegen der Enge nicht überholen konnten. Und so zog sich die Ankunft in die Länge.

Am Karersee gibt es einen kostenpflichtigen Parkplatz, der ursprünglich mal von Hohen Tannen und Bäumen im Schatten gelegen haben musste. Aber schon auf der gesamten Strecke von Bozen waren mir die großen Holzlager aufgefallen. Baumstämme wurden auf Grund der Hitze mit Sprinkleranlage gekühlt und zahlreiche Hänge waren abgeholzt. Grund für den Kahlschlag war der Orkan Vaia Ende Oktober 2018, der in Südtirol ganz Waldflächen zerstört hat. Hier im Karerwald sahen wir das zerstörerische Ergebnis. Da kann man nur hoffen, dass in den nächsten Jahren nicht weitere Dinge passieren, schließlich handelt es sich häufig um sogenannte Schutzwälder, die vor Erosion und Lawinen einen natürlichen Schutz bieten.

Durch einen Tunnel gelangt man vom Parkplatz auf die andere Straßenseite und von dort aus zu einer Aussichtsplattform auf den tiefgrünen Kareresee, der unterhalb des Latemarmassivs liegt.

Das Naturdenkmal kann man auch bei einem Spaziergang umrunden. Der See befindet sich übrigens in 1520 Meter Höhe und wird auch Regenbogen- oder Märchensee genannt. Die der Sage nach dort im See lebende Wasserjungfrau haben wir allerdings nicht gesehen.

Im Anschluss aßen wie noch eine Kleinigkeit in einer der beiden Imbissbuden und gönnten uns noch ein Eis vor der Rückfahrt nach Falzeben.

Und weil wir früher als geplant wieder im Hotel ankamen, konnten wir uns unsere einzige Wellnesseinheit des ganzen Urlaubs  gönnen und verschwanden für zwei Stunden in Saunen, Dampfbädern und Ruheräumen.

Montag, 24.06.

Guten Morgen Wanderfreunde. Das Wetter war ideal, um einen nächsten größeren Rundgang in Meran 2000 zu starten.

Nach dem ausgiebigen Frühstück verabschiedete ich mich von Anky und Josefine, die heute einen Mama-Tochter-Tag einlegten und ausgiebig spielten und schwimmen waren. Ich besorgte mir noch waschechte Wandersocken aus Lämmchenfell im benachbarten Souvenirshop und war trotz Blase am Fuß gewappnet, um zumindest die nahegelegenen Gondel zu erreichen. Nicht auf Grund des kleinen Handicaps, sondern aus Lust am Sessellift fahren, lösten meine Eltern und ich gleich ein Kombiticket, dass die Auffahrt zum Mittager gleich mit enthielt.

Rund 500 Meter nach den ersten Schritten im Meraner Hochplateau fiel meine Vater auf, dass sein Handy fehlte. Also ging es für ihn schnellen Schrittes zurück zur Bergstation. Glücklicherweise hatte ein Mitarbeiter aufgepasst und das Smartphone aus der Gondel gefischt, bevor diese ihren Weg nach unten antrat.

Der Ärger über sich selbst war verpflogen und so konnte das mit Treckingstöcken bewaffnete Trio weiterziehen. Unser erste Weg führte uns entlang des Pfiffingerweg auf den Waidmannweg und durch einen Waldpfad zum Kirchsteiger.

Unterhalb der Meraner Hütte bestiegen wir die den Sessellift zum Mittager, um dann den Wanderweg S1 zur Kesselberghütte zu folgen. Auf dem Mittager grasten und dösten hunderte Schafe.

Während meine Mutter und mich der Durst auf direkten Weg zur Hütte führte, folgte mein Vater dem S3 und erklomm den Windspitz auf 2392 Meter und traf rund 20 Minuten später auf der der Kesselberghütte ein.

In 2300 Metern und einer frischen Brise ließen wir uns eine Bockwurst mit Brötchen schmecken.

Es ging weiter entlang des S1 und vom Kesslberg kann man bis zum Kratzberger See sowie Saarntaler Alpen sehen.

