Nordsee-Camp, Norddeich

Vorwort:

Was für eine Überraschung! Eigentlich schien das Wochenende vollständig mit familären Verpflichtungen ausgebucht zu sein. Doch dass alles nur eine Finte war, erfuhr ich zwei Tage vor Abfahrt. Bereits im Juni hatte meine Frau für vier Tage ein Chalet im Nordsee-Camp Norddeich gebucht und überraschte mich mit diesem Kurztrip. Fernweh!

Ok, unter Reisen hatte ich mir in diesem Jahr was anderes vorgestellt, insbesondere weil genau zu diesem Zeitpunkt eigentlich unser Trip nach Sizilien geplant war, der wie so viele Urlaub auf Grund der Corona-Pandemie ins Wasser gefallen ist und auf nächstes Jahr verschoben wird. Doch die Nordsee ist für uns ja sowieso ein beliebtes Ziel und da ich schon gar nicht mehr damit gerechnet hatte, überhaupt wegzukommen, habe ich mich riesig über diese Überraschung gefreut. Dieser kleine Bericht enthält weniger Sightseiing-Infos als die anderen und gleicht diesmal noch mehr als sonst einem „Tagebuch“. Ich hoffe ihr habt trotzdem Spaß am Lesen.

Freitag, 04.09.

Die Kita war darüber informiert, dass wir unsere Tochter bereits nach dem Mittagessen abholten und so ging es gestärkt mit Josefine auf die A31 Richtung Emden. Der Zeitpunkt war gut gewählt, da ihr Mittagsschlaf auf einen Großteil der Fahrtzeit fiel. Alles in allem war die rund 3 ½ stündige Fahrt bis auf ein paar wenige Staus entspannt.

Bereits vor zwei Jahren waren wir mit unserem alten Caddy und Dachzelt mit unserer damals erst ein paar Monate alten Tochter auf dem gleichen Campingplatz. In der Zwischenzeit wurde dieser um gut ausgestattete Chalets erweitert. Noch bevor wir ganz ausgepackt hatten führte uns unser Weg zum Kinderspielplatz, der nach der langen Fahrt ausgiebig erkundet wurde und auch in den nächsten Tagen Anlaufpunkt Nummer 1 wurde.

Für den Abend hatten wir einen Tisch im Restaurant auf dem Campingplatz reserviert. Nudeln, Pizzen, Schnitzel und Co… das Essen ist wirklich gut und lecker und die Portionen üppig. Besonders gut hat uns gefallen, dass die Kellner super aufmerksam sind und unsere Tochter nicht lange warten ließen. Ihr Essen war schon nach Minuten auf dem Tisch und das Kind konnte ihren Hunger stillen. Für unser „Finchen“ nur das Beste 😉 .

Da der Obstbedarf des Tages schon gedeckt war und wir davon ausgingen, dass es im Kindergarten natürlich auch etwas „Gesundes“ zu essen gab, stand auf der Speisekarte „Pommes und Schnitzel mit Ketchup“ und als Nachtisch noch ein Stück Pizza von den Eltern. Das kam gut an.Auf dem Rückweg wurden die angefutterten Kalorien auf dem „kleinen Spielplatz“ einfach weggespielt. Das galt besonders für uns Eltern, die sich nach lautstarken Verlangen von Josefine auch aktiv einbringen mussten.

Seeluft und das Auspowern im Freien haben natürlich einen super Nebeneffekt. Das Kind schlief wie ein Stein im fremden Bett, wenn dieses auch heimischen Bettzeug und Lieblingskuscheltier aufgepimpt wurde. Und so konnten meine Frau und ich bei einem Bier den Abend gemütlich vor dem Fernseher ausklingen lassen.

Samstag, 05.09.2020

Der Morgen begrüßte uns mit Sonnenschein und so machte ich mich zu Fuß auf zur campingplatzeigenen Supermarkt, um Brötchen und Marmelade einzukaufen. Die üblichen Nahrungsmitteln hatten wir von  zuhause mitgenommen.