Für eine Zeit verabschiedete ich von meinen Eltern. Zum einen wollte ich einen schneller Schritt gehen und mit Kopfhörern in den Ohren meine aktuelle Lieblingsplaylist hören. Die passenden Songs zu einer emotionalen Stimmung, die mich manchmal überkommt.

Und so konnte ich eine halbe Stunde bis zum Eintreffen meiner Eltern , eine Pause auf der Waidmannalm bei einem Apfelstrudel und einem „Hefe“ einlegen.

Von dort aus ging es noch eine weitere Stunde zurück zum Hotel Falzeben. In meiner Abwesenheit hatte Josefine bereits das kleine Madele Kiara kennengelernt, die ich genauso schnell ins Herz geschlossen hatte, wie meine Tochter.

Und während die Mütter der Mädels ihren Veneziano auf der Sonnenterasse genossen, brach für mich die Spielzeit mit den Kleinen an.

Dienstag, 25.06.

Ordentlich Frühstücken war die ideale Voraussetzung für Anky, um den kulinarischen Tagesausritt auf dem Rücken eines Haflingers und dem Bergrücken des Tschöggebergs anzugehen.

Um 9 Uhr brachte ich sie deshalb nach Vöran zum Obermichelerhof. Während der Kurs in der letzten Woche noch ausgebucht war, war sie heute die einzige Reiterin, die von der 22-jährigen Marta, der ältesten Tochter der Familie Innerhofer, begleitet wurde.

Und wow. Der Hof, auf dem man auch in mehreren Ferienwohnungen Urlaub machen kann, ist wirklich toll gelegen und bietet eine klasse Aussicht. Bei Auf- und Abfahrt auf den Tschögglberg hofft man aber darauf, dass einem kein anderes Fahrzeug entgegenkommt, was nicht immer klappt.

Zurück im Hotel ging es mit Josefine und meinem Vater erneut mit der Gondel zur Bergstation.

Wir wollten am letzten Tag unseres Aufenthalts noch eine kleine Runde drehen, bevor es über Nacht nach Hause gehen sollte. An der Bergstation angekommen erkundeten wir mit Josefine den tollen Outdoorspielplatz, der immer von Juni bis September geöffnet hat und oberhalb der Bergbahn liegt.

Neben Doppel-Seilbahn, Kletterstämme und Rutschbahnen, Wackelteppich, Slacklines, Trampoline, Kletterwand und Schaukeln gibts dort sogar einen Streichelzoo. Nachdem mein Tochter zusammen mit Opa die älteren Kids beobachtet hatte, wurde sie in die Kraxe gesteckt und uns los ging es zur Zuegghütte.

Dort stoppten wir um etwas zu essen und zu trinken und damit Josefine sich ihre Beine bei Laufübungen und im Sandkasten vertreten konnte. Natürlich konnten wir an den Pferden und Fohlen nicht vorbeigehen, ohne sie zu streicheln.

Auf dem Weg zu Hotel nickte die Kleine dann auf meinem Rücken ein und bekam die letzten Minuten des Abstiegs nicht mehr mit. Etwas irritiert schlug sie ihre Augen erst wieder auf, als ich die Kraxe auf der Terrasse des Hotels abstellte.

Schnell gesellte sich eine kleine Spielfreundin zu ihr. Auch wenn Sprachhemmnisse dazwischen standen, in dem Alter scheinen sich alle Kids zu verstehen. Und so wurden untereinander die Kinderhüte getauscht und vor den Eltern show getragen.

Gegen 17 Uhr holte ich meine Frau wieder vom Obermichelerhof ab, die einen tollen Ausritt erlebt hatte und völlig begeistert von der Trittsicherheit der Haflinger schwärmte. Das ideale Pferdchen für unseren unebenen Garten. Ja klar.