Nachdem Frühstück starteten wir mit einer Spielzeit in den Tag. Favourite Game: Puzzlen. Gesagt getan. Während Vatta früher die Zeitung aufgeschlug, schaltete ich das Tablet an. Digitale Zeitungen und Zeitschriften, dank Readly Abo kein Problem.

Am Vormittag machten wir uns auf dem Weg zur Seehundstation. Da wir bereits kurz nach Öffnung da waren, dauerte die Wartezeit lediglich 10 Minuten. Aufgrund der Coronamaßnahmen ist die Besucherzahl natürlich auch hier begrenzt, der Vorteil ist aber, dass man im Gegensatz zur normalen Besucherzahl sich viel freier bewegen kann und die Fenster zu den Seehundbecken auch den Kleinsten eine gute Sicht boten. Und die putzigen „Kerlchen“ wurden von Josefine begeistert bestaunt.

Mit Ihren knapp zweieinhalb Jahren waren für Josefine nicht nur die Seehunde interessant, auch die ein paar der ausgestellten Dinge rund um das Thema „Robbenzählung, Auswilderung und Co“ forderten ihre Aufmerksamkeit.

Wie auch bei unserem letzten Besuch in 2018 regnete es in Strömen, als wir die Seehundstation verließen. Wir flüchten ins in der Nähe geparkte Auto und hatten glücklicherweise ein Kinderbuch im Shop der Seehundstation gekauft, welches die nächste Viertelstunde die Langeweile überbrückte.

Richtig spaßig wurde es aber dann aber im Nordsee-Express, der kleinen Bimmelbahn die verschiedenen Orte im Dorf und den Campingplatz verbindet und ideal war, um den Ort zu erkunden. Bei offenem Fenster forderte unserer Tochter alle vorbeigehenden Menschen, insbesondere aber die verbeinigen Begleiter, zum Einsteigen ein.

Vor dem Mittagessen wollten wir noch einen Abstecher zum Strand machen und ließen uns nach zwei Haltestellen am Deich „aussetzen“. Oh, Baustelle. Nicht so schön. Der Strandabschnitt wird erweitert und ein fertiges Ergebnis in Form einer sogenannten „Meeresterrasse“ konnte schon genutzt werden.

Die Erweiterung umfasst allerdings vor allem dem barrierefreien Zugang zum Strand und zu den Dünen bzw. der Nationalparkpromenade. Vielleicht werden wir uns das Endergebnis (ab September 2021) dann einmal anschauen.

Hunger! Eines meiner Lieblingsrestaurants in Norddeich ist das Diekster Köken. Ich stehe auf diese übersichtlichen Portionen verschieden gefüllter oder belegter Pfannkuchen. Und außerdem bietet es mir die Chance, rund drei Viertel der übriggebliebenen Portion meiner Tochter als Nachtisch zu verbuchen. Aktuell ist das allerdings gefährlich. Sie hat momentan nicht nur ihre „mach ich alleine“ Phase, sondern teilt auch ungerne ihr Essen, was bei Nichteinhaltung des Gegenübers zu ganz plötzlichen Wutanfällen führen kann. Aber nicht hier. Geschickt abgelenkt durch die zahlreichen Windspiele des Shops nebenan, konnte ich mich seelenruhig an ihrer Portion vergreifen. Und ich verspreche hiermit hoch und heilig, dass Josefine bereits satt war und keinen Hunger leiden musste.

Zum Mittagsschlaf sind wir wieder ins Chalet gefahren. Während zuhause das Schläfchen nur noch rund eine Stunde dauert, entschieden wir uns dazu, das Kind nach zweieinhalb Stunden endlich zu wecken. Frisch gewickelt und angezogen entschieden wir das Auto stehen zu lassen und stattdessen mit dem Nordsee-Express zum Strand zu fahren. Genug Proviant und Wechselklamotten hatte wir natürlich eingepackt und im Bollerwagen verstaut.

Der Wind trieb uns den Sand in den Augen und deshalb versteckten wir uns etwas windgeschützt zwischen den Strandkörben, um Sandburgen zu bauen und Sandkuchen zu backen.

Viel interessanter waren jedoch die Pfützen. Mutter und Tochter waren begeistert zusammen im Matsch herumzuspringen und verschiedenste Folgen und Szenen von Peppa Wutz nachzuspielen, die mit „Matschepampe“ zu tun haben.

Frisch umgezogen und mit trockenen Klamotten ließ sich die Jüngste der Familie mit dem Bollerwagen über den Deich in Richtung Haltestelle ziehen. Die Laune sank bei Vater und Tochter. Warum wussten wir beide zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht. Josefine heulte und meckerte, ich wurde grantig und Mutter versuchte die Wogen zu glätten. Die Lösung meiner Frau: „Ihr esst jetzt erst einmal was“.

Gesagt getan und nach nur wenigen Bissen stieg die Stimmung wieder. Na, auf die Idee hätten wir auch selbst kommen können. Und so konnten nur Minuten nach Anregung des Verdauungstrakts gutgelaunt die paar wenigen Spielgeräte vor dem „Mutter-Kind-Haus“ erkundet und getestet werden.

Rund 25 Minuten benötigten wir vom Deich aus mit dem Bollerwagen zum Campingplatz. Wir und auch ein paar andere Familien mit Kleinkindern hatten den letzten Nordsee-Express für diesen Tag verpasst und mussten per Pedes losziehen.

Am Campingplatz angekommen verbrachten wir den Abend noch auf dem Spielplatz, bevor wir müde ins Chalet zurückkehrten. Ok, „noch einmal“. Auch das gehörte mittlerweile zum wiederholten Wortschatz für Josefine und war eigentlich in jeder Situation zu hören. „Noch einmal spielen“, „noch einmal Lesen“, „noch einmal Fernsehgucken“. Und so ließen wir uns dazu bewegen, „noch einmal“ Regenwurm zu spielen und schlängelten uns mit unserer Tochter durch das Chalet. Ich wäre im Anschluss am liebsten auf dem Boden liegen geblieben, aber es half ja nichts. Das Kind musste bettfertig gemacht werden.

Sonntag, 06.09.2020

Ähnlich wie im Wohnwagen hört man den Regen im Inneren des Chalets sehr laut. Genau das war der Grund dafür, dass Josefine in der Nacht mehrmals wach wurde, als der Starkregen über Norddeich zog. Und leider sah am frühen morgen auch nicht besser aus. Den Weg zum campingplatzeigenen Supermarkt absolvierte ich deshalb mit dem Auto und kam mit passend zum Aufbruch der Wolkendecke mit warmen Brötchen und Croissants zurück.

Dem Gezeitenkalender nach erreichte die Ebbe um 8 Uhr morgens „Tiedeniedrigwasser“. Und bevor die Flut wiederkommen sollte, wollten wir mit Josefine im vielleicht größten Matschbecken der Welt spielen.  Und die hatte natürlich Spaß. In Pfützen springen, nach Wattwürmern und Muscheln suchen, Tauziehen mit Bojen usw.

Trotz des bewölkten Wetters und vereinzelten Tropfen ließen wir uns vom Wettergott nicht verscheuchen und nutzten den feuchten Sand, um Sandburgen bauen und Tunnel zu graben.

Als es uns dann doch zu frisch wurde, suchten wir uns ein windgeschütztes Eckchen im „Haus des Gastes“, um den Körper mit Kaffee und heißem Kakao aufzuheizen und anschließend mit eine kalten Pils für den Herrn und ein Eis für die Damen wieder abzukühlen.

Nach dem Mittagsschlaf verbrachten wir den Rest des Tages auf dem Kinderspielplatz. Rutschen, schaukeln, fangen und verstecken spielen und Kunststücken machen. Was der alte Herr halt noch so drauf hat. Kindheitserinnerungen hat allerdings der Schaufelbagger hervorgerufen und von dem hat mich dann erst einmal keiner mehr runter bekommen.