Während die Großeltern Josefine unterhielten packten wir die Koffer, da wir auf Grund der Hitze über Nacht nach Hause fahren wollten. Es war ein Versuch, ob unsere Tochter vielleicht sogar noch besser schlafen würde, als auf der ersten Etappe der Hinfahrt. Der Versuch ging schief. Gegen 19 Uhr verabschiedeten wir uns von Walli vom Hotel und starteten den Wagen Richtung Autobahn. Statt der mautfreien Strecke entscheiden wir uns diesmal für den schnelleren Weg über Bozen, Brenner, Innsbruck und den Fernpass. Das Weinen der Tochter schoben wir zu Beginn noch auf den Ohrendruck und allgemeiner schlechter Laune. Doch da nur phasenweise im Auto Ruhe war und selbst spät abends am Fernpass an Schlaf nicht zu denken war, brachen wir das Experiment Nachtfahrt nach lautstarken Geschrei ab.

Mittwoch, 26.6.

0:30 Uhr. Wir checkten entnervt im Hotel Seligweiler ein. Unsere Tochter strahlte und lachte uns an, seit dem sie aus dem Kindersitz raus war und ahnte, dass nun ein Bett auf sie wartete. 104 Euro inkl. Frühstück und Schwimmbadnutzung. Das war ok.

Meine Frau machte sich und Josefine bettfertig und kuschelte sich mit ihr schon einmal im Doppelbett ein, während ich noch ein paar Sachen aus dem Auto holte. Aus den Augenwinkeln lachte mich die Hotelbar an. Also, Sachen leise vor die Hoteltür in der 3. Etage gestellt und wieder runter an die Bar. Während des illustren Gesprächs mit der ehemaligen Personalleiterin und ihrem neuen Lebensgefährten über die Philosophie des familiengeführten Hotel, der besten Tankstellenpizza neben an und ihrem Hund, der morgen aus Berlin abgeholt werden sollte, klingelte mein Telefon. Ups, ich dachte die schlafen schon. Wo ich denn bleibe fragte meine Frau und ob ich denn nicht endlich mal hochkommen mag, der Kleinen ein Gute-Nacht-Milch zu machen. Mach ich… und verabschiedete mich für einen kurzen Moment von meinen Gesprächspartnern. Das Milchpulver und die Thermoskanne standen glücklicherweise noch vor der Hotelzimmertür und schnell war das Fläschchen gemacht und Gute Nacht gesagt.

Es war 3:30 Uhr als ich von der Hotelbar ins Zimmer schlich und es mir auf der schmalen Couch bequem machte. Vier Stunden später weckte uns der Presslufthammerlärm von der Baustelle unter unserem Fenster. Egal, das Kind war gut gelaunt und wir auch.

Beim Frühstück traf die Hotelbar-Runde wieder aufeinander uns wünschte sich gegenseitig eine „Gute Fahrt“. Erst um 11 Uhr checkten wir aus und fuhren weiter. Entgegen meiner Befürchtungen blieb es bei einem Unfallstau und bei den üblichen Verzögerungen an den größeren Autobahnkreuzen. Josefine dankte uns den nächtlichen Schlaf mit einer Fortsetzung. Sie schlief 2 Stunden bis zur ersten Rast und nach einem längeren Aufenthalt noch einmal 2 1/2 Stunden bis wir zuhause auf dem Garagenhof ankamen. Da war es wieder, unser reise-optimiertes Kind.

Fazit:

Falzeben und vor allem das Hotel Falzeben gehören zu für mich zu den besten Orten, die für Sport, Natur und Erholung gleichzeitig stehen. Die Betreiberfamilie erfüllt jeden Wunsch und mit ihrer herzlichen Art, sorgen sie und ihre Angestelten dafür, dass man sich von der ersten Minute an wohlfühlt. Der Name „Wohlfühlhotel Falzeben“ ist deshalb absolut berechtigt. Ich bin mir sicher, dass dies nicht der letzte Aufenthalt in diesem Hotel war. Insbesondere weil ich gerne einmal zur Skisaison dorthin möchte. Vielleicht erneut nach vier Jahren, wenn unsere Tochter alt genug ist, um die Skischule zu besuchen. Denn die Abwesenheit würden ihre Eltern dann nutzen, um den Wellnessbereich ausgiebig zu genießen.

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