Am letzten Abend unseren Kurztrips aßen wir erneut im „Cotto e Crudo“ auf dem Campingplatz.

Montag, 07.09.2020

Eigentlich hätte heute die letzte Woche der sechswöchigen Eingewöhnung unserer Tochter im Kindergarten beginnen sollen. Nach Absprache mit der Kita haben wir diese um einen Tag verschoben. Nach dem Frühstück verließen wir mit gepackten Taschen das Chalet, wickelten die letzten Dinge an der Rezeption ab und fuhren mit dem Auto zum Zentralparkplatz von Norddeich.

Wechselsachen, Snacks und Wickelzeug hatten wir bereits separat und griffbereit verpackt, in den Bollerwagen verstaut und los ging es zu den „Meerterrassen“.

Vor der Rückfahrt am Mittag wollten wir Josefine nochmal die Möglichkeit geben, ausgiebig im Wattenmeer zu spielen.

Allerdings entwickelte sich das Spiel zum Ü40-Sportabzeichen Event, da meine Tochter meinte, ihren alten Herren mit „Eins, zwei…LOOOS“ rufen, zum Wattjoggen animieren zu müssen.

Nach der ersten Disziplin im „Wattwettlaufen“ folgte das Bojen-Tauziehen, dessen Sieg ich für mich verbuchen konnte und somit doch noch die Ehrenkurde in Form eine Dankeschön-Küsschens meiner Tochter erhielt.

Matschen ist eine tolle Freizeitbeschäftigung. Leider ist sie am Anschluss allerdings meist auch damit verbunden, die bis auf die Haut durchnässte Klamotten ausziehen und sich auch wieder anziehen zu müssen. Und das war der Wendepunkt der guten Laune. Bis zum Restaurant Diekster Köken begleiteten uns schluchzende Schniefer, Kleinkind-Flüche und der ein oder andere Gegenstand flog aus dem Bollerwagen.

Bis, ja bis die Windspiele das Kindergesicht wieder strahlen ließen. Wir bestellten genau dasselbe wie vor zwei Tagen und genossen die letzten Minuten in Norddeich, bevor es ohne großen Staus nach Hause gehen sollte. Während meine Frauen schon schliefen schweifte ich in Gedanken auf der A31 schon wieder ab, denn zuhause wartete die Übernahme eines gebrauchten Wohnmobils, dass ich zwei Tage vor unserem Kurztrip gekauft hatte. Und so wurde die Autobahn in meiner Fantasie schon zum nächsten Roadtrip.

Fazit

Gerne wieder. Die Chalets im Nordsee-Camp Norddeich sind klasse. Die Größe reicht von 37 m² bis 45m², und die Preise von 60 bis 116 EUR pro Tag. Warum  dieser Unterschied? Weil die Ausstattung so unterschiedlich ist. Die Luxus-Chalets haben nämlich nicht nur ein normales Badezimmer, sondern bieten darüber hinaus auch eine  Badewanne mit Whirlpool-Funktion und eine Infrarot-Sauna. Diesen Luxus hatten wir nicht, waren aber mehr als zufrieden mit der „Normalo-Ausstattung“. Für uns ideal sind natürlich die zwei Spielpätze, der nahegelegene Strand, der täglich geöffnete kleine Supermarkt und vor allem das kinderfreundliche Restaurant auf dem Platz.

DANKE an mein Frau für diesen tollen Kurztrip während meines zweiwöchigen Kita-Eingewöhnungs-Urlaubs. Mal eben dem Alltagstrott enfliehen und ein paar Rituale hinter sich zu lassen, hat uns einfach gut getan. Für Kurzreisen – insbesondere auf Grund der Entfernung und der Fahrtzeit – ist Norddeich bzw. die Nordseeküste überhaupt ein ideales Reiseziel für uns als Familie mit Kleinkind. Ich denke für ein paar Tage werden wir spätestens im nächsten Jahr wieder vorbeischauen. Bis dahin.

